Ausgabe 
19.1.1937
 
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Dienstag, 19. Januar 1937

gegenüber den tierischen bevorzugt. Grundsätzlich ist ferner zu beachten, daß tierisches Fett noch schwerer als Fleisch aus deutscher Erzeugung herzustellen ist und pslanzliches Fett große Aufwendungen an Bardevisen erfordert. Erwünscht ist also vor allem «ine Kost, bei der Fett in jeder Form eingespart wird, zumal der Fettverbrauch in der Nachkriegszeit ohnedies stark angestiegen ist und den hohen Vorkriegsverzehr je Kopf der Be­völkerung erheblich überschritten hat.

Die in Brot, Kartoffeln und Zucker enthaltenen Nährwert­einheiten haben außerdem den Vorzug besonderer Billigkeit. Wie nachstehende Tabelle zeigt, decken sie die Hälfte des ge­samten Kalorienbedarfs, beanspruchen aber nur ein Viertel der Ernährungskosten.

Die Zusammensetzung der deutschen Nahrung:

Erzeugnis

Vrot, Gebäck und Kartoffeln , Zucker .......* .

Obst, Gemüse und Südfrüchte , Fleisch ....... ,

Fische..........

Was nun die ausländischen

wird die Frage der Einfuhr entschieden werden müssen nach dem Grade der Entbehrlichkeit, nach dem Preis der Nährwerteinheit, nach der handelspolitischen Lage und nach der Möglichkeit, die Nahrungsmittel ohne Inanspruchnahme von Bardevisen zu er- Ijalten. Alle diese Gesichtspunkte lassen sich nur selten vereinigen. So ist z. V. die Einfuhr von Margarinerohstossen unentbehrlich, und die Fetteinfuhr stellt sich in dieser Form unvergleichlich viel billiger als in Form von Butter; aber die Margarinerohstosfe kosten Bardevisen, während Butter im Rahmen des Austausch­verkehrs «ingesührt wird. Südfrüchte sind nicht lebensnotwendig; sie müssen aber vielfach hereingenommen werden im Austausch gegen Jndustrieerzeugnisse.

Unter Berücksichtigung der Einfuhrlage und der oben ge­schilderten heimischen Erzeugungsmöglichkeiten kann man die Nahrungsmittel in drei Gruppen teilen, je nachdem, ob ihr Verbrauch verstärkt, beibehalten oder vermindert werden soll.

Volkswirtschaftlich erwünscht ist ein:

verstärkter Verbrauch an:

Kartoffeln, Zucker, Marmela-de, entrahmte Milch, Quark, Graupen, Grütze, Hafer flocken, Saga, Kunsthonig, Butter­milch, Harzer und Limburger Käie, einheimischem Gemüse, Fischen, Hammelfleisch, Kaninchenfleisch:

gleichbleibender Verbrauch an:

Brot und Backwaren, Mehl. Schweinefleisch, Wild, Geflügel, Eiern, Reis, Kakao, Obst. Südfrüchten, Erbsen. Bohnen, Linsen, Vollmilch. Trockenobst, Honig;

verminderter Verbrauch an:

Rindfleisch, Kalbfleisch, Butter, Schmalz, Speck, Margarine, Speiseölen, und -fetten, Buchweizen, Hirse, Einsuhrgemüse, insbesondere eingesührtem Frllhgemüse, Fettkäse,

von

100 Kalorien

die für Lebens­

entfallen auf

mittel ausge­geben werde», entfallen aus

43

20

8

4

3

8

9

23

1

3

Nahrungsmittel anlangt, so

Nun steht aber nur ein Teil der Nahrungsmittel (darunter allerdings die wichtigsten, wie Brot, Kartoffeln, Nährmittel, Zucker u. a.) das ganze Jahr in gleichmäßigen Mengen zur Ver­fügung. Bei anderen unterliegt die Produktion zahreszeitlichen Schwankungen. Zur Vermeidung von Versorgungsschwierigkeiten und überflüssigen Einfuhren ist es erwünscht, daß der Ver­braucher sich noch mehr als bisher mit seiner Nachfrage diesen Angebotsschwankungen anpaßt. Wenn er zur Zeit der Schwemme" die im Uebermast vorhandenen Erzeugnisse bevor­zugt, so erleichtert er damit den Absatz dieser Waren und ent­lastet gleichzeitig die Nachfrage nach knappen Waren.

Welche Waren neben den hier nicht besonders aufgefllhr- t«n stets verfügbaren Grundnahrungsmitteln in den einzel­nen Monaten zu bevorzugen find, zeigt die nachfolgende Auf­stellung. die sich natürlich nur auf die bei einem durchschnitt­lichen Ernteverlauf gegebenen Verhältnisse bezieht.

im Januar:

Februar:

März:

April:

Mai:

Besonders zu bevorzugen sind

Schweinefleisch, Gänse, Fische, Kohlarten, Wurzel­gemüse, Obst- und Gemüsekonserven.

