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amerikanischen Soziologen, hat mit vollem Recht gesagt:„Der
Sozialismus, der heutzutage Furcht und Hoffnungen einflößt, ist aus der Schule von Marx. Niemand fürchtet ernstlich eine andere sogenannte sozialistische Bewegung, und niemand ist ernsthaft darauf bedacht, die Doktrinen, die irgend eine andere Schule von„Sozialisten“ vorgebracht hat, zu kritisieren oder zu widerlegen.“
Es wird wohl allgemein zugegeben werden, daß diese Worte eine bemerkenswerte Huldigung für den Einfluß und die Macht eines großen Denkers sind. Es ist keine Kleinig— keit, wenn eine internationale politische Bewegung mit vielen Millionen Anhängern so sehr von dem Geist eines einzigen
Mannes beherrscht wird, daß sie allgemein mit seinem Namen bezeichnet wird. Denn„Sozialismus“ und„Marxismus“
sind auswechselbare Ausdrücke von praktisch der gleichen Be— deutung geworden. In den europäischen Großstaaten, wo der Sozialismus eine politische Macht ist, wird die Bewegung so gut wie vollkommen durch den Geist und das Werk von Marx beherrscht und inspiriert. In den Vereinigten Staaten, wo es eine wachsende soziale Bewegung gibt, von der man
allgemein anerkennt, daß sie viel stärker und kräftiger ist, als
sie bisher politisch in Erscheinung trat, sind Sozialismus und Marxismus Synonyme. In China und Japan werden die Werke von Marx von denen eifrig gelesen und studiert, die gegen die herrschende Gesellschaftsordnung auftreten und von einer Veränderung träumen. In Australien sind die Schibolethe des Marxismus auf die roten Banner eines un⸗ zufriedenen Proletariats geschrieben. In Afrika gibt es Karl Marx⸗Klubs, und aus ihnen steigt der Geist der Revolution empor..
Angesichts dieser Tatsachen braucht man kein Sozialist zu sein, um ein Interesse für den Mann zu empfinden, dessen Werk und Persönlichkeit so viel zur Entwicklung des modernen politischen Denkens und Geschehens beigetragen hat. Ob sich nun im langen Lauf der Jahrhunderte der Sozialismus als gut oder böse, als Segen oder Fluch für die Menschen erweist, Karl Marx muß immer als eine der großen Weltgestalten unsterblichen Andenkens ein Gegenstand des Interesses bleiben. In stetig wachsender Zahl werden Jahr für Jahr intelligente Männer und Frauen das gleiche Interesse an dem Studium von Marx' Leben und Werken finden, wie an dem Studium des Lebens und Werkes von Cromwell, Wesley oder Darwin, um drei Unsterbliche von unendlich verschiedenem Typus zu nennen.
Man weiß merkwürdig wenig über Karl Marx, selbst unter seinen glühendsten Anhängern. Sie kennen sein Werk, weil sie Das Kapital mit der Andacht und dem Ernst studiert haben, mit dem eine frühere Generation von Christen die Bibel studiert hat. Aber der Mann selbst ist ihnen ge— wöhnlich unbekannt. Außerhalb der sozialistischen Bewegung ist die Kenntnis selbst seines Werkes auf die verhältnismäßig kleine Zahl derer beschränkt, die sich mit dem Studium solcher Dinge besonders befassen. Selbst diese wissen sehr wenig von dem Manne im Unterschied von dem Philosophen und Sozial— ökonomen. Der Durchschnittsmensch weiß weder über Marr noch über seine Theorien etwas Genaueres.
Obwohl mehr als sechsundzwanzig Jahre seit dem Tode von Marx vergangen sind, gibt es noch keine genügende Biographie von ihm in irgend einer Sprache. Die meisten Geschichten des Sozialismus haben seinem Leben einige
Kapitel gewidmet und die meisten Enzyklopädien beschäftigen
sich in biographischen Artikeln mit dem Mann und seinem Werk. Doch muß man feststellen, daß diese Kapitel und Ar⸗ tikel in Enzyklopädien, soweit sie in England und Amerika veröffentlicht wurden, fast ohne Ausnahme von den erstaun— lichsten Irrtümern wimmeln. Die Deutschen haben es viel besser gemacht.
Es gibt einen kleinen Band' Erinnerungen an Marx, von seinem Freunde Liebknecht verfaßt, der ins Englische übersetzt, in Amerika und in England weite Verbreitung ge⸗ funden hat. Dies Buch herzlicher und liebevoller Erinne— rungen ist seinem Geiste nach getreu, aber betrübend ungenau
Karl Marx zum Gedächtnis. Ein Lebensabriß und Er⸗
bmerungen von W. Tlebknecht. Nürnberg 1890,
in seinen Einzelheiten und beinahe trivial, wenn man es als eine Darstellung dieses Mannes und seines Werkes betrachtet. Sein Werk ist für den Forscher und Biographen unschätzbar, aber es ist nicht, auch seiner Bestimmung nach nicht, eine Marxbiographie.
