Prärogativen haben soll, als daß er das Reichsmi⸗ nisterum in pleno präsidirt. Ich will für unser geliebtes Hessen, unser angestammtes Fürstenhaus und eine Wahrheit der Constitution, wie sie uns un⸗ ser edler Erbgroßherzog und Mitregent durch seine Proclamation vom 6. März so hochherzig angebahnt bat. Mitbürger! wenn die hiesigen Republikaner einen Verein gebildet haben und mit der Zeit in der That eine Republik erstreben wollen, so treiben sie ihr Wesen doch mindestens offen, nicht hinter Schloß und Riegel; sie erlauben sich keinerlei unmännliche Insinuationen, sie erlauben sich keinerlei Verdächti⸗ gungen Anderer, keinerlei Verläumdungen und wollen keinerlei gewaltsame Mittel anwenden, ihre Ideen zu verbreiten und ibren Zweck zu erreichen, und das ist ehrenvoll, das ist rühmenswürdig. Bei dem demo⸗ kratisch-constitutionellen Verein will man einen Erb⸗ kaiser und Fortschritt! Wohin führt aber dieser Erb⸗ kaiser mit dem Fortschritte? Mediatisirung aller übrigen Fürsten, oder zu einem Vertilgungekriege, entweder der fürstlichen, oder der kaiserlichen Gewalt Der Krieg würde nur auf Kosten des deutschen Volkes und mit dessen Herzblut geführt. Und der demokratische Fortschritt wohin führt dieser? Er führt endlich, nachdem Ströme des Bluts ver⸗ gossen und Millionen Familien verarmt und verun⸗ glückt sind, er führt— zur Republik, oder zur Sclaverei. Giebt es doch Demokraten genug und selbst in Gießen, welche sagen:„Laßt uns doch erst einen einzigen deutschen Kaiser haben, der alle übri⸗ gen Fürsten zu Nichte macht, mit diesem Einen wol⸗ len wir später schon fertig werden.“
Mitbürger! In diesem Augenblicke ist sicherlich nur ein Weg zur Ausgleichung ohne Gewaltthat und mit möglichster Garantie für die Zukunft zur Eini⸗ gung Deutschlands möglich und dieses ist der von mir oben angedeutete, der Vereinbarung zwischen den Rechten der Völker und denen der Fürsten in Deutsch⸗ land. Deutschland hat seine intelligente Größe nur seiner bisherigen Theilung zu danken; laßt uns dabei die politische Einigung Deutschlands gewinnen und Deutschland wird das größte und mächtigste Reich in Europa, ja in der Welt werden! Mitbürger Gie⸗ ßens! laßt uns im Kerne, wie bisher, zusammenhal⸗
ten, und laßt uns mit Festigkeit eben sowohl, Denen
entgegentreten, welche mit Gewalt oder List uns einen Kaiser aufdrängen wollen, als wie Denjenigen, welche mit Gewaltmitteln uns die Republik aufzudringen versuchen sollten.
Der freie Mann läßt sich selbst die Freiheit nicht aufdringen, und der wahre liberale Mann und ächte Volksfreund kennt keinen Egoismus, dessen Wabl— spruch ist: Alles für das Volk! vor Allem aber schmäht und verdächtigt Niemand seines politischen Glaubens wegen, so lange er sich keinerlei Mittel bedient eines Andern Freiheit irgend wie zu beschrän— ken, oder die Rechte eines Andern zu kränken. Frei⸗ heit, Recht und Unterhalt wollen wir alle, sind wir alle bedürftig und desbalb laßt uns alle die Hände reichen diese Güter uns gemeinschaftlich zu erringen und zu erhalten.
Er führt zuerst zur.
78
Auch ein deutsches Rechen⸗ Exempel.
(Schluß.)
III. Bis jetzt war von Krieg noch gar nicht die Rede, Alles ging friedlich nach dem gewaltigen Willen eines republikanisch-gesinnten und einmüthigen Volkes vor sich, wie es in Frankreich geschehen ist.
Wir haben also angenommen, die Fürsten wür⸗ den sich nicht vertheidigen, oder keine Vertheidiger fin⸗ den. Beides ist aber eine thörichte Erwartung, wie sie nur einem Knaben oder einem blinden Republi— kaner in den Sinn kommen kann. Wer nicht von gestern da ist, wird sagen: Die deutschen Fürsten werden gemeinschaftlich oder einzeln ihre Rechte, ihr Eigenthum, ihre Familien vertheidigen, sobald man ihre billigen Vorschläge und Zugeständnisse verwirft Und es wird ihnen wahrlich nicht an muthigen und treuen Männern fehlen, und wären es auch nur solche, welche durch die Republik brodlos werden. Also Bürgerkrieg als erste That der Republik! Bür⸗ gerkrieg, wißt ihr, was dieser kostet? Könnt ihr das Exempel weiter rechnen?
a. Der Bürgerkrieg hat in Baden bereits begonnen. Dort ist uns im Kleinen gezeigt, Was im Großen werden kann. Dieser kurze Bür⸗ gerkrieg hat außer dem vergossenen Blute, außer den Schmerzen der Verwundeten, außer der Noth der Familien, der Gebliebenen und Gefangenen, welches Alles sich nicht in Thalern veranschlagen läßt, ge— kostet— die Ausrüstung und Unterhaltung zweier deutschen Armee-Corps, die Versäumniß an Arbeit sowohl von Seiten der Sieger als der Besiegten, die Unterbrechung des Handels in den mit Krieg überzogenen Gegenden und noch viel weiter hinaus; gewiß ein Verlust von 3 Millionen Thaler in weni⸗ ger als drei Wochen. 5
b. Dies ist aber das Geringste 1 Furcht vor ähnlichen aufrührerischen Unternehmüfsgen wird auch ferner die Beibehaltung eines starken stehenden
Heeres neben der allgemeinen Volksbewaffnung unvermeidlich machen Die nämliche Furcht wird
das Mißtrauen, die Kreditlosigkeit, die Arbeitslosigkeit fortdauern lassen, sie wird gerade dadurch brodloses Volk, Müssiggänger, plünderungssüchtige Taugenichtse auf die Gassen und in die Volksversammlungen locken, sie wird die Gerichte und die übrigen Anstal⸗ ten für Ordnung und Recht hemmen. Der redliche Bürger wird von einer übermüthigen Jugend und von einer nimmersatten Rotte von Maulhelden nie⸗ dergedrückt und eingeschüchtert. Die bereits gewon⸗ nene Freiheit wird um eines Hirngespinstes von grö⸗ ßerer Freiheit willen vernichtet. Gerade wie in Frankreich, wo die Tyrannei nie ärger war als seit dem 24. Februar 1848, wo Preßfreiheit verkündigt ist, die bösen Buben aber die Pressen zerschlagen. Hier drohen Dentschland große Verluste, aber die Ziffern dafür lassen sich noch nicht schreiben.
c. Lassen sich aber wirklich die Republikaner durch alle Gefahr und Verantwortung nicht ab⸗ schrecken, die gewaltsame Einführung ihrer Republik weiter zu versuchen; wollen sie wirklich das Glück, das sie bereis über 2 Kreise des Großherzogthums Baden gebracht haben, in alle Theile, unseres Vater⸗ landes verbreiten, wird das deutsche Volk ferner auf


