Ausgabe 
21.1.1913
 
Einzelbild herunterladen

N K

1 *

* R

Aus das Kapital.

b Von Karl Marx. Vergesellschaftung. Die Verwandlung des auf eigner belt der Individuen beruhenden, zersplitterten Privateigentums tapitalistisches ist natürlich ein Prozeß ungleich mehr langwierig, at und schwierig als die Verwandlung des faktisch bereits auf ge⸗ (achaftlichem Produktionsbetrieb beruhenden kapitalistischen Pri⸗ igentums in gesellschaftliches Eigentum. Dort handelte es sich die Expropriation der Volksmasse durch wenige Usurpatoren, r handelt es sich um die Exproprlation weniger Usurpatoren durch Volksmasse.

Die wahre Schranke der lapitalistischen Produktion ist us Kapital selbst.

Krisen. Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame sungen der vorhandenen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wieder herstellen.

Es wird nicht zuviel Reichtum produziert. Aber es wird riodisch zuviel Reichtum in seinen kapitalistischen, gegensätzlichen

men produziert.

Es werden nicht zuviel Lebensmittel produziert im Verhältnis ur vorhandenen Bevölkerung. Umgekehrt. Es werden zu wenig noduziert, um der Masse der Bevölkerung anständig und menschlich

genügen.

ö Privateigentum. Vom Standpunkt einer höheren öko⸗ y mischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner sidividuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen, wie das srivateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst ine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesell⸗ haften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie ind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni tres familias den nachfolgenden Generationen verbessert zu

Inmterlassen. 5 Weltmarkt. Der Weltmarkt bildet selbst die Basis der hpitalistischen Produktionsweise. Andrerseits, die derselben inmanente Notwendigkeit, auf stets größerer Stufenleiter zu produ⸗ eren, treibt zur beständigen Ausdehnung des Weltsmarkts, so daß er Handel hier nicht dle Industrie, sondern die Industrie beständig en Handel revolutioniert.

Die Geschichte des Unterganges Hollands als herrschender bandelsnation ist die Geschichte der Unterordnung des Handels-

pitals unter das industrielle Kapital.

. . I 1 7 .

Wie die Pflanzen speisen. g Der Keimling am Rain, der die mütterliche Mitgift des Samenkorns aufgezehrt hat und mager wie eine Tanzfliege, nit zwei grünen dünnen Blättchen im Kreuz, auf der Scholle geht, nimmt, wenn der Ranzen geleert ist, die ruhmreichen deberlieferungen seiner Vorfahren auf und schickt sich an, gurch vorurteilslose Bewirtschaftung eines apfelartigen Bferderückstandes und massenhafte Vertilgung der schmack⸗ kaften Atome eines ehemaligen Juragebirges die göttliche Funktion aller Pflanzenwesen(die in der Umwandlung von Steinen und Schmutz zu Plasma, Zucker, Eiweiß, Leben und Schönheit besteht) zu erfüllen. Glühend vor Geschäftigkeit, llt er über die Salpeterbestände des Roßapfels her und pritzt Säure durch das Wurzelspritzchen in die Erde hinein, m die Kalk- und Magnesiakrumen mürbe und löslich zu machen. Er baut seine unterirdischen Fasern immer weiter um Rain hinauf und hinab, schlürft Wasser und Gips, an Bhosphorsäure gebundenen Kalk, Eisenorydule und, was onst noch an Bodensalzen im Wasser sich löst, gierig in sich kinein, läßt nichts unversucht und nimmt doch nicht wahllos non allem. Zu gleicher Zeit ist aber auch das Blattwerk nicht nul. Es sperrt weit die Spaltlöcher auf, schnappt Kohlen- ure und zerlegt sie mit Hilfe des Sonnenlichtes in Kohlen⸗ and Sauerstoff. Es speit den Sauerstoff aus, gliedert den

Kohlenstoff fest an die Bausteine der Mineralsalze an, die as Wurzelzünglein erbeutet hat, schindet sich weidlich ab und wird groß, stark und fett bei allen diesen Bestrebungen

