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und durch wen anders ist die nachhaltigste und rascheste Hülfe gewährt worden, als durch die deut⸗ schen Sänger? Auf denn, Ihr biederen Barden! vereinigt Euch unter dem Commandostab Eurer Direk⸗ toren und wählt wo möglich zum Tag der Ausfüh⸗ rung des allgemeinen deutschen Conzerts den zweiten Pfingsttag; das Fest der Freude, der Wonne; Ihr werdet gerade auf diese Festtage leichter Eingang fin⸗ den in die Herzen Aller, und der vollständigste Er⸗
folg wird Euren Eifer krönen. Wird dann einst ein
von deutschen Sängern beschafftes Fahrzeug den
Stapel verlassen, dann soll für ewige Zeiten„Der
deutsche Barde“ sein Name seyn! Auf, deut⸗
sche Sänger! schmiedet das Eisen, da es heiß ist! Frankfurt a. M, 20. Mai 1848.
Ein deutscher Sänger.
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F an die Bewohner Lichs.
Mitbürger! Es naht die Stunde, wo es sich entscheiden wird, wer demnächst unser Bürgermeister werden soll. Seyd auf Eurer Huth, paßt auf, daß wir unserm Stadtvorstande einen Chef geben, wel⸗ cher unabhängig von sich selbst und den Einflüssen Dritter, d. h. ein ehrlicher, braver, uneigennütziger Mann ist,— oder glaubt Ihr wohl, eine solche Vor⸗ sicht wäre nicht nöthig? Doch ich glaube dies von Euch nicht, meine theuren Mitbürger, seht nur das prachtvolle Denkmal unseres Ruins, sehet den neuen Rathhausbau, eine kleine aber verwegene Nachbildung des Stadthauses zu Amsterdam, seht ihn nur an, derselbe kostet ja nur eirca 80,000 fl. oder wohl gar noch mehr und frage ich: vergleicht sich derselbe nicht ganz passend mit dem gold'nen Käfig eines Spatzen oder Sperling?— Doch kommen wir wie⸗ der ab von dem Hause unseres Raths,— wer soll Bürgermeister werden?
Herr Bäckermeister Jacob Zimmer allen⸗ falls? doch nein, hütet Euch vor den gefährlichen Geldaristokraten.
Bürger! Zimmer ist's nicht allein, welcher den weisen Mantel aushängt, auch Geometer, Schrei⸗ ber, Gemeinderechner und Wirthe bewerben sich um das Amt eines Bürgermeisters unserer Stadt, diese Leute können wir aber nicht gebrauchen, sie genießen und verdienen unser Vertrauen nicht, sie konnten sich bei ihrer seitherigen servilen und dabei doch geld— meisterlichen Stellung keine Selbstständigkeit und Mannesehre erwerben. f
Schreiber sind eingebildete Halbheiten der höheren Ideenwelt, sie verlassen allzubald den bürgerlichen Boden und streichen nur noch mit den Fußspitzen leise darüber, wenn sie sich von dem Prädicat„Herr“ erhoben fühlen. Bauern sind gewiß brave und ehr⸗ liche Leute, aber verkleidete Bauernjungen sind ge— fährliche Subjekte, sie sind sich selbst nicht gut, weil sie von einem Bauer abstammen, wie können sie in diesem wüthenden Zustande Nächstenliebe üben, einer Bürgerschaft vorstehen. Drum wendet den sonst so verehrlichen Ramen, Dietrich und Helm, dies—⸗ mal den Rücken, diese Männer nehmen es Euch nicht übel, wenn Ihr sie nicht zum Bürgermeister haben wollt, so bescheiden sind sie, ich weiß es. Wie wäre es aber mit dem Herrn Rottenführer Schnabel, auch zeitiger Drehermeister dahier. Ja! sein Name wäre schon recht, denn bekanntlich war nach alten
Urkunden Schnabelius der größte Redner der Erde und durch seine Uneigennützigkeit ein Mann von Schall und Ruf, indem er sogar von seinem Reichthum an Talent dem lieben Vieh, den Gänsen und deren Standesgenossen etwas zukommen ließ; allein unser Schnabel hat keinen rechten Character, denn ohnlängst legte er Degen und Schärpe als Rottenführer nieder,— was anfangen, wenn er es auch so mit dem Bürgermeisteramte machte? Wißt Ihr, was wir thun? wir gehen den sichersten Weg, wählen den Schnabel, aber nicht zum Bürger⸗ meister. Alle Teufel! werdet Ihr sagen, wir müssen doch einen Bürgermeister haben. Nur ruhig, wir verschaffen uns auch einen Bürgermeister; da fällt mir gerade ein tüchtiger Mann ein, Ihr kennt ihn alle, er hat Ruf, der Herr Gegenschreiber und Rath⸗ schöff Jacob Lotz, als Bäckermeister nicht weniger rühmlich bekannt. Hatte sich zwar das fatale Ge— rücht verbreitet, dieser wackere, grundehrliche und durch und durch brave Mann habe in die vorjährige Brodunterstützungsanstalt zu leichte Waare geliefert, so ist dies gewiß nicht wahr, denn unser jetzt regie⸗ render Herr Bürgermeister(das behaltet Euch!) sagte ja: wer wisse wer das Brod gebacken habe. Wer also diesem Leumundszeugnisse Glauben schenkt, der wähle ihn. Ich wähle übrigens den Herrn Lotz nicht und hoffe bei ihm Entschuldigung zu fin⸗ den. Krämer Koch macht, wie ich höre, auch einen langen Hals, allein dieser Mann hat mit Nürnberg zu viel zu thun, keine Bekanntschaft mit unseren Ver⸗ hältnissen, weiß nicht was Noth thut, er ist daher so gut und wartet eine spätere Vacanz ab, er wird ja wohl sobald noch nicht sterben.
Hier habt Ihr meinen Rath, nun folgt Eurer Ueberzeugung und laßt Euch nicht täuschen und hin— ters Licht führen!
Kampf und Friede.
Frieden suchest o Mensch, Du, der im Zwange geboren? Wisse, er suchet auch Dich, doch ihr begegnet Euch nie! Hast Du Frieden der Welt, hast dann Du Frie- den gefunden?— Steht nicht die Tugend in Dir stets mit dem Laster im Kampf?—
F. Hüne.
Druck und Verlag von G. D. Brühl LJ.
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