Ausgabe 
28.4.1848
 
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Der Minister soll in der Volkskammer stimmen. Das klingt so, als wenn darin etwas Ungewöhnliches, Unrechtes oder Gefährliches läge. Daß dem aber nicht so ist, habe ich oben schon hinlänglich nachgewiesen. Ein Franzose oder ein Engländer würde sich wohl ge hütet haben, jene Worte niederzuschreiben und sich da durch in den Verdacht zu bringen, daß ihm Politik und Geschichte ganz fremd sey.

Es sey Unrecht, wird behauptet, wenn Herr v. Gagern durch Theilnahme an der constituirenden Versammlung seine Thätigkeit zersplittern und sich dem engeren Vaterlande Hessen entziehen wolle, für wel ches noch so viel und so Dringendes in Gesetzgebung und Verwaltung zu thun sey. Der unberufene Schrei ber geht so weit, daß er sogar vonvielen dringenden Bittschriften spricht, welche noch durch Herrn v. Ga gern zu erledigen seyen. Hat das ein Deutscher geschrieben? Dann gehe er hin und traure in Sack und Asche, daß er so etwas schreiben konnte. In al- len deutschen Gauen hat man sich erhoben und will ein einiges, großes Deutschland bilden, man will ein deutsches Staatsbürgerthum, man will Ein Recht, Ein Gesetzbuch, Einen höchsten Gerichtshof, Ein deutsches Volksheer, Ein Mün z, Maaß- und Gewichtssystem, Einen Geist der ganzen Verwaltung Sollen denn die Berathungen darüber in Darmstadt, in Wien, Berlin und Vaduz geführt werden? Nein: Deutschland hat gewollt, daß sie in Frankfurt geführt werden; und die Männer, die dort berathen werden, werden zu gleicher Zeit auch für Hessen und Preußen, für Schleswig und Liechtenstein berathen; ja fast jedes einzelne Wort, das im Parlament für Deutschland wird gesprochen werden, wird auch für Hessen mitge- sprochen seyn; Gott behüte uns vor neuen ausschließ lich hessischen Einrichtungen. In Frankfurt also wird in den nächsten Monaten der Platz für die Tüchtigsten des deutschen Volkes seyn; können sie die Zeit finden, von Frankfurt aus auch noch am Werk des engeren Va terlandes zu schaffen, so ist's um so besser; wo nicht, so geht Deutschland vor. Deutschland hat nicht viele Gagern. Es kann Keiner in unserer Provinz, Kei⸗ ner im ganzen Großherzogthum, ja in ganz Deutsch land Keiner, mehr und kräftiger für das wahre Wohl Deutschlands und damit auch aller deutschen Einzelstaaten wirken als unser Gagern, und darum wünschen wir ihn gewählt zu sehen. Gagern aber mit seiner wahrhaft bewundernswür digen Kraft und Thätigkeit wird auch in den nächsten Monaten eben so, wie er es im April vermocht hat, in Frankfurt und Darmstadt gleichzeitig zu wirken im Stande seyn. Die Landes-Angelegenheiten Hessens werden auch in Frankfurt berathen; von den Privat- Interessen einzelner hessischen Gegenden, Ortschaften und Personen, von denvielen dringenden Bittschrif⸗ ten werden die wahrhaft dringenden dessen

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können wir uns zu Gagern versehen ihre Erledigung sicher zeitig genug sinden; die übrigen aber werden warten, bis für Deutschland gesorgt ist. Wenn jetzt jedes deutsche Land und Ländchen seine Kantönli Interessen zuerst geltend machen wollte, dann fiele Deutschland in Stücke. Herr v. Gagern wird also das hessische Volk nichtbetrügen, wenn er nach Frankfurt geht. Schmach aber über den Schriftsteller, der von einem Gagern ein solches Wort gebrauchen konnte, und der sich nicht entblödete, unser edles Hes sisches Volk in einem trüben, unwürdigen Lichte er- scheinen zu lassen. Denn unwürdig wäre es, wenn Hessen seine Pflichten gegen Deutschland so weit ver gessen könnte, daß es seine Einzel- Angelegenheiten früher und mehr als das Wohl des Gesammtvater⸗ landes berücksichtigt wissen wollte. In meinem alleinigen Namen:

Philipp Phoebus.

Mäßigung, Wahrheit, Ordnung!

(Schluß.)

Diese Worte gelten insbesondere auch Dir, Freund Becker, als Redacteur des jüngsten Tags! halte besser Wacht auf Deinen Redacteur-Posten, d. h. überhöre nicht den göttlichen Ruf: Mäßigung, Wahrheit und Ordnung! Heißt das aber Mäßigung und Ordnung, wenn Du in Deinem jüngsten Tage die Geisel des Spottes und der Rüge auf eine Weise führst, die nur verletzen kann. Alle würden es Dir Dank wissen, wenn Du Ungerechtig⸗ keiten und Uebelstände aller Art frei und offen be⸗ kämpftest, ohne Rücksicht auf Person; denn dadurch wird die gute Sache, d. h. das Wohl des Volkes, gefördert. Wenn Du aber durch falsche oder ent⸗ stellte Angaben den Bürgern und Bauern unrichtige Vorstellungen von Freiheit, von Monarchie und Republik beibringst, und dadurch ihren Gemü thern das Gift politischer Freigeisterei einflößest; so kann das kein guter Bürger billigen. Ist es aber nicht Verrath an der guten Sache der Freiheit, wenn unter Deiner Firma in Nr. 32. S. 129 des jüngsten Tags zu den Bauern gesagt wirdin der Republik zahlst du einen Batzen, in der constitutionellen Monarchie zehn Batzen, was willst du? Hattest Du denn den Unterschied der Steuern in der Republik und constitutionellen Monarchie schon so genau berechnet? Der Unwahr heit folgt die Strafe auf dem Fuße nach. Denn während Bürger und Bauern noch Deinen Köder sich besehen, ob nicht vielleicht ein verfänglicher po litischer Haken dahinter stecke, an welchem Du sie herbeiangeln wolltest, wenn sie nur einmal angebissen hätten; lesen wir plötzlich die Nachricht in der Extrabeilage zum Frankfurter Journal Nr. 1077.