Ausgabe 
17.12.1912
 
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türkischen Finanzen durch die erwähnten Banken genauer fest agt und erweitert wurde. Als die europäischen Kapitalisten n, daß die Bankiers von Galata resp. die Ottomanische Bank diese Weise ihr Schäflein ins Trockene gebracht hatten, verlang sie die gleichen Garantien auch für ihre Forderungen. Aber oder ohne Garantien, der türkische Staat war nun einmal nicht onde, die wucherisch aufgebauschte Schuld zu tragen. So mußte in diese reduziert werden. Das geschah auch, und so kam es zu berühmten Dekret Muharrem 1881, das die Grundlage der in nationalen Verwaltung der türkischen Staatsschuld bildet. Eine tere wichtige Aenderung fand nur noch 1903 durch die neue Kon on und Unifikation der Staatsschuld statt.

Die internationale Verwaltung der unifizierten türkischen

matsschuld ist nicht etwa eine politische Körperschaft. Sie ist nicht e Vertretung der Großmächte, hat formell mit diesen nichts zu 1. Sie ist ein kapitalistisches Privatinstitut, das unter einer sehr Angten und einflußlosen Aufsicht der türkischen Regierung steht. Ase lapitalistische Privatgesellschaft erhebt Steuern, verwaltet atsmonopole, nimmt an den Zollerträgnissen teil usw. Nachdem diese Institution bestand, wurden auch die meisten eren türkischen Anleihen und Eisenbahngarantien unter ihre waltung oder Kontrolle gestellt, sodaß gegenwärtig starke 30 gent der türkischen Staatseinnahmen zunächst in die Kassen des erngtionalen Verwaltungsrates fließen, um an die Gläubiger geilt und zur Schuldentilgung verwandt zu werden, worauf dann Rest dem Staat zurückerstattet wird.

Der Verwaltungsrat besteht aus sieben Personen, Vertretern

Gläubiger, darunter auch die Ottomanische Bank, denen nach letzten Rechenschaftsbericht ein Personal von über 6000 Mann Verfügung stand. Die Kosten dieser internationalen Schulden waltung betrugen im abgelaufenen Jahre rund 15 000 000 Frks., der Staat zu tragen hatte. Dabei hatte der Staat umsonst Azel, Militär und Steuereinheber zur Verfügung zu stellen.

Die Einnahmen eines Mitgliedes des Verwaltungsrates stellen nach einer mir vorliegenden Rechnung auf 283 Lira im Monat, ind rund 6000 Franks. Dabei finden diese Herren noch Zeit

politischen Beschäftigung, zu einer ausgiebigen privaten Ge litstätigkeit, und bleiben Monate lang von Konstantinopel fort.

Für die unifizierte türkische Schuld werden 4 Prozent jährlich dem nominellen Werte gezahlt, in Wirklichkeit durchschnittlich

Prozent, außerdem eine Amortisation, die im abgelaufenen Pre die horrende Höhe von fast 1,8 Prozent erreichte. Die Amor iionsquote steigt automatisch Dank den enorm anschwellenden mahmen der Schuldenverwaltung. Sie wird, wenn dieser Zu ud nicht geändert wird, in weiteren 5 oder 6 Jahren nach ge ber Rechnung 4 Prozent betragen. Die Einnahmen der Schulden waltung betragen das Doppelte dessen, was an Zinsen zu be len ist.

Die Türkei bezahlt jährlich über 30 Millionen Franks zur

'ortisation ihrer Schulden, währenddem sie ein chronisches Defizit und jährlich neue Schulden aufnehmen muß. Auf diese Weise, Ich obligatorische exorbitante Schuldentilgungen wird die Geldnot Türkei künstlich gesteigert. Auf dem also vorbereiteten Boden Mut die Ottomanische Bank ein, die der Regierung Vorschüsse ge Wrt, für die sie sich 7 Prozent Zinsen und' Prozent Kommission, 4% zusammen Prozent bezahlen läßt! So wird der türkische kat sustematisch ausgewuchert.

Wie sich der Staat auch wendet und windet, er kommt aus den Een seiner zum internationalen Verwaltungsrat organisierten Fubiger nicht heraus. So hat z. B. der türkische Staat, um der 48 den ftalienischen Krieg geschaffenen Geldnot abzuhelfen, die östeuer erhöht bezw., da es sich um ein Monopol handelt, den choreis auf das doppelte gesteigert. Das ist eine Notsteuer in 1 Wortes furchtbarster Bedeutung. Aber siehe da! Ein Viertel * Steuerertrags wird von dem Schuldenverwaltungsrat esca Wert, da er laut Dekret Muharrem diesem zufließt und zu einer Merordentlichen Schuldentilgung verwendet werden soll. Das de bezieht sich auf die Erhöhung der Spiritussteuer. Dasselbe die soeben, ebenfalls als eine außerordentliche Finanzmaßregel, luhgefsührte Erhöhung der Schuszölle.

Wie ein Bandwurm wird diese Schulden verwaltung und fett, immer größer und stärker und raubt dem Staats⸗ Fanismus den Säftezufluß. Daneben bereichert sich die Otto inische Bank.

Mit diesen Finanzinstituten innig verbunden ist die.

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regie, die das Tabakmonopol in Pacht hat. Denn einerseits sind die Erträge der Tabakregie der Staatsschuldenverwaltung ver pfändet, woraus sich eine Kontrolle der letzteren über die Tabakregie ergibt, andererseits gehört die Ottomanische Bank mit zu den Grün dern der Tabakregie.