Schweinefleisch, Fische, Kohlarten, Wurzelgemüse, Obst- und Gemüsekonserven.

Schweinefleisch, Kohlarten, Wurzelgemüse, Obst­und Gemüsekonserven.

Schweinefleisch, Gier, Kohlarten, Wurzelgemüse, Rhabarber, Spinat, Obst- und Gemüsekonserven.

Gier, Milch, Quark, Spargel, Spinat, Salat, Kohl­rabi, Rhabarber.

Juni: Hammelsleisch, Gier, Milch, Quark, Spargel, grüne

Erbsen, junge Möhren, Salat, Spinat, Rhabarber, Frühkohl, Kohlrabi, Erdbeeren, Kirschen.

Juli: Hammelfleisch, Milch, Quark, Pilze, Kohlartcn,

Kohlrabi, grüne Erbsen, grüne Bohnen, Gurken, Salat, Beerenobst, Kirschen.

August: Hammelfleisch, Pilze, Kohlarten, grüne Bohnen, Tomaten, Gurken, Salat, Kohlrabi, Beerenobst, Pflaumen. _ :

September: Hammelfleisch, Geflügel, Pilze, Kohlarten, Gurken, Tomaten, Bohnen, Salat, Spinat, Pflaumen, Birnen, Aepfel.

Oktober: Rindfleisch, Wild, Fische, Geflügel, Pilze, Kohlarten, Gurken, Tomaten, Salat, Spinat, Aepfel, Birnen.

November: Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel, Fische, Wild, Kohlarten, Wurzelgemüse, Aepfel.

Dezember: Schweinefleisch, Fische, Wild, Gänse, Kohlarten, Wurzelgemüse, Aepfel.

Alsfeld, den 12. Januar 1937, Betreffend: Mitteilungen über Bohrungen und Grabungen durch die Behörden an die geologische Landesanstalt.

An die Bürgermeister des Kreises.

Das nachstehende Ausschreiben der geologischen Landes­anstalt empfehlen wir Ihrer genauen Beachtung.

Abschrift Ihrer der geologischen Landesanstalt zugehcnden Mitteilung wollen Sie uns jeweils vorlegen.

Kreisamt Alsseld.

I. SB.: Kessel.

Die Geologische Landesanstalt richtet hierdurch an alle Be­hörden des Landes die ergebenste Bitte, ihr von allen durch sie veranlaßten, von ihnen zu beaufsichtigenden, ober ihnen sonst zur Kenntnis kommenden Bohrungen, Schachtanlagen, Kanali­sationen, Drainagearbeiten, Quellsassungen, Vrunnengrabungen, Neuanlage von Friedhöfen, Straßen oder Wegen, Bahnen und Grundgrabungen für die Fundamentierung öffentlicher Bauren, Feldbereinigungen, überhaupt von allen solchen Arbeiten, bei denen Bodenausschlüsse entstehen, so frühzeitig Mitteilung zu machen, daß die Geologische Landesanstalt die betreffenden" Ar­beiten von Anfang an verfolgen und für die regelmäßige Probe­entnahme Sorge tragen kann.

Die Geologische Landesanstalt hat die Aufgabe, den Ausbau des Landes möglichst genau zu erforschen und die praktische SBer» Wertung der Gesteine und Bodenarten, der Quellen usw. zu ermöglichen. Sie kann aber diese Aufgabe nur dann erfüllen, toenn sie von allen Behörden hierbei durch Mitteilung der ge- nnnnten Art unterstützt wird. Da sich auch oft bei kleinen Schursungen usw. geologische Ausschlüsse von großer Wichtigkeit ergeben, so kommt es auf möglichst vollständige Mitteilung aller w Adelten an. Wir bitten auch dringend, den "unter­stellten Beamten diese Aufforderung zu Beginn jeden Jahres wieder in Erinnerung zu rufen, da sie sonst erfahruiigsgemäst m Vergessenheit gerät.

Direktion der Hessischen Geologischen Landesanstalt.

Achtung Kreisämter!

Wiederholt kommt es vor, das; Manuskripte der verschiedenen Kreisämter zweiseitig beschrieben werden und uns hierdurch technische Cchwierig- keitcn bereiten. Ebenfalls kann hierbei sehr leicht eine Seite übersprungen werden.

Wir bitten die verantwortlichen Stellen, dar­auf zu achten, das; in Zukunft jegliche Manuskripte nur einseitig beschrieben werden.

Oberhessische Tageszeitung