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vom 16. April:„Man schmeichelt sich bei einer Republik mit geringeren Steuern. In Frankreich sind solche vor wenigen Wochen um die Hälfte erhöht worden und überdies die Aufforderung ergan⸗ gen, sechs Monate voraus zu zahlen.“
Hiernach heißt also das Exempel:„Wenn die constitutionelle Monarchie 10 Batzen kostet, so kostet die Republik 20 Batzen und 6 Monate voraus bezahlt.“ Mußt Du Dir jetzt nicht gefallen lassen, daß Du der Spott unserer Bauern und Bürger wirst, die Dir das Exempel nachgerechnet haben. Sie haben zwar dasselbe nach keinen gelehrten Me⸗ thoden gerechnet, allein das Ergebniß ihrer Berech—⸗ nung ist das vorstehende und steht mauerfest, und wenn Du mit Deinem Kopf wie mit einem Mauer⸗ brecher gegen dasselbe anrennst.
Ich habe nun zwar allerdings geglaubt, daß Du kein Rechenmeister wärst, denn meines Wissens wur⸗ den die Rechnungsexempel zu unserer Zeit in der Schule mehr abgeschrieben, als gerechnet. Allein ich hätte doch geglaubt, daß Du wenigstens mehr Klugheit besäßest, als daß Du Dich so mir nichts, dir nichts auf das schlüpfrige Gebiet der Mathematik wagtest, von der Du nichts ver stehst, wie Dein Rechenexempel zeigt.
Ist es aber nicht Anmaßung und Thorheit, Andere Etwas lehren zu wollen, was wir nicht verstehen. Würde sich ein Gelehrter nicht lächerlich machen, wenn er unsere Bauern belehren wollte, wie sie zackern und eggen, säen und Fruchtschnei⸗ den sollen; oder, wenn er dem Schneider über Anmessen, Zuschneiden und Nähen, dem Schreiner über Hobeln und Poliren, dem Maler über Auf⸗ tragen und Reiben der Farben Vorschriften ertheilen wollte? Nein, mein lieber Becker, beherzige doch nur den alten Spruch: Schuhmacher bleib bei deinem Leisten! d. h. Jeder treibe, was er gelernt hat, und wenn er das ordentlich zu treiben versteht, so nennt man ihn einen Meister, und ein solchrr Meister ist ein Ehrenmann; wer aber tadeln will, ohne daß er Etwas von einem Handwerk, einer Kunst oder Wissenschaft versteht, der ist ein vorwitziger, naseweiser Pfuscher.
Darum lass' Dich von Dingen, die Du nicht
verstehst, sonst wirst Du mit Deiner Politik des
jüngsten Tags, selbst mit dem besten Willen, bald das Stichblatt des allgemeinen Spottes werden, man wird Dich für einen politischen Schwärmer oder Charlatan halten. Wie weit aber Schwärmerei im ungünstigen Falle führen kann, das zeigt uns das Beispiel eines gewissen Philosophen aus Mainz, der vor nicht gar langer Zeit im Gewande des Cynis⸗ mus mit langem Bart durch Deutschland zog, über⸗ all Vorträge hielt und disputirte und besonders den
Frauen viel Zärtliches und Schönes sagte, jetzt aber bereits im Irrenhause verstorben ist. Das war das tragische Ende eines philosophischen Schwärmers und Marktschreiers; und da nun die Politik ein Zweig der Philosophie ist, so rathe ich Dir als guter Freund und ehemaliger Schulgenosse, daß Du auf Deiuer Hut seyn mögest, damit Du nicht auch mit Deiner Politik und Deinem Verstand bankerott wer— dest; denn wie kann die gute Meinung des Volkes, die es von Deiner Gesinnung haben müßte, wenn Du treu und wahr, wenm auch etwas derb, wie der deutsche Michel, alle Gebrechen, Ungerechtig— keiten und Mängel rügtest? wie kann diese gute Meinung fortbestehen, wenn Du so bedeutende Verstöße machst gegen die Wahrheit, wie in dem Rechnungsexempel über die Republik, oder wenn Du heute den Herrn Gagern lobst und sein Lob mit vollen Backen in die Posaune Deines jüngsten Ta— ges bläsest, morgen schon denselben herabsetzest? Heißt das nicht sich selbst auf's Maul schlagen, sich selbst eine Ohrfeige geben? Wird sich der denkende Bauer, der aufgeweckte besonnene Bürger nicht mit Recht zum Richter über Deinen jüngsten Tag aufwerfen und sagen: Der Becker ist ein Rohr, das der Wind hin und her weht; der geht ja wie die Wetterfahne auf dem Kirchthurm im April! oder er wird Dich und Deine Mitarbeiter vergleichen mit dem Volk Israel, das unsern Herrn Jesus heute mit Jauchzen und Jubel empfing, ihm Blumen und Kränze streuete und rief: Hosianna dem Sohne Davids; bald darauf aber schrie: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!
Und steht nicht H. Gagern erhaben über allen Deinen Tadel? Dieser Gagern, den Du in Deinen letzten Nummern zu verdächtigen suchst, ist derselbe, der schon seit länger als 20 Jahren für die Freiheit ge⸗ kämpft hat; er ist's, der mit unsrer Regierung zer— fiel, der, als ihn die Regierung pensionirte, erklärte: er verzichte auf seine Pension von 1500 fl. Da H. Gagern nicht sehr reich ist, so hat er mit der Verzichtleistung auf seine Pension dem Staate ein Opfer gebracht, dessen auch der eifrigste von unsern Republikanern vielleicht nicht fähig wäre; denn diese 1500 fl. betragen von 15 Jahren 22500 fl. welche Gagern reicher sein könnte. Das ist Adel der Ge— sinnung, das wahre Liberalität, die unsern Minister mehr ziert als Stern und Ordensband, und ihn mehr adelt als die goldenen Lettern seines Adels⸗ diploms. Darum hat er auch seinen Adel von sich geworfen wie einen gehaltlosen Flitter. Nachdem Ga⸗ gern aus dem Staatsdienste getreten war, widmete er sich der Landwirthschaft; d. h. er wurde Bauer in Monsheim. Ein Augenzeuge aus diesem Orte hat mir nun auf sein Ehrenwort folgende Erklärung ab— gegeben„H. Gagern hat mehr als 1000 Witt (d. h. Strohseile) gemacht; und hatte ich so