Diese drei größten Finanzinstitute des Reiches bezeichnet man gewöhnlich als die französische oder französich-eng⸗ lische Finanzgruppe.

Ihr Einfluß ist enorm. Sie bilden einen förmlichen Staat im Staate. Zunächst schon wegen ihrer finanziellen Macht und der außerordentlichen Privilegien, über die sie verfügen. Sodann wegen des gewaltigen Personals, das ihnen zu Gebote steht. Ich habe schon erwähnt, daß allein die Schuldenverwaltung über 6000 Angestellte hat, die über das ganze Reich verteilt sind. Alles nun, was von diesen Instituten lebt, verteidigt ihre Interessen. Es ist wie eine gewaltige Armee, die sich im Zentrum des Landes sowie in der Pro vinz installiert hat und einem Oberkommando folgt, das von der europäischen Hochfinanz kommt.

Die Verbesserung des Kalenders). Von Prof. Wilhelm Ostwald.

In den letzten Jahren ist eine große Anzahl verschieden artiger und zum Teil höchst sinnreicher Vorschläge erschienen, wie man den gegenwärtigen Kalender verbessern kann, dessen Nachteile und Ordnungswidrigkeiten allmählich so lästig ge worden sind, daß man sie nicht länger ertragen will. Die Schwierigkeiten, welche man hier zu lösen unternommen hat, beruhen im wesentlichen auf folgenden Tatsachen. Die stetig verlaufende Zeit wird nach vier gänzlich verschiedenen und untereinander zahlenmäßig durcheinander nicht ganz teilbare Einheiten eingeteilt. Zunächst nach Jahren, welche von dem Stande der Erde gegen die Sonne abhängen und sich alle 365,24 Tage wiederholen. Dann nach Tagen, die durch die Achsendrehung der Erde bestimmt werden. Beide Zeitlängen sind nicht zahlenmäßig durcheinander ganz teilbar und die Verschiebung, welche dadurch entsteht, daß der genaue Jahres anfang nicht auf dieselbe Tagesstunde fällt, sondern jährlich um etwa sechs Stunden später, wird in bekannter Weise durch die Einlegung eines Schaltjahres in jedem vierten Jahr und seine einmalige Fortlassung in jedem vierten Jahrhundert

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Ordnung und wird

ausgeglichen. Diese Angelegenheit ist in von der Kalenderreform nicht berührt. Eine dritte Periode rührt von dem Mondwechsel her und hat eine Dauer von nicht ganz vier Wochen. Da auch die Zahl der Mondwechsel im Jahre keine ganze ist, sondern die Mondperioden sich nicht ohne Rest in die Jahresdauer teilen lassen, so verschiebt sich von Jahr zu Jahr das Verhältnis der Mondphasen zu den Tagen des Jahres und es ist nicht möglich, beide Teilungen gleichzeitig durchzuführen. Dem⸗

entsprechend hat man die Beziehung des Monats auf die

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Mondphasen aufgegeben, obwohl der Name ja noch die Ent⸗

Wir eutuehmen diesen Aufsatz mit freundlicher Genehmigung der Akademischen Verlagsgesellschaft in Leipzig dem Buche Prof. Wilhelm OstwaldsDer energetische Imperativ. Es stellt eine Sammlung von Aufsätzen aus den verschiedensten Gebieten dar, die alle ein gemeinsames Leitmotiv haben, nämlich den von Ostwald denenergetischen Imperativ genannten Leitsatz, der lautet:Ver⸗ geude keine Energie. Eigentlich ist dieser Satz selbstverständlich. Denn instinktiv handeln wir nach dem Grundsatz, mit möglichst wenig Euergie möglichst viel zu erreichen. Im geschäftlichen Leben wird dieser Grundsatz unbedingte Anerkennung finden. Sehen wir uns jedoch das Leben genauer au, so werden wir überall arge Ver⸗ stöße gegen dieses Prinziy finden. Zur besseren Orientierung hat Ostwald 5 Gruppen gebildet: Philosophie, Organisation und Inter⸗ nationalismus, Pazifismus, Unterrichtswesen und Biographie, in die er die Aufsätze einordnet. Ostwald geht von dem naturwissen⸗ schaftlich(biologisch) klar und scharf begründeten wissenschaftlichen Monismus aus, der die Wesenseinheit von Geist und Körper fest⸗ stellt. Die Tatsache nun, daß die Energie, die in den verschiedensten Ausprägungen vorkommt, unzerstörbar, für die Erde und ihre Be⸗ wohner aber begrenzt ist, gibt der bewußt arbeitenden Menschheit die Aufgabe, mit ihr haushälterisch zu verfahren, die Zerstreuung der freien Energie aufzuhalten, woraus sich also von selbst der energetische Imperativ ergibt. Dieser muß Richtlinie alles Tuns sein,vom Nadeleinfädeln bis zur Regierung eines Staates. Und die Anwendungsmöglichkeit und die Notwendigkeit zielbewußten Strebens darzulegen, ist der Zweck der Ostwaldschen Aufsätze. Schade, daß sie nicht billiger sind(9.60 Mark). Wäre es nicht vor⸗

olksausgabe zu veranstalten?

teilhaft, eine etwas vereinfachte Vol t, und hat sich mit einem

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