perioden von den Felsskeletten der Berge heruntergekratzt

und am Festland als Ackerkrume angehäuft haben. Schließ⸗ lich, wenn die Pflanze an der Schwelle des Alters steht, die Zeit der Blüte vorüber und die Brut längst davon ist, hat sie Tröge voll Wasser ausgetrunken, hat Ballons voll Kohlen- säure hinuntergeschwemmt und mit manchem Gramm Erde, das sie in sich aufnahm, heimlicherweise die Erinnerungen an devonische und diluviale Zeitalter verschlungen. Dabei brauchte sie nichts, was je ein Tier oder eine Pflanze schon vorgeformt hatte. Sie baute sich jeden Bissen von Grund aus auf und dient noch im Tod dadurch, daß sie den Regen- wurm speist, fernem tierischen Leben als Quelle der Kraft. Von einigen Ausnahmen lesen wir in dem Kosmos bändchen: Würger im Pflanzenreich von Dr. Adolf Koelsch, dem auch die vorstehenden Ausführungen entnommen sind. Was sich hier offenbart und mir als das Wunderwürdigste vorkommt, ist die ungeheure Selbständigkeit in der Er⸗ nährung, dieses trotzige ganz auf eigenen Füßen Stehen. Es ist beispiellos in der gesamten Natur. Wir Menschen und alle Tiere, von der Amöbe herauf bis zum Vetter Schimpanse, sind nichts im Vergleich zu den Wesen, weil unser Leib die große Synthese(oder Zusammenfügung) des Fleisches aus Erde, Wasser und Luft nicht ausführen kann. Dies rächt sich insofern, als wir ohne die grüne Pflanze unser Dasein nicht fristen können. Ihre Geschicklichkeit muß sich als Mittler zwischen uns und die Urelemente schieben, sie muß das Mineralreich erst dadurch urbar machen für unseren Leib, daß sie in ihren Grünstoffkammern wunderwirkende Sonnen- energie an die kalten Atome der Steine und Luftgase bindet, ohne dies alles findet menschlicher Lebenswille auf der geronnenen Kruste des ehedem feuerflüssigen Erdplaneten weder Anker- noch Landungsplatz. Ja, wir stehen auch dort, wo wir tierisches Fleisch als Speise benützen, in Abhängig⸗ keit von der Pflanze, weil das Tier, das uns Lendenbraten und Koteletts liefert, nur daseinsfähig ist, solange es grüne Wiesen und Kleeäcker gibt, in deren Halmen, Stengeln und Wurzelwohnungen sich die Verwandlung von ungenießbarer Erde in saftiges Magenlabsal vollzieht. Hingegen kann sie, die Pflanze, ohne uns alle gut da sein. Sie braucht zur Be⸗ bauung der Erde nicht Mensch und nicht Tier.

Das Orientproblem. Von Par vus. 13. Die Diplomatie.

Der nationale Hader, die Türkomanie und die beschränkte Politik der Jungtürken, die durch den kolonialen Kapitalismus ge⸗ schaffene Zersetzung, alte und neue Korruption, das alles kam in wilden und wirren parlamentarischen Kämpfen zum Ausdruck. Dazu aber noch die Diplomatie der Großmächte und die Intriguen der Balkanstaaten.

Und die traditionelle Rivalität der Großmächte bekam außer⸗ dem auch noch neue Nahrung in dem Widerstreit der kapitalistischen Interessen. Wie sich beide miteinander verflechten, mag an dem Veispiel der Bagdadbahn illustriert werden.

Die Bagdadbahn ist bekanntlich ein Unternehmen der deut⸗ schen Finanzgruppe. Diese Bahn erregte zunächst bei der eng⸗ lischen Diplomatie politische Bedenken, weil sie einen neuen Zugang zum Indischen Ozean schafft. Es gab darum politische Hemmnisse des Bahnbaues durch England. Die englische Regierung nahm den Sultan von Kaweit unter englisches Protektorat und be⸗ kam so den besten Ausgangspunkt der Bahn in ihre Gewalt. Da⸗ neben stellte England dem Bahnbau finanzielle Hindernisse. Es ver⸗ weigerte seine Zustimmung zu der von der Türkei projektierten Er⸗ höhung der Einfuhrzölle. Aus welchem Grunde? Die Zölle sind ja der Schuldenverwaltung verpfändet, also würde eine Erhöhung der Zölle nur deren Einnahmen steigern, was vielleicht schlecht für den türkischen Staat, aber sicher von Vorteil für dessen Gläubiger wäre. Gewiß, doch der Zollüberschuß sollte gleich zur Bestreitung der Baukosten der Bagdadbahn dienen darum hinderte England die Zollerhöhung, um den Bahnbau zu verhindern. Ein kommer⸗

zur Läuterung der Welt von dem Abraum, den Regen, Wind end andere almosphärische Gewalten im Laufe ganzer Erd-

zielles Vorrecht, das übrigens an und für sich juristisch sehr anfecht⸗ bar ist, wurde auf diese Weise zu politischen Zwecken mißbraucht,