Ausgabe 
8.7.1913
 
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Sie sind Niederlagen des europäischen Handels. Aber bis der abel zum gemeinsamen Eigentum der Völker wird, ist es von itigkeit, daß bie Hansestädte unter dem Schutz und der unmittel- en Ueberwachung derjenigen Macht(Frankreich) stehen, welche zusen ist, den Handelsdespotismus(Englands) zu zerstören. Man darf vor allem nicht vergessen, daß das außerordentliche ältnisse sind. Man vermißt in Laufenbergs Buch die großzügige Konse⸗ zen, bie sich aus den von Laufenberg selbst herbeigebrachten, (aus wertvollen Tatsachen ableiten lassen. Diese Konsequenzen suen freilich nur dann radikal gezogen werden, wenn man der rteilung der bürgerlich- revolutionären, zeitgeschichtlich⸗revo⸗ konären Bedeutung Napoleons eine für Napoleon güunstigere Akematik zugrunde legt, als Laufenberg es bei allen Anerkennun⸗ der Genialität Napoleons tut. Es handelt sich keineswegs um Napoleonkult, sondern einfach um Tatsachen. Napoleons gelutionierende Bedeutung für Deutschland war so ungeheuer 13, daß man alle geschichtlichen Feststellungen zu dieser Bedeutung u8Zeztehung setzen muß. Das ist so scheint es wenigstens einem Der des Buches in Laufenberg nicht entschlossen genug ge⸗ ien. Aber wie dem sei: dies Buch darf in der historischen

ratur dieser Tage einen nicht gemeinen Wert beanspruchen, und w sind dankbar, es erhalten zu haben.

Deutsche Fürstentriefe an Napoleon. Im Archiv des Ministeriums des Auswärtigen zu Paris findet ein Band Aktenstlicke, der Briefe deutscher Fürsten an woleon I. enthält. Das ist nicht der ganze Schatz deutscher ü stenbriefe an den korsischen Parveuii. Die Mehrzahl scheint den in die dynastischen Hausarchive der verschiedenen deutschen herlänber zurlickgesunden zu haben. Daß insbesondere die Briefe U preußischen Hofes später angekauft worden seien, berichtet Varn⸗ gen von Ense in seinen Tageblichern. Einige Sammlungen der auger Briefe deutscher Potentaten sind veröffentlicht worden, be sie sind aber merkwürdig inhaltslos; nicht wunderbar, da die lausgeber ausdrücklich bemerken, sie hätten, um nicht peinliche emerungen zu wecken, gewisse Stellen unterdrückt. 1 Ein Inhaltsverzeichnis jener Pariser Sammlung und zum Teil lzüge aus ihr hat schon 1887 der jetzige zweite Direktor des Fußischen Staatsarchivs, P. Baillen, veröffentlicht. Gerade aus Briefen Friedrich Wilhelms III. von Preußen teilt er nichts Daten mit der letzte Brief des preußischen Königs an Poleon, der in dieser Aktensammlung sich befindet, ist noch am 9 anuar 1813 geschrieben! verspricht jedoch, daß die Schreiben 80 preußischen Königs in der Fortsetzung der Publikationen aus i preußischen Staatsarchiven erscheinen sollen. Seit diesem Ver- shehen ist fast ein Vierteljahrhundert verflossen, 88 dicke Bände in preußischen Archivpublikationen sind inzwischen herausgekom⸗ 9% aber die Korrespondenz des preußischen Hofes mit Napoleon e noch immer. Was mag Herrn Bailleu gehindert haben, sein t einzulösen? f Ein Blick in die Briese der außerpreußischen Fürsten, die Herr Allen 1887 mitgeteilt hat, erklärt, warum bis zur Stunde die tee Friedrich Wilhelms III.(mit ein paar zufälligen Aus⸗ men) nicht veröffentlicht worden sind. Nichts übertrifft die Aerdelosigkeit dieser hündisch wedelnden deutschen Fürstenbriese, am überschwenglichsten knieten vor Napoleon gerade die Fürsten Prinzen, die dann nach dem Sturz Napoleons sich als die uschesten brüsteten, so namentlich der Kronprinz Ludwig von mern, der immer wieder denRetter seiner Familie als den shten Mann der Weltgeschichte beräuchert und, wie sein regieren Papa gelegentlich schreibt, ganz närrisch vor Freude wird, wenn 1 Napoleon einmal eine Anerkennung zuteil werden läßt. Mit einem Bettelbrief beginnt die Pariser Sammlung. Am März 1800 bittet Amalie de Salm, Prinzessin von Hohenzollern, upeine monatliche Pension von 1000 Fr. 1800 tituliert Friedrich regierender Fürst von Wied⸗Neuwied, den ersten Konsul den knuchten Chef der großen Nation. Der regierende Fürst von Uuns-Braunsels, ein preußischer General, beteuert 1802, daß seine Akommenschaft sich der großen Zahl derer anschließen werde, die naleons Andenken segnen werden. Häufig kehrt in diesen Briefen Wendung wieder, daß Europa und besonders Deutschland, baleon Ruhe und Glück verdanken. Auch die freien Städte be⸗ gen sich an diesem Wettbewerb um die niedrigste Schmeichelei. u schreibt am 13. Mai 1803 die Stadt Frankfurt a. M. an den n Konsul:Indem Sie das Schicksal Deutschlands entschieden, stchten Sie einen gütigen Blick auf die freien und Handelsstädte berfen. Ihrem hochherzigen Schutz und Ihrer menschenfreund⸗