Es war ungefähr vor dreizehn Jahren, als ich mir zum ersten Male des Mangels einer zuverlässigen und umfassenden Darstellung des Lebens und Werkes von Karl Marx bewußt wurde und mir vornahm, diesem Mangel abzuhelfen, falls nicht irgend eine würdigere und geeignetere Hand diese Auf— gabe vorher übernehmen und ausführen würde. Ich begann sosort Material für eine Biographie zu sammeln, und während der verflossenen Jahre, die mir infolge meiner Tätig— keit innerhalb der sozialistischen Bewegung fast keine Muße ließen, ist dieses Werk mit der Ausdauer und Energie zu Ende geführt worden, die unter den Umständen eben möglich waren.
Und jetzt nach Abschluß eines Werkes, das für mich eine Arbeit voller Liebe und Freude war, möchte ich mich doch nicht erkühnen, zu sagen, daß dieses Buch nur etwa den An- spruch machte, die endgültige Marxbiographie zu sein. Ohne Zweifel werden deutsche Forscher wie Franz Mehring oder Eduard Bernstein, die mit besserem Rüstzeug auf dem Plan erscheinen, uns eines Tages die ausführliche und seiner Be⸗ deutung voll gerecht werdende Biographie schenken, auf die alle Welt wartet. Mein Bestreben war es, dem Leser eine aus der Zuneigung geborene, erläuternde Darstellung des Lebens eines Mannes zu geben, der nicht allein ein tiefer und glänzender Denker, sondern auch eine liebenswürdige und interessante Persönlichkeit war.
Niemand ist in neuerer Zeit betrübender mißverstanden und verunstaltet worden als Karl Marx— in gleicher Weise von denen, die ihn hassen, als von denen, die seinen Namen verehren. Höchstwahrscheinlich werden daher diese Blätter sowohl Sozialisten wie Nichtsozialisten viele Ueberraschungen bringen; Marx, wie er hier ersteht, wird ganz unähnlich dem Marx sein, den sie, je nach ihrem Standpunkt, geliebt oder gehaßt haben. Im Vertrauen darauf, daß das Porträt des Mannes, wie ich es entworfen habe, im wesentlichen getreu ist, hoffe ich, daß dieses Buch meinen sozialistischen Genossen und allen, die Sozialismus studieren, ebenso wie auch be— sonders dem größeren Publikum, welches in diesen Tagen, wo so viel„Sozialismus in der Luft“ liegt, eine tiefgründige Kenntnis des Sozialismus für einen notwendigen Bestand— teil seiner geistigen Ausrüstung erachtet, Marx lebendiger machen wird. Wenn mir diese Hoffnung einigermaßen in
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Erfüllung geht, so bin ich mehr als zufrieden. J. S.
Für die deutsche Ausgabe sind, wie der Verlag mitteilt, die Zitate, die Briefstellen usw. sämtlich mit dem Original- text verglichen worden. Die tatsächlichen Angaben des Werkes wurden, soweit irgend möglich, nachgeprüft und eine Anzahl von Irrtümern und Mißverständnissen richtig gestellt.
Die neue Lehre der Welteutstehung.
Von H. Falkenfels. Wer an der Unzulänglichkeit dieser„schönsten aller möglichen Welten“ verzagen möchte, kann sich aus seiner Naturbildung einen
philosophischen Trost schöpfen, da sie ihm überall zeigt, daß das
Schlechte, Veraltete, Ueberholte niemals und nirgends noch seine Lebenskraft sofort verliert, sondern oft lange und so munter weiterlebt, als habe es erst jetzt so recht seine wahren Existenz⸗ bedingungen gefunden. Der ganze Anblick der lebendigen Natur ist eine eindringlich wirkende Illustration dieses wenig erfreulichen Satzes. Köunten denn sonst, wenn die Entwicklungslehre zu Recht besteht und sich hochentwickelte Tiere, ja Menschen aus ben einfach⸗ sten Bildungen des Lebens herausgestaltet haben, noch solche primitive Wesen wie Infusorien oder Würmer und Schnecken neben den die in jeder Hinsicht um ein Vielfaches übertreffenden höheren Lebewesen bestehen?
Aber das Edle wohnt überall mit dem Gemeinen zusammen und die Regel ist es, daß sich das Höhere sogar nur im Kampf mit dem in der Uebermacht befindlichen Niedrigen burchsetzen kann, daß die Wahrheit meist lange unterdrlickt wird, weil der Irrtum so üppig und erstickend wuchert. Nux aus solchen Betrachtungen heraus kann man es verstehen, wenn man in unseren Tagen über die grundlegende Frage aller denkenden Wesen, nämlich darüber: woher wir stammen, allgemein eine längst als unzulänglich er⸗ kannte Ansicht in Bichern und Köpfen lebendig wirken, feht,
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