Ausgabe 
27.4.1922
 
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Amtsverlimdigungchlatt für die Provinzialdirektion Gberhefsen und für da; Kreisamt Gießen. Erscheint nach Bedarf: Montag, DieNStag, Donnerstag und Freitag. Bur durch die Post zu beziehen gegen M!. 6. vierteljährlich.

9tr. 57 27. April 1922

Zuhalts-Aebersicht: Bekanntmachung des Hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft. --- Errichtung von Beschwerdestellen in Pacht­einigungssachen. Förderung des Obstbaues. Bekämpfung der Schnakenplage. Erkrankung der Gemeindehebamme zu Stangenrod. Dienstnachrichten. Feldbereinigung Heuchelheim.

Bekanntmachung.

Im Deutschen Reichsanzeiger Rr. 89 vom 15. April 1922 befindet sich eine Bekanntmachung des Aeichswirtschaftsminifle- riums, betreffend Absteinpelung von in deutschem Eigentum be­findlichen ungarischen Kriegsanleihestücken zum Zwecke der Rostri- fizierung (Schuldanerkennung) durch die Königlich Ungarische Regierung vom 13. April 1922. Wir machen die Interessenten auf diese Bekanntmachung ausdrücklich aufmerksam.

D a r m st a d t, den 22. April 1922.

Hessisches Ministerium für Arbeit und Wirtschaft. Raab.

Bekanntmachung.

Detr.: Die Errichtung von Deschwerdeslellen in Pachtbinigungs- fachen.

Der Provinzialausschutz der Provinz Oberhessen hat zu Dei- sitzern der Beschwerdestelle in Pachteinigungssachen für die Pro­vinz Oberhessen bestellt: ,<

I. Aus den Kreisen der Verpächter:

1. Graf Wilhelm zu Solms-Laubach, Arnsburg bei Lich,

2. Landwirt und Mühleabesitzer Schudt, Görbelheim (Post Friedberg),

3. Landwirt Heinrich Häger, Ober-Hörgern,

4. Landwirt Fritz Fenchel, Griedel,

5. Landwirt Heinrich Heister, Hain-Gründau..

II. Aus den Kreisen der Pächter:

1. Oekonomierat Hensel, in Dohelrod,

2. Landwirt Gustav Reul, Petterweil,

3. Landwirt Heinrich Schneider I., Utphe (Post Berstadt),

4. Landwirt Franz Happ. Seipelsdorf,

5. Georg Jakobi, Birklar.

Als Stellvertreter werden bestellt:

I. Aus den Kreisen der Verpächter:

1. Kammerdirektor Birnbaum, Laubach,

2. Landwirt Fritz Heuser HL, Rieder-Weisel,

3. Gastwirt und Landwirt Ferdinand Psannstiehl, Ulrichstein,

4. Landwirt Wilhelm Reih !., Echzell,

5. Altbürgermeister Maul, Ossenheim bei Friedberg.

II. Aus den Kreisen der Pächter:

1. Eutspächter Weitz zu Hof-Grah bei Hungen,

2. Pächter Gottmann in Gietzen,

3. Emil Hensel, Rodheim v. d. H

4. Karl Henzel, Obbornhofen,

5. Rudolf Philippi, Friedberg-Fauerbach.

Gietzen, den 22. April 1922.

Kreisamt Gietzen. 3. D.: Dr. Braun.

Detr.: Die Förderung des Obstbaues; hier: das Umpfropfen von unrentablen Obstsorten.

2ln die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Zum Umpfropfen von unrentablen Obstsorten können den Gemeinden (auch für die Mitglieder des Obst- und Gartenbau- Vereins) folgende Apselsorten (Pfropfreiser), soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 15 Pfennig das Stück zur Verfügung gestellt werden:

1. Gel:er Edelapfel, 2. Baumanns Renette, 3. Schöner von Boskovp, 4. Coulon-Denette, 5. Landsberger Renette, 6. Graue fr. Renette.

Das Abholen der Pfropfreiser kann Samstag, den 29. April und 6. Mai, vormittags von 812 Uhr, im Kreisamtsgarten erfolgen. Auskunft erteilt der Kreisobstbautechniker am Kreis­amt, Zimmer Rr. 20.

Gietzen, den 24. April 1922.

Kreisamt Gietzen. 3. D.: Welcker.

Bckanntmachnng.

B> t r.: Bekämpfung der Schnakenplage in der wärmeren Jahreszeit.

An warmen Tagen, oft schon im Februar und März, kommen die überwinterten Schnakenweibchen aus ihren Schlupfwinkeln hervp >^nd legen ihre 100300 Eier in das nächste beste stehende affte. Achtlos in irgend einen Winkel geworfene alte Gietz- kannep Kochtöpfe, Konservenbüchsen oder Flaschen, in welchen sich Regen» oder Schneewasser angesammelt hat, verstopfte Dach­

rinnen, Regentonnen, Gichwasserbehälter in Gärten, Spring­brunnenanlagen, Pfützen, Tümpel und Teiche sind neben den mit Vorliebe ausgesuchten Pfuhl- und Abwassergruben ihre Laich­plätze. Das Weibchen seht sich auf einen im Wasser schwimmen­den Gegenstand und legt seine Eier in Form eines Schiffchens ins Wasser.

