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Wöchenfliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung
Nummer 9
Dienstag, den 3. Zuni 1913
2. Jahrgang
halten.
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Bildungsliteratur.
Wer die Kataloge unserer Bibliotheken einer Durch⸗ sicht unterzieht und die Prospekte unserer großen Verleger liest, bekommt einen Begriff, was literarisch alles in den letzten Jahrzehnten zur Hebung des„vierten Standes“ ge⸗ leistet wurde, wie spielend leicht es dem ernstlich Wollenden gegen früher gemacht ist, gute Bücher für billiges Geld in seinen Besitz zu bringen. Und dennoch ist gerade in unserer Zeit ein lebhafter Kampf gegen die Schundliteratur ent⸗ brannt, der einen lebendigen Beweis dafür liefert, daß wir die Arbeit, den weitesten Kreisen gute Literatur zu schaffen, noch längst nicht in dem Maße aufgenommen haben, wie es geschehen müßte, um Kulturarbeit am ganzen Volke zu leisten. Schundliteratur ist mehr und mehr zu einem festen Begriff geworden, in dem sich alles das ver—
einigt, was wir als sittlich minderwertig, als den Keim zum Guten im Menschen nach jeder Richtung hin vergiftend be—
zeichnen dürfen. Wir meinen aber, daß es mit der Be— kämpfung des Schundes allein nicht getan ist, daß es viel⸗ mehr gilt, Ersatz zu schaffen für schlechte Lite- ratur, für Lesestoff, der notwendigerweise den Genießen⸗ den nicht zum reinen Genuß kommen läßt, ihn nicht über das
Tagesniveau hinaus erhebt, ihn nicht„bildet“, das Wort im
ursprünglichen Sinn gebraucht. Damit dies Ziel erreicht werden kann, muß vielerwärts der Hebel angesetzt werden. Da sind zunächst die Tageszeitungen, die das gegebene Mittel zur Verbreitung von Volksbildung— wären. Gott seis geklagt, sie sind es nicht. Warum nicht? Bei dem wilden Konkurrenzkampfe, wie er im Zeitungsbe⸗ triebe herrscht, müssen andere, ganz andere Leitsterne den Zeitungsleuten voranleuchten, als die, durch die Zeitung volkbildnerisch zu wirken. Die meisten Tageszeitungen be— sitzen einen Abonnentenkreis, dessen Milieu sich im Laufe der Jahre kaum ändert. Was liegt näher, als daß Verlag und Redaktion alles tun, um sich„ihren“ Abonnentenkreis zu er⸗ Sie müssen also schon den„Instinkten“ ihrer Leser Rechnung tragen und Nahrung besorgen, die ihrem Publikum zuträglich ist. Tun sie das nicht, vernichten sie selber ihre Aussichten auf Erfolg, sie„vermasseln“, wie der Berliner sagt, ihr Geschäft. Kann man das von jemand ver— langen? Gewiß nicht. Also darf man nicht rigoros über die an sich bedauerliche Zeitungspraxis urteilen und diejenigen die sie schaffen helfen, ohne zu entschuldigen, verurteilen. Das Wollen hätten viele von ihnen, aber sie stoßen auf Widerstände bei denen, denen sie helfen möchten. Noch ist der Hunger nach Bildungsliteratur nicht so stark, daß er eine Bewegung entfesseln könnte, die mit der herrschenden Praxis aufzuräumen imstande wäre. Darum ist es falsch, mit der Auskehrarbeit allein bei den Tageszeitungen anzufangen, man muß sich zugleich auch auf einen langfristigen Feldzug gegen schlechten Geschmack, gegen Unverstand und Unaufge— klärtheit im Volke rüsten, auf einen Kampf, der mit einer unerhörten Zähigkeit geführt sein will, weil die Mächte, gegen die es geht, nicht für sich dastehen, sondern erst aus allerlei scheinbar fremdem Nährboden ihre Kraft saugen. Alles, was über die Brücke der Parteipolitik hinweg den modernen Deutschen in bezug auf allgemein politische Fragen
Vorwärts gebracht, was ihn auf sozialem Gebiete feinfühliger,
was ihn im ganzen staatsbürgerlich fortschrittlicher gemacht hat, gehört zunächst nicht in das Arbeitsressort der Volks- bildner. Sie stehen über den Parteien, außerhalb der Kon⸗ fessionen, sie bringen den Extrakt deutschen Denkfleißes und deutschen Dichtertums, um das Volk sonntäglich zu stimmen. Das Volk nicht als den vierten oder sonst einen klassifizier⸗ ten Stand begriffen, sondern als eine Einheit, als Träger deutschen Wesens und deutscher Erfolge. Dieser Extrakt ist zu schade, um hierhin und dorthin auf willkürliche Art ver⸗
schleudert zu werden, es muß System in die Sache
kommen.
