Ausgabe 
23.7.1912
 
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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung

Nummer 16

Dienstag, den 23. Juli 1912

1. Jahrgang

Die Arbeiterbibliotheken in Leipzig.

Welche Kulturarbeit die Arbeiter zu leisten vermögen, krotz der bescheidenen Mittel, dafür haben wir wohl das beste Beispiel in der Bildungsarbeit der Leipziger Arbeiterschaft. Um diese Arbeit würdigen zu können und um zu erkennen, wieviel Bienenfleiß sie enthält, muß man sie erst selbst gesehen haben. Die Arbeit, die die Leipziger Genossen, besonders auf dem Gebiete des Bildungswesens, geleistet haben, muß jeden mit Bewunderung erfüllen, der die Anfänge der Arbeiter⸗ bewegung mitgemacht und die Armut und Verfolgung der Arbeiter in den siebziger Jahren kennen gelernt hat.

Es bedarf keiner Schönfärberei, die Zahlen sollen selbst reden, um die Wahrheit des Gesagten zu beweisen. Im Jahre 1861 gründeten bürgerliche Politiker den gewerblichen Bild ungsverein in Leipzig, der auch eine Bibliothek schuf. Ein Jahr später war Genosse Bebel als Vorsitzender in der Biblio⸗ thekabteilung tätig. Im Jahre 1875 enthielt die Vereins- bibliothek 1936 Bände. Neben der Bibliothek wurde noch ein Archiv geführt, welches 396 Schriften sozialpolitischen, gewerblichen, statistischen und sonstigen Inhalts enthielt. Im nächsten Jahre stieg die Zahl der Bücher auf 2040; sie ist wohl auch im Jahre 1877 vergrößert worden, doch wurde der wei teren Entwicklung bald ein Ende gemacht. Die Stürme des Sozialistengesetzes brachen auch über diesen Verein herein. Er wurde nach der Veröffentlichung des Sozialistengesetzes aufgelöst und der Polizei fiel der größte Teil der Bibliothek in die Hände. Nur wenige Bücher hatten kurz vor der Auf⸗ lösung gerettet werden können.

Als man nun 1879 einen neuen, den Fortbildungsverein für Arbeiter gründete, richtete man mit den geretteten Büchern wieder eine Bibliothek ein. Es waren herzlich wenig Bücher, denn zwei Jahre später(1881) wird der Bücherbestand mit 574 Bänden angegeben. Nahezu drei Viertel des Be⸗ standes vom Jahre 1876 gingen durch das Sozialistengesetz den Bildungsbestrebungen der Arbeiterschaft verloren. Die Arbeiterschaft bekam ihre Bücher nicht wieder, die Polizei hat sie dem Verein für Volkswohl überwiesen.

Bis zum Jahre 1890 brachte der Fortbildungsverein, dessen Vorsitzender Genosse Friedrich Bosse war, seine Biblio thek auf die Höhe, daß er eine wichtige Aenderung vornehmen konnte. Es wurden nach und nach in den Vororten Lindenau, Neuschönefeld, Neureudnitz, Connewitz, Gohlis, Kleinzschocher, Anger⸗Crottendorf und Eutritzsch Unterabteilungen einge richtet. Im Jahre 1890/91 wurde die Bibliothek durch Dr. Franz Diederich neugeordnet und zum erstenmal ein Kata⸗ log gedruckt, der 1892 erschien; ein Jahr später stiftete eine Buchhandlung eine Anzahl Bücher, außerdem der Konsum verein 300 Mk. Im Jahre 1893 enthielt die Bibliothek 2257 Bände, die Leserzahl betrug 572, und die Zahl der Entleih- ungen 1922. Die Unterabteilungen des Vereins wurden selbständig und beschränkten sich in ihrer Tätigkeit auf die Vororte; der Arbeiterverein galt aber noch lange Jahre als Zentrale für die Bildungsbestrebungen der Arbeiterschaft, bis er 1906 im März seine Verschmelzung mit dem Sozial⸗ demokratischen Verein beschloß.

