Ausgabe 
29.4.1848
 
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Sie sagen, Sie seyen für die Republik, möchten aber nicht der Majorität Gewalt angethan sehen, und Sie würden jedem Versuche, durch Gewalt eine politische Ansicht durchzusetzen, entgegentreten. Wir danken Ihnen bestens bemühen Sie sich ja nicht eL wenn von Gewalt die Rede ist, so sind die starken und zahlreichen Arme der Majorität da; Sie müssen diese Majorität für sehr schwach oder sehr feig halten, wenn Sie glauben, daß sie sich durch Gewalt werde eine Staatsform aufdringen lassen.

Was würde man aber wohl in Frankreich oder England zu einem Candidaten sagen, der erklärte: ich bin zwar für die und die Ansicht; wenn ich aber sehe, daß die Majorität dagegen ist, so werde ich sie fallen lassen. Das Gelindeste, was man ihm anthäte, wäre wohl Das, daß man ihn von der Bühne zischte.. 2

Ich sprach vorher vom Gewissen. Erlauben Sie mir Sie zu fragen, ob Sie auch ein Gewissen ha⸗ ben. Sie werden mir diese Frage nicht übel neh⸗

men, denn wie man allgemein und von glaubwür⸗

digen Leuten hört, haben Sie ein Buch geschrieben,

worin Sie das Daseyn Gottes, die Unsterblichkeit und die menschliche Seele läugnen. Sollte ich hierin

falsch berichtet seyn, so bitte ich Sie um Widerle⸗

gung. Bin ich aber recht berichtet, haben Sie

ithi ch J igenen? t kei seele, so mithin nach Ihrer eigenen Ansicht keine Seele, so Herwegh bisher in Correspondenz standen?

wird mir wohl die Frage verzeihlich seyn, ob Sie ein Gewissen haben. 1

Sie sehen als äuft 6 5 ehen ale vaß es me Ehrenwort das Gemunkel niederzuschlagen. Denn

Bedenken hat, Ihnen unsere Stimme zu geben. Ein Oberhesse. 21.

In der gestrigen Nummer des jüngsten Tags, wird es als ein Manöver der Rückschrittsparthei ausgeschrieen, daß freie constitutionelle Männer den Minister H. Gagern als Candidat zur constitui⸗ renden Versammlung in Frankfurt in Vorschlag brachten. Ein solcher Vorwurf ist so ungereimt, daß er in der That keiner Erwiederung bedarf, und würde gewiß eine Entgegnung nicht erfolgt sein, wenn nicht der fragliche Artikel in schmähenden Worten die Frage gestellt hätte, ob wohl Gagern durch Annahme der etwa auf ihn fallenden Wahl das Volk betrügen werde!!

Betrachten wir die Verheißungen, welche unser Erbgroßherzog durch das Ediet vom 6. März dem Volke gab, so werden wir finden, daß diese Ver heißungen, soweit sie unser engeres Vaterland be⸗ treffen, wenn auch zum kleinen Theile, schon zur Wahrheit wurden, daß andere wiederum ein natio⸗ nales Interesse fuͤr ganz Deutschlaänd haben und nur durch die Beschlüsse der in Frankfurt zusam⸗ mentretenden constituirenden Versammlung verwirk licht werden können. Ist es aber nicht Pflicht des

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Mannes, unter dessen Mitwirkung die Ver⸗ heißungen des Edicts vom 6. März dargeboten wurden, daß er selbst thätig den Bau fördern helfe, dessen Vollendung die volle Verwirklichung der von ihm garantirten Versprechungen möglich macht, muß nicht gerade er sich doppelt berufen fühlen mitzuwirken, wo es sich um Deutschlands Größe, Einheit und Freiheit handelt?

Daß der edle Gagern eine unendliche Arbeits last übernimmt, kann Niemand leugnen, der nicht auf kindische Weise schon jetzt Mißtrauen gegen die

vollständige Erfüllung der Mission dieses Volks⸗ ministers säen will, allein Gagern ist auch der

Mann, der Ungewöhnliches, Außeroi⸗ dentliches zu leisten befähigt ist; und wenn er sich bereit erklärt eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen, so soll Niemand daran zweifeln, daß er das auf ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen und die Forderung der nationalen Interessen Deutsch⸗ lands neben den speciellen unseres engeren Vater⸗ landes möglich machen wird.

Gießen den 27. April 1848.

e

an Herrn Professor Vogt. 5 Erste Frage. Ist es wahr wie es munkelt daß Sie mit Ist. es nicht wahr, so ergeht die Bitte an Sie, durch offene und unumwundene Verneinung auf Ihr

Offene Fragen

bei aller gutmüthigen Leichtgläubigkeit an künftige goldene Tage will man denn doch von einem Her⸗ wegh für dieHeckerei bei uns nichts wissen.

Zweite Frage.

Wie gefällt Ihnen das brave und treue Be⸗ nehmen unserer Hessen im Kampfe gegen die Aufrührer, die aus der Schweiz herüberkamen? Nicht wahr, es verdient in ganz Deutschland den Beifall, der sich im Hessenlande aller Orten darüber ausspricht? Sagen Sie uns doch, ob auch Sie diesen Beifall theilen? Sprechen Sie es schwarz auf weiß aus, zu Ermuthigung Ihrer Freunde zur Beruhigung der Zweifler. Ja, die gefährlichsten Feinde der allgemeinen Freiheit sind diejenigen, welche als Freiheitsdespoten mit Schwert und Fackel in der Hand daher stürmen und unter dem gefälschten Namen der Freiheit uns zu ihren Knechten zu machen trachten. Sie

beschwören eine Reaction herauf, die Niemand wollen kann und will; Sie nöthigen sie uns am Ende auf, wenn wir sie für ein geringeres Uebel erkennen werden, wie die Wohlthat der Will⸗ kührherrschaft, mit welcher jene Freiheisapostel uns beglücken möchten.