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ihre lügenhaften Vorspiegelungen hören— nun dann wird von all' den schönsten Hoffnungen des 1848er Frühlings Nichts, gar Nichts in Erfüllung gehen. Vielmehr heißt die Ziffer für diesen Posten unserer Rechnung— Totaler vollständigster Ruin und Bankrott des deutschen Vaterlandes mögen endlich die Einen siegen oder die Andern; und zwar lediglich um der von den Herren Hecker, Struve, Herwegh und ähnlichen Helden ersonnenen Republik willen.
d. Dabei haben wir noch ganz außer Acht ge— lassen: die Einmischung auswärtiger Feinde oder Freunde. Unsere wohlbekannten französischen, russi⸗ schen, dänischen, polnischen und italienischen Nachbarn würden es sich aber im Falle eines Deutschland zer⸗ fleischenden Bürgerkriegs sicherlich nicht nehmen las— sen, sich Verdienste um das Glück der deutschen Nation zu erwerben. Die Russen würden der Mo—⸗ narchie, die Franzosen der Republik zu Hülfe ziehen die Einen würden in Frankfurt und Muͤnchen, die Andern in Wien und Berlin ihr Hauptquartier auf⸗ schlagen. Von dort aus würden wir militärische Befehle zu empfangen, dorthin Lieferungen und Kon— tributionen zu entrichten haben. Die Bauern würden mit Knuten⸗ und Säbelhieben von dem Pfluge zu Fuhren getrieben werden, und würden ohne Pferde heimkehren. Man kennt ja Dies von früher. Kurz Deutschland würde nochmals der Tummelplatz für fremde Völker werden und zuletzt wie immer— die Zeche bezahlen. Frankreich würde sich das linke Rheinufer, Rußland das rechte Weichselufer als Entschädigung aneignen. Und von den übri⸗ gen Nachbarn würde auch Keiner leer ausgehen wollen.
Und der Rest des republikanischen deutschen Reiches, welches Glück würde diesem blühen? Nun ders würde ausrechnen, ob sich die Ue⸗ berfahrtskosten nach Nordamerika noch aufbringen ließen.
Wollt ihr um diesen Preis die Republik erkau⸗
fen ihr deutschen Männer! Ich fürchte, ihr bietet bald Reukauf, aber— zu spät.
Die Franzosen haben das nämliche Exempel in den neunziger Jahren schon einmal durchgemacht. Damals riefen sie: Es lebe die Republik und stürz⸗ ten sich mit allen Völkern in Krieg. Die Folge war, daß 2 Millionen Franzosen den Tod im Kriege oder auf dem Blutgerüste oder in der Hungersnoth fanden, daß für 10000 Millionen schreibe zehntau— send Millionen Thaler Papiergeld in Umlauf kam und so tief im Werthe sank, daß man die Pfeifen damit anzündete. Und als alles Dies vorüber war, da setzte der Soldatenkaiser Bonaparte den Repu⸗ blikanern den Fuß auf den Nacken und machte sie zu ärgeren Knechten, als sie je vorher gewesen waren. Da hätten sie auch gern Reukauf gegeben, aber es war— zu spät.
Wen trifft also das Eisen des republikanischen Rechenexempels.
Wien den 26. Mai. Eine revolutionäre Aufregung und Demonstrationen, wie sie bisher noch nicht stattge⸗ funden haben, füllen heute die Stadt. Auf den Hauptplätzen und Hauptstraßen sind thurmhohe Barrikaden errichtet. Die Ursache dieser Aufregung liegt in einem vom Regierungs⸗ präfecten erlassenen Befehl, des Inhalts, daß die akademische Le gion sich sogleich aufzulösen babe, die Aula geschlossen werde und die Studirenden entweder die Waffen abzulegen oder sich der Nationalgarde einzureihen haben. Um diesem Nachdruck zu geben, wurde die Stadt mit Militär besetzt. Diese Maßregel erregte allgemeine Unzufriedenheit, vorzüglich unter den Arbeitern der Vorstädte, welche den Studirenden eifrig anhängen. Die Nationalgarde der Vorstädte marschirte in die Stadt, deren Thore mit Militär besetzt waren. Zwei allzueifrige Soldaten feuerten bei dieser Gelegenheit und— es floß Bürgerblut—„Bürgerblut ist geflossen!“ heulte es durch die Straßen, die Stephansglocke läutete Sturm und Alles stand plötzlich gegen das Militär auf. Ein Regi⸗ ment Ungarischer Grenadiere hat sich zum Volke geschlagen. Verhängnißvolle Tage stehen uns bevor. Der Himmel schütze uns!
Intellig Die Verläumdungen des Kreisraths Prinz zu Gießen.
Einsender dieses wanderte vor eingen Tagen durch die Gemarkung Waldgirmes, und gerieth mit einem Ortsbürger von Waldgirmes in's Gespräch. Nach den so geflissentlich ausgestreuten Anklagen gegen den Kreisr. Prinz erwartete ich, auch bei den Ortsbür⸗ gern von Waldgirmes nur ungünstige Urtheile über den Kreier. Prinz zu vernehmen, täuschte mich aber sehr. Mit wahrer und ungeheuchelter Achtung und Verehrung,(denn zur Unwahrheit war ja kein Grund vorhanden) erzählte dieser Einwohner von Waldgir— mes, wie vor dem Amtsantritt des Kreisr. Prinz es fast überall an fahrbaren Wegen und Stegen, und an so vielen Dingen, die das Gesammtwohl der Gemeinden betreffen, an Ord⸗ nung gefehlt habe, und daß der Kreisr. mit uner-
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müdlicher Sorgfalt, mit Kraft und Ausdauer, unzäh⸗ lige Verbesserungen, namentlich in Anpflanzungen und Hebung der Gemeindeeinnahmen bewirkt habe. So habe die Gemeinde Waldgirmes Wiesen, deren Ver⸗ pachtung die Haupteinnahme des Gemeindevermögens bildeten. Ehe der Kreisr. Prinz sein Amt angetre⸗ ten, hätte die Gemeinde davon etwa 150 fl. Ein⸗
nahme gehabt, durch die zweckmäßigen Anordnungen des Kreisr. Prinz, namentlich durch Bewässerung, wäre Betrag und Einnahme von den Wiesen auf 600 fl. jährlich gestiegen. Noch bemerkte dieser Landmann, daß alle wohlgesinnten Bürger im ganzen Kreise es sehr schmerzlich empfin— den würden, wenn sie den Kreisr. Prinz verlieren müßten. Wir fragen darum die Gemeinde von Waldgirmes hiermit öffentlich, ist jene Verbesserung des Gemeindevermögens durch den Kreisr. wahr? und was folgt daraus?—
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