Diese Vereinigung ermöglichte es, unter anderem auch eine Zentralbibliothek zu gründen, nachdem sich alle Gewerk⸗ schaften, mit Ausnahme der Buchdrucker, Buchbinder und Metallarbeiter, bereit erklärt hatten, ihre Bibliotheken mit der des Arbeitervereins au verschmelzen. Unter der Leitung

des Sozialdemokratischen Vereins für den 12. Wahlkreis wurde nun eine der größten Arbeiterbibliotheken in Deutsch⸗ land geschaffen. Sie wurde im Jahre 1908 noch durch die Büchereien der verstorbenen Genossen Schoenlank, Wittich und Jaeckh um 2000 Bücher verstärkt, die sich als ein wert⸗ volles Andenken in der Zentralbibliothek befinden.

Seit dem Jahre 1893 bis 1910 hat die Leipziger Ar⸗ beiterschaft die Bibliothek auf eine Höhe gebracht, die sich zuvor wohl niemand träumen ließ. Denn im Jahre 1910 besaßen die Arbeiterorganisationen in Leipzig und Umgegend 64 Bibliotheken. Der Bücherbestand machte 48 116 Bände aus. Noch im Jahre 1907 war ein Bücherbestand von 31972 Bänden, und eine Ausleihe von 70885 Bänden. Im Jahre 1910 dagegen betrug die Zahl der Bücher 48 116, und die Ausleihe stieg auf 163 935 Bände.

Die Zentralbibliothek Leipzig⸗Stadt hatte 1910 einen Bücherbestand von 7787 Bänden, und eine Leserzahl von 1114, die entliehenen Bücher betrugen 13 640 Bände. Der Gesamtwert der Bibliothek ist mit 25 000 Mk. anzunehmen.

Die Bibliothek des Ortsvereins Plagwitz⸗Lindenau⸗ Schleußig hat sich im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhun⸗ derts sehr rasch entwickelt. Die Zahl der vorhandenen Bücher stieg bis 1910(von 717 im Jahre 1901) auf 6500; die Zahl der Entleihungen(von 2522 im Jahre 1901) auf 36 798. Der Geldwert der Bibliothek beträgt 20 500 Mk.

Um dem Elend und der Aermlichkeit der Leipziger Schulbibliothek durch ein geeigntes Mittel entgegenzuwirken, wurde im Jahre 1902 der Lindenauer Ortsvereinsbibliothek eine besondere Jugendbücherei angegliedert. Die Entwick lung dieser Bibliothek war überraschend gewesen. Sie wurde mit einem Bestande von 19 Bänden eröffnet, der bis 1910 auf 1139 Bände stieg. Die Entleihungen stiegen 1902 bis 1910 auf 10 606. Die Ausleihungen der Jugendliteratur machten 29 Prozent der Gesamtausleihe aus.

Die dritte Bibliothek, die ich noch besuchte, war die in Leipzig⸗Kleinzschocher, in der 1856 Bände vorhanden sind, und deren Entleihungen 19 969 Bände 1910 betrugen.

Diese drei Bibliotheken, von denen ich hier schreibe, fand ich in gemieteten Räumen untergebracht, also nicht, wie es üblich ist, in Schanklokalen, was man als etwas Anerkennens⸗ wertes bezeichnen muß.

Die Opferwilligkeit der Leipziger Arbeiterschaft offen⸗ bart sich uns dann noch mehr, wenn man sieht, daß diese ganze, man kann sagen, Riesenarbeit ehrenamtlich verrichtet wird, und wieder nur von Arbeitern allein, die doch tagsüber ihrer Beschäftigung in der Fabrik, oder sonstwo nachgehen müssen. Jede Bibliothek wird je nach ihrem Umfang bis von 25 Arbeitern und Arbeiterinnen verwaltet und die Bücher ausgeliehen, die Statistik geführt und sonstige Arbeiten be⸗ sorgt. Selbst Genosse G. Hennig, der die Seele des ganzen Unternehmens ist, muß von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends in der Buchhandlung seiner Arbeit nachgehen. Und doch sind diese Bibliothekare so gewissenhaft in ihrer Arbeit, daß kurz nach dem neuen Jahre der Bericht aller Bibliotheke gedruckt erscheinen kann.

Neben dieser Arbeit wird auch noch von der Leipziger Arbeiterorganisation derArbeiterbibliothekar herausge⸗ geben und von den Bibliothekaren redigiert und expediert.

Zu der Gesamtausgabe von 16 322,24 Mk. im Jahre 1910 trugen die Parteiorganisationen 12 535,88 Mk. bei, während die Gewerkschaften 3786,36 Mk. aufwendeten.