Die Schäden auf dem behandelten Gebiete im einzelnen aufzudecken, ist hier nicht Raum genug. Wenn aber im fol⸗ genden von einer jüngeren Neuerung auf dem Gebiete der Volksbildung eingehender die Rede ist, so geschieht das nicht, um Reklame zu machen für irgendein Geschäftsunternehmen, sondern um die Blicke auf eine Einrichtung zu lenken, die aus ideellen Gründen der Unterstützung wert wäre: der 1910 in München gegründete„Verein die Lese“.
Es handelte sich für die Schöpfer des Unternehmens nicht darum, die in Deutschland blühende Vereinsmeierei durch eine Neugründung zu erweitern, sondern um die prak⸗ tische Durchführung eines wohlerwogenen Planes, um die Organisation der deutschen Leser. Zu diesem Zwecke wurde die„Lese“ gegründet, eine Wochenschrift, in der die besten der deutschen Dichter und Denker, lebende und tote, zum Wort kommen. Der Stoff ist dem Bedürf⸗ unis der vielen Tausende angepaßt, hat also nicht ein spezifisch literarisches Gepräge, sondern ist im besten Sinne des Wortes Volkskost. Die Lese-Praktiker folger⸗ ten ganz richtig: wenn Tausende den Lesestoff beziehen, dann ist es möglich, ihn so billig zu liefern, wie es bisher noch nicht geschehen ist. Daraus folgte weiterhin, daß das Unter— nehmen nicht geschäftlicher, spekulativer Natur sein dürfte, sondern daß es zu gemeinnützigen, volksbildnerischen Zwecken geführt werden mußte. Es mußte möglich sein, für wenige Pfennige jede Woche einen Stoff zu liefern, der aus der alten und neuen Literatur möglichst gute Proben bringt, und zwar nicht Surrogat, sondern Originalproben der Dich⸗ ter und Denker selbst.
Frei von jedem konfessionellen oder parteipolitischen Einschlag hat„Die Lese“ nun bereits das dritte Jahr den vorgezeichneten Weg eingehalten. Und der Erfolg? Lassen wir den Herausgeber der„Lese“ Georg Muschner, selber sprechen:„Der Erfolg ist der, daß, wie es schon lange nicht mehr geschehen ist, eine aus allen Schichten der Be⸗ völkerung zusammengesetzte Lesegemeinde sich gebildet hat, bei der die Gebildeten wie die Einfachsten auf ihre Kosten kommen.“ Größere Institute und Werke haben sich der„Lese“
angeschlossen. Organisationen, die der„Lese“ beitraten, sind folende: Die deutschen Goethebünde, der Südbayerische
Volksbildungsverband, die Vereinigung Karlsruher Künst⸗ ler und Kunstfreunde„Heimatliche Kunstpflege“, der Scheffel⸗ bund, die Literarische Gesellschaft zu Lübeck, die Freie lite⸗ rarische Vereinigung zu Hamburg und die Literarische Ver⸗ einigung zu Dessau. Die Stadt Düsseldorf ist der Lesege⸗ meinde beigetreten und hat ihre Volksbibliotheken auf 10 Jahre abonniert.
Die Lesegemeinde erhebt von ihren Mitgliedern
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