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lichen und großmütigen Weisheit ist es zu danken, daß der Rest der freien deutschen Reichsstädte und Frankfurt vornehmlich das Glück der Freiheit und politischen Existenz haben. Während Sie durch Ihre Taten ewig leben in den Annalen Europas, haben Sie es auch nicht verschmäht, gleichermaßen in den Jahrbüchern der freien Städte als Gründer Ihres zukünftigen Glückes genannt zu werden. Wiederholt wird Napoleon in den höfischen Familien- geschichten als Schiedsrichter angerufen, so bittet denCitoyen Premier Consul(1803 bemühten sich selbst deutsche Fürstenspröß⸗ linge um eine republikanische Sprechweise)! der Kurprinz Wilhelm von Württemberg ihn gegen die Verfolgungen seines Vaters, des Kurfürsten, zu schützen, und ihm in Frankreich ein Asyl zu ge⸗ währen:Seien Sie überzeugt, Citoyen Premier Consul, daß ich diese Gnade mein ganzes Leben zu würdigen wissen werde und daß ich meinen Ruhm barein setzen würde, durch meinen Eifer und meine Hingebung für alles, was die Interessen der französischen Regierung berührt, mich würdig zu erweisen. Der König von Württemberg gibt seinem Bruder, Prinzen Alexander, seit zwei⸗ einhalb Jahren keine Apanagen; der Prinz beschwert sich darüber (am 18. September 1808) bei Napoleon, demAbgott der Tapferen

und Soldaten aller Völker.

Um Schutz gegen Bayern fleht am 5. Oktober 1803 denFrie⸗ densstifter Deutschlands das Direktorium der Reichsxritterschaft. Gegen Hessen⸗Kassel wünscht Landgraf Emanuel von Hessen⸗Rothen⸗ burg geschützt zu werden. Gegen Preußen ruft im Herbst 1805 der Kurfürst Max Joseph von Bayern Napoleons Hilfe an. Die Fürsten von Leiningen, Löwenstein und Isenburg wünschen Besitzungen des reichsunmittelbaren Adels, des deutschen Ordens und der Maltheser zu annektieren, und versichern Napoleon dafürder vollkommenen und aufrichtigen Ergebenheit unserer Korporation. Für Gebiets⸗ erweiterungen, die der Erbprinz Karl von Hohenzollern⸗Sig⸗ maringen erbittet, versichert der Briefschreiber(Dezember 1805): Die ehrfurchtsvolle und treue Anhänglichkeit, die mein Haus der geheiligten Person Ew. Majeftät bezeigt hat... verleiht mir das sliße Vertrauen, daß meine demütige und ehrerbietige Bitte mit jener Güte aufgenommen wird, die Wohltaten auf alle zu ergießen pflegt, die Ihren mächtigen Schutz anflehen.

Januar 1806 winselt Fürst Karl v. Hohenlohe und Walden⸗ burg⸗Schillingsfürst um Hilfe gegen Vergewaltigungen durch Württemberg. Daß Napoleon dazu da sei, aller Welt ihre Schulden zu bezahlen, bilden sich die Träger, Anwärter und Entthronten der deutschen Gottesgnadentümer durchweg ein; eine Gräfin von Hoch⸗ berg nennt ihn in dieser Hoffnungden edelsten und größten der Fürsten.

Ganz im Stile der Königin Luise ist ein Brief der Pauline v. Lippe gehalten, in dem sie um Aufnahme in ben Rheinbund nachsucht:Dies Schreiben ist ohne Kunst, ohne Beredsamkeit, das Herz allein hat es mir diktiert; ich habe keine fremde Feder leihen können, da es sich um meine innersten Empfindungen handelt. Ueber Bayern beklagt sich am 1. November 1807 Herzog Ernst von Sachsen⸗Koburg, er möchte auch ein Stück von Bayreuth:Die politische Existenz meines Hauses ist eine Wohltat Ew. Majestät.

Zum Schluß noch ein paar Proben aus dem Jahre 1813. Am 26. Januar entwirft der König von Württemberg ein Charakter⸗ bild der Deutschen, die kalt und ohne Enthusiasmus seien, aber alles tun, was von ihnen verlangt wird:An ihre Fürstenfamilien ge⸗ wöhnt, deren Untertanen sie zumeist schon seit acht Jahrhunderten sind, hält ihre Treue jede Probe. Ich war in der Lage, mich davon zu überzeugen, als in den letzten Jahren des verflossenen Jahr⸗ hunderts die revolutionäre Regierung von Frankreich die Völker gegen ihre Fürsten aufzuwiegeln versuchte. Nicht ein Dorf, nicht ein Weiler in Württemberg hat sich ihren Wünschen geneigt. Im Laufe meiner vierzehnjährigen Regierung, in der mich sechs auf⸗ einander folgende Kriege benötigt haben, außergewöhnliche Steuern zu erheben, beträchtliche Truppenaushebungen vorzunehmen, habe ich keine Opposition erfahren, keinen Widerstand, sondern die voll⸗ kommenste Hingebung und den blindesten Gehorsam. Schließlich, trotz meines auf Erfahrung gegründeten Vertrauens, habe ich nie⸗ mals die Vorsichtsmaßregeln unterlassen, welche die Klugheit in allen Ländern gebietet. Noch bevor in Norddeutschland die Rede von geheimen Verbindungen war, habe ich bei mir alles zerstört und überwacht, was Miene machte, sich dem zu nähern, bis zu den Freimaurerlogen. Die Universität Tübingen wurde vor zwei Jahren einer vollständigen Reform unterworfen. Ein Kurator wurde eingesetzt und übte eine so strenge Disziplin, daß ste beinahe