Ausgabe 
28.4.1848
 
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Sprechhalle

fuͤr N

zeitgemäße Mittheilungen.

Nr. 7.

Freitag den 28. April

1848.

Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal, Dienstags und Freitags. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Ein⸗ rückungsgebühren per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei ber Expedition,

Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle nan an die Redaktion dieses Blattes abgeben.

berücksichtigt.

Das deutsehe Parlament, oder: die Gesammt-Verfassung Deutschlands. (Fortsetzung.)

Wir wollen ruhig und besonnen ermitteln und uns uͤberzeugen, wie es besser werden kann und dann wollen wir dafür mit aller Kraft wirken und arbeiten; aber wir wollen dabei keine Gesetze ver letzen, kein gutes Recht mit Füßen treten, keine Un ordnungen und Umwälzungen herbeifuͤhren. Wir wollen das Gute durch vernünftige Refor⸗ men, nicht durch unüberlegte Revolution, damit in jeder Zeit der Geschichte der de utsche Character, Treue, Rechtschaffenheit, Besonnenheit keinen Schand fleck bekomme!

3) Welche Staatsform ist für Deutschland die beste? Vielleicht die Republik?

Man preist uns jetzt mit feurigen Worten den Segen der Republik und schimpft in jeder Art und Weise auf die constitutionelle Monarchie. Wir wollen doch auch einmal näher sehen, was uns denn wohl von der Republik Gutes gebracht wer- den wird.

Die Republik besteht darin, daß die Kaiser, Könige und Fürsten abgesetzt werden sollen und daß nun ein großer Rath aus ganz Deutschland ge⸗ wählt wird, der das ganze große Reich regiert. Wie soll dieß nun geschehen? Sollte sich wohl der Kaiser von Oesterreich und der König von Preußen, Baiern, Sachsen ꝛc. gutwillig gefallen lassen, daß die Mehrzahl einer Versammlung in Frankfurt sie mit einem Federstrich absetze? Sollten sie nicht auch noch einen großen Anhang von Solchen in Deutschland finden, welche ihre Rechte vertheidigen und wie würden wir also zu dem Glücke der Re publik gelangen können, als durch einen furchtbaren Bürger-Krieg, in den sich unsere Nachbaren, die Franzosen und Russen bald hinein mischen und Deutsch land theilen würden? Das wäre also der erste Segen der Republik!

Anonyme Einsendungen werden nicht

Aber gesetzt nun auch die Republik wird glück lich durchgesetzt, die Fuͤrsten werden verjagt und es wird ein Senat aus ganz Deutschland gewählt. Statt 34 Fürsten und Herren bekommen wir also dann eine Schaar voretlichen hundert Herren. Zu dieser Schaar Wuezn Wader Großjährige, Büͤr⸗ ger oder Bauer, Student oder Stiefelputzer gewählt werden können. Wer also gern regieren helfen möchte, der muß sich nun aufmachen und den Leu ten schön sprechen, und ihnen alles Herrliche ver heißen, was er Alles in jenem hohen Nath durch setzen will, damit er recht viele Stimmen erhalte und in denselben gewählt werde. Kommt er dann gluͤcklich in diesen Rath, so ist es keinem Zweifel unterworfen, daß er nun, weil er ein Amt hat, auch allen Verstand dazu besitzt und nun das Regie⸗ ren hundertmal besser versteht, wie die abgesetzten Fürsten und ihre Staatsdiener und Beamten. Wenn nun die paar hundert Senatoren, welche den gro ßen Rath bilden, in Frankfurt oder sonsten zusam⸗ mensitzen und anfangen zu deliberiren, so wird es ein Jeder besser verstehen wollen, als der Audere und es wird ein Jeder gern doch auch seine An sichten durchsetzen und seinen Einfluß geltend gemacht sehen; es werden Parteien entstehen und sich zu⸗ sammenschaaren, eine wird die andere stürzen wollen und zuletzt wirklich stürzen, und statt, daß Deutschland in Ruhe und Frieden regiert wird, wird selbst in der Mitte seiner Central- Regierung Streit und Zwietracht auftauchen, weil die meisten, welche sich dazu drängen, von Ehrsucht und Herrsch sucht getrieben sind. Die siegende Partei wird dann die besiegte verfolgen, sie fuͤr Verräther und Feinde des Vaterlandes erklären, und in die Ge fängnisse oder gar auf die Guillotine bringen. Ebenso wie im regierenden Rathe selbst Zwiespalt und Parteiung nicht ausbleiben, so werden sie sich auch auf das ganze Land erstrecken; uberall wird man Theil nehmen an dem Streit, überall wird die siegende Seite die besiegte verfolgen; diese wird Widerstand zu leisten suchen und Kampf und Un ruhe, Landesverjagung, Vermögensberaubung, Ge⸗