Innerhalb 23 Tagen öffnet sich an dem auf dem Wasser aufliegenden Ende der Eier ein Deckelchen, und eine kaum sicht­bare Larve zwängt sich hervor.

Die lebhaft sich bewegenden Tierchen ernähren sich von verfaulenden Stoffen und sind bei warmem Wetter schon nach 10 Tagen ausgewachsen.

Die Larven haben am Körperende ein Röhrchen, durch welches sie in Zwischenräumen von 12 Minuten an der Wasserober­fläche Lust einsaugen. Mit der vierten Häutung löst sich aus der Larvenhaut die plumpe, hirsekorngrotze, kugelige Puppe.

An Stelle der Atemröhre am Kvrperende der Larve sind bei der Puppe zwei Atemröhrchen am Kopfe getreten. Rach 2 bis 4 Tagen entschlüpft aus der Puppe die fertige Stechmücke oder Schnake.

Alle Schnaken, auch dir gefährlichen Malaria- und Gelb­fiebermücken, machen dir vorstehend geschilderte Entwicklung aus- schlietzlich im Wasser durch. Hier können wir mit bestem Erfolg einer Schnakenplage Vorbeugen. Verhindern wir nämlich, datz Larven und Puppen an der Oberfläche Luft einsaugen können, dann mutz die Brut ersticken. Am leichtesten wird das erreicht durch chleberziehe» der Wasseroberfläche mit einer dünnen Oel- schicht. Geeignete Oele sind Floria-Larviol, Schnakensaprol und Petroleum. Diese Mittel werden mit einer automatischen Schna­ken- oder Obstbaumspritze in feinster Berstäubung unter 2 Atmo­sphären Druck auf die Brutstellen gespritzt. Es entsteht ein äußerst dünnes Oelhäutchen. Larven und Puppen verstop'en sich damit die Atemröhrchrn und ersticken in kurzer Zeit. 3(1 eine Spritze nicht vorhanden, dann wird die entsprechende Menge Oel (1 qm 2030 Gramm; 10 qm etwa i-'i Liter) aufgegossen und durch kräftiges Llmrühren über die Oberfläche verteilt. Die Oelschicht mutz absolut lückenlos sein, wenn dir gesamte Brut vernichtet werden soll.

3m slietzcnden Wasser legen die Schnaken keine Eier ab, und in stehenden Gewässern mit Fischrn und anderen Wasser- tieren wird die Schnakenbrut gefressen.

Es ist also zu beachten: 1. Fliehende Gewässer, 2. Tümpel und Teiche mit Fischen und anderen Wassertieren erzeugen keine Schnakenplage, 3. alle übrigen Gewässer sind entweder zu beseitigen oder absolut dicht zu bedecken oder mit einer Oelschicht zu überziehen.

3m Folgenden sollen die häufigsten Drutslellen und ihre praktischste Behandlung genannt werden.

1. Waldtümpel: Zuschütten, oder vertiefen und mir Fischen besetzen, oder mit Fischwassern verbinden; andernfalls überspritzcn mit Larviol sobald sich die Brut zeigt, meist schon Anfang April, bis zum Oktober.

2. W i e s e n w ä s s e r u n g: Sorae für richtigen Abfluß. Sieben an tiefen Stellen und in den Abflußgräben 14 Tage nach Schluss der Wässerung noch Pfützen, dann mutz die sicher vor­handene Brut mit Larviol vernichtet werden. 1./5.15. 9.

3. Offene Jauchegruben: Von 1. Mai ab alle 14 Tage bis 15. September mit Schnakensaprol übergießen (pro 1 qm 2030 Gramm; 10 qm etwa Vi Liter).

4, Mangelhaft gedeckte Jauchegruben: Alle Oesf- nungen und Ritzen, auch um die Pumpe, dauernd mit dicker Mistschicht beleaen; andernfalls behandeln wie 3.

5. Ab Wassergräben und Gruben: Behandlung wie 3.

6. Zwecklos um her st ehende Gefätze: Deseitiaung.

7. Gietzwasser - und Jauchebehälter in Gärten und Feldgrundstücken: Absolut dichte und befestigte Bedeckung (Sackleinen). Wenn trotzdem sich Brut bilden sollte, mit Larviol übe'spritzen, das nach 6 Stunden durch Lleberlauf abgeschwemmt wird. Mai bis Oktober.

8. Sand- und Leh m grub e n. die mit allerband Abfall­fl offen wieder zugefüllt werden. Behandlung wie 3.

9. Spri ngbrunnen- und Teichanlag en: Mit G,ld- fischen und Stichlingen beleben.

Wo Vv'st ehe''de Ratschläge befolgt, wo neben Praktisch be­triebenem Vogelschutz auch die übrigen insektenfressenden Tiere