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nur England und Frankreich. Nichts kleiner und verächtlicher da⸗ gegen als die enge, faule, gewissenlose, feige, tückische und an⸗ maßende Politik der Helfer Englands und der Feinde Frankreichs. Die politische Unreife und Unmündigkeit besonders der deutschen, in den Jahrhunderten des feudalen Polizeistaates entseelten deutschen Völker ließ letzten Endes die große kontinentale Politik Napoleons scheitern zum Unheil Deutschlands und aller Völker des Fest⸗ landes.

In einem kürzlich aus dem Nachlaß des bedeutenden öster reichischen volkswirtschaftlichen Schriftstellers Alexander von Peez (Englands Vorherrschaft. Aus der Zeit der Kontinentalsperre, Leipzig 1912, Duncker& Humblot) kann man die eben angedeuteten Grundgedanken zum ersten Mal in einem deutschen Werk umfassend und weittragend ausgeführt finden. Trotz der konservativen Richtung des Verfassers und mancher Grillen(die vielleicht aber auch Zutaten des Herausgebers sind) ist diese Schrift geeignet, das Verständnis für die geschichtliche Mission Napoleons zu fördern, das fast von der gesamten bürgerlichen Geschichtsschreibung Deutsch lands, seit den Pamphleten vor 100 Jahren bis in unsere Tage der unermeßlichen Entdeckung deskorsischen Parvenus verschüttet und erstickt worden ist.

Die englische Revolution hatte England einen wirtsthastlichen und politischen Vorsprung von 100 Jahren vor dem festländischen Europa verschafft. Rasch stieg es zur allbeherrschenden Weltmacht empor. Nachdem zuletzt Holland gesunken, hatte England nur noch einen Rivalen: Frankreich.

England gebot über alle Meere. Durch eine zügellose Aus⸗ übung der Seegewalt, die organisierter Seeraub war es gab kein Recht und keine Sicherheit der Schiffe und der Waren neutraler Mächte, sicherte es seinem Handel und seiner Industrie das Welt⸗ monopol. Eine zielsichere Diplomatie unterstützte und förderte seine Gewaltpolitik. Das Glück Englands war die dynastische und feudale Verkommenheit des Kontinents. Die Handelsverträge, die Eng land in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit den festländi⸗ schen Staaten schloß, benutzten den feudalen Verrat an den Landes- interessen, um jedes Aufkommen einer konkurrierenden Industrie auf dem Festland zu verhindern. Mit Frankreich(wie zuvor mit Portugal) vereinbarte England, unmittelbar vor Ausbruch der

französischen Revolution, einen Handelsvertrag, der französische Weine und andere Agrarerzeugnisse zugunsten des grundbesitzenden Adels Ludwigs XVI. begünstigte, aber die aufblühende bürgerliche Industrie Frankreichs zerstörte. Das Elend, das infolge dieses Handelsvertrags entstand, war die entscheidende Ursache für die Ex⸗ plosion der revolutionären Spannung. England glaubte zuerst, daß die Revolution Frankreich verzehren würde. Als es aber sah, daß der Umsturz der Monarchie und Feudalherrschaft auch in Frankreich alle Kräfte bürgerlicher Arbeit entwickelte, als die Kündigung jenes verwüstenden Handelsvertrags durch die Revolutionäre im Januar 1793 die Gefahr für das englische Weltmonvpol entblößte, stellte England sich an die Spitze der europäischen Fürsten, des Adels und der Kirche, um die Revolution niederzuwerfen.

Der englisch-sranzösische Gegensatz, der seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts bis 1815 von 116 Jahren fast die Hälfte, 56 Jahre, mit kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Mächten erfüllte, ist die bewegende Kraft des Zeitalters Napoleons.

Shakespeare hat in dem Testament Heinrich IV. die ewige aus⸗ wärtige Politik Englands gezeichnet:

Darum, mein Heinrich, Beschäftige stets die unzufriedenen Geister Mit fremdem Zwist; damit ausländische Wirrsal Erinnerung an heimische Kämpfe banne... Die Klugheit will ich segnen, Wenn Frankreichs sich und Oesterreichs Schuß begegnen

In den endlosen kontinentalen Kriegen wuchs Englands Mach empor. Kanada. Als es die Völker Europas gegen die französische Revo lution und Napoleon führte, ward es Weltherrscher. Noch in un seren Zeiten erlebten wir ein Beispiel der gleichen Politik. In de

gefährlichsten Krisis des Burenkrieges, als England die indischen

Grenzen durch Rußland gefährdet sah, gelang es der britischen Poli tik, die Völker und Heere Europas in sicherer Berechnung de

Als Preußen, Oesterreich, Frankreich sich um dynastische Interessen im siebenjährigen Kriege zerfleischten, nahm England

China zu sammeln und festzuhalten. Wenn die überwundene Un⸗ fähigkeit sich dann durch Schimpfen auf dasperfide Albion rächt, so ist das nur lächerliche Kinderei nach der schimpflichen Niederlage Napoleon erlag dem englischen Golde; er selbst hat es gewußt und gesagt, wie immer der beste Zeuge der geschichtlichen Wahrheit. Von 1793-1814 hat England die Fürsten und Regierer des Fest⸗ landes gekauft, zumal deutsche Landeskinder als Schlachtvieh ganze Heere mietend, kaufend, lockend verwertet, ausgeweidet. Nach PorterDas britische Reich in Europa betrugen die englischen Kaufsummen( Hilfsgelder,Subsidien):

Hannover(17931814) 2280 107 Pfund Sterling

Hessen⸗Cassel(17931810) 1406 127 5 1 Preußen(17941814) 3 375 664 25 5 Hessen⸗Darmstadt(17941799) 263 581 3 2 Baden(17941795) 20 990 1 7 Deutsches Reich(Anleihe 1795) 4600 000 7 5 Braunschweig(1795-1798) 125 087 8 5 Deutschland(1797-1806) 9 336 666 5 1 Bayern(1800) 501017 5 15 Deutsche Fürsten 700 000 5 5 Oesterreich(18091814) 1214 882 1 75

Das sind allein an go ffenen Hilfsgeldern rund 19 Millionen Pfund, 380 Millionen Mark, für die Herrscher des deut⸗ schen Reichs! Rußland, Schweden, Dänemark, Spanien, Portu⸗ gal, Sardinien, Sizilien, Marokko, erhielten ebenfalls riesige Sum⸗ men. Dazu kommen aber die ungeheuren Bestechungssummen flür Fürsten, Staatsmänner, Feldherren aller Länder. Potemkin, der Freund Katharina II. hatte vor dieser Zeit allein einmal eine bare Million erhalten zur Beeinflussung seiner Politik.

Das war die Macht, gegen die Napoleon während seines ganzen Daseins die verzweifelte Abwehr rüstete; mit seinem militärischen Genie, der revolutionären Begeisterung seiner Heere und mit dem wirtschaftlichen Kampf der K ontinentalsperre, aus der alle Feldzüge seiner letzten Jahre entstanden sind.

Die gesellschaftliche Herkunft der

3 Nen. 22 2 Wissenschasts⸗Pioniere.

Im Jahre 1873 erschien ein Werk von Alphonse de Cadolle, Zur Geschichte der Wissenschaften und der Gelehrten seit zwei Jahrhunderten nebst anderen Studien über wissenschaftliche Gegen⸗ stände, insbesondere über Vererbung und Selektionen beim Men⸗ schen, von dem uns im vorigen Jahre Wilhelm Ostwald eine deutsche Ausgabe geschenkt hat, die im Verlage der Akademischen Verlagsgesellschaft in Leipzig erschienen ist. De Cadolle hat mit seinem Buche, in dem sein Hang, die Methoden der Statistik auf alle möglichen Probleme anzuwenden, zu starkem Ausdruck kommt, die Grundlagen einerGeniologie, einer Naturgeschichte des Genies geschaffen. Wiewohl die Art der Inangriffnahme dieser Aufgabe durch de Cadolle starke Anfeindungen erfahren hat und noch er⸗ fährt, so ist doch dieses Werk zweifellos eine bedeutsame und höchst beachtenswerte Leistung, die sich erst recht fruchtbar machen kann, wenn das Buch unter die kritische Lupe genommen wird, wenn die Grundideen an weiterem Material und Studien erprobt werden, wie das Wilhelm Ostwald in seiner Sammlung von Biographien Große Männer zu tun unternommen hat. Welche wertvolle Rich⸗ tung dieser Forschungen schon genommen haben, läßt vor allen Dingen der erste Band dieser Sammlung erkennen, das hier schon gewürdigte Buch Ostwalds, das auch den Titel der ganzen Samm⸗ lung trägt, ferner die neue Cohensche Biographie des berühmten Chemikers van t'Hoff, die als dritter Band erschienen ist.

Zu welchen interessanten Ergebnissen de Cadolle immerhin kommt, mag ein gekürzt abgedrucktes kleines Kapitel aus seinem Werk zeigen, das wir hier mit Erlaubnis des Verlages zum Ab⸗ druck bringen. Der Verfasser benutzt als Unterlagen für seine Studien die Männer, welche in die Akademien der Wissenschaften und ähnlichen gelehrten Gesellschaften aufgenommen worden sind. Nun ist es sicher, daß nicht alle Mitglieder der Akademien große Männer gewesen sind, ebenso sicher, wie andererseits viele große tJ Männer nie für die Mitgliedschaft solcher Akademien in Frage ge⸗ kommen sind. Dennoch ist gerade Frankreich mit einem zentrali⸗ sierten Wissenschaftsbetriebe allesgroße wohnt zusammen auf einem Hümpel in Paris ein geeigneter Boden für die Anwenduig dieser Grundlage. De Candolle findet nun für 100 auswärtige Mit⸗ glieder der französischen Akademie folgendes. Es stammten aus r dem Adel und aus reichen Familien 41 große Forscher, aus der

mittleren Klasse 52 und aus der unteren Klasse 7. Als der mitt⸗ it de Candolle die Söhne von Lehrern, Juristen, Pastoren, Kaufleuten, Kleinbesitzern die aus reichen Familien stammten, an⸗

leren Klasse zugehör 2 Aerzten, Professoren, usw. mit Ausnahme solcher,

abenteuerlichen Unfähigkeit der Leiter der deutschen Politit in H aeseben. da zuweilen in gewiffen Ländern der Titel Professox oder