mehr, auch der Staat schränkt die öffentlichen Arbei⸗ ten ein. Der Anfang dieses Zustandes liegt schon in Deutschland vor Augen. In Frankreich, in der freien, einigen Republik ist es jedoch weit ärger. Dort besteuert man alles drei- und vierfach, selbst das Bett, welches das Kind von seinen Eltern erbt, muß mit 10 Procent an die Republik versteuert wer— den. Daher kam es, daß die ungerechter Weise aus Paris vertriebenen deutschen Arbeiter nicht einmal Käufer für ihre kleinen Habseligkeiten fanden und fie unverkauft zurücklassen mußten. In Zahlen läßt sich dieses Elend, diese Trübsal nicht anschlagen Allein es bedarf keiner Prophetengabe, um auszu⸗ sprechen: Ein vollständiger Ruin alles Wohlstandes, eine Verarmung, wie noch keine erlebt worden ist, Das wird das Denkmal einer gewaltsamen Einführung der Republik in Deutschland seyn.
(Schluß folgt.)
Die Präsidentenwahl zum Frankfurter Parlament.
Der erste bedeutungsvolle Act einer politischen Versammlung ist die Wahl des Präsidenten; der Mann, der von der Majorität der Volksabgeordneten dazu ernannt wird, die Debatten zu leiten, bildet das Programn der Deputirten; exaltirte Männer wählen einen„Wühler“, Volksfeinde geben die Toga einem Aristokraten, besonnene Männer des Fortschrittes, die Freiheit und Ordnung, und Ordnung in der Freiheit verlangen, stimmen für Den, der mit diesen inhaltsschweren Worten nie ein verrätherisches Spiel getrieben. i
In der französischen Deputirtenkammer, sowie in den Stände⸗Versammlungen der constitutionellen deut⸗ schen Staaten war die Wahl des Präsidenten stets der erste Kampf zwischen den Ministern und der Op⸗ position; mögen auch allerdings zuweilen persönliche Rücksichten auf die Wahl von Einfluß seyn, sind auch in der Regel beim Beginne einer Session viele Abgeordnete nicht anwesend, so kann man doch im Allgemeinen nach der Wahl des Präsidenten auf den Geist schließen, der die Versammlung durchweht.
Heinrich von Gagern ist mit großer Majo— rität zum Vorsitzenden der ersten deutschen Reichs- versammlung erwählt worden: es ist dies der erste Dienst, den die Abgeordneten dem Volke geleistet.
Wenn Ihr die geweihten Hallen der Paulskirche betretet, wenn mit zweifelnder Miene, mit ängstlicher Besorgniß Euer Auge auf den Männern ruht, die Deutschland retten sollen, wenn Ihr Euch beun— ruhiget fühlet wegen des Geistes, der in dieser er⸗ habenen Versammlung herrschen wird; ein Blick nach dem Manne, der den Präsidentenstuhl einnimmt, und Euer Herz muß freudig klopfen.
H. v Gagern ist kein Liberaler von heute, kein Schwärmer von dem man befürchten müsse, daß er morgen, von der Sucht des Märtyrthums be⸗ fallen, einem unerreichbaren Ideale die moralische oder materielle Wahl unseres Vaterlandes opfere;
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H. v. Gagern ist der Minister der Volksmänner, der Volksmann der Minister.
Wenn die Versammlung H. v. Gagern dazu be⸗ rufen sollte, definitiv den Präsidentenstuhl einzuneh⸗ men, wird der Minister sein Portefeuille niederlegen; wahrlich ein herber Verlust für das Großherzogthum Hessen, wäre es nicht unberechenbarer Gewinn für das gesammte Vaterland, daß Gagern auf jenem Stuhle säße, der in allen constitutionellen Staaten stets die Ministerbrücke war, für den abzutretenden hessischen Minister die Steige, die vom Minister zum Präsidenten von Deutschland führt.
W. G.
Aufruf an sämmtliche Gesang-Vereine Deutschlands.
Ein mächtiger Geist zieht durch alle deutschen Lande: der Geist der Freiheit, des wiedergewonnenen Rechts, der Geist der Eintracht, der Geist, der durch die That sich bewährenden Bruderliebe! Wir wollen kräftig seyn in unserer Einigkeit, wir wollen fortan in derselben stark seyn nach allen Beziehungen, nach Innen und Außen!— Nach Außen! ein inhalt⸗ schwerer Gedanke! wohl werth, unsere Blicke unge⸗ theilt darauf zu richten. Wann können, wann wer⸗ den wir stark seyn nach Außen? Wann wir dieselbe Kraft, die wir auf dem festen Lande, will's Gott, bald entwickeln können, auch auf dem trügerischen Elemente des Wassers an den Tag geben können! Also mit Hülfe einer deutschen Flotte. Wohl sind mehrere Aufrufe hochherziger Männer in unserer Vaterstadt zur Gründung einer solchen ergangen, wobei wir nicht ermangeln dürfen, den in der Di⸗ daskalia vom 12. d. M. gemachten Vorschlag einet Groschensupscription einer ganz besonderen Beachtung zu empfehlen. Aber Ihr deutschen Barden und San⸗ gesbrüder sollt Euch auch betheiligen an dem großen heiligen Bau des deutschen Vrterlandes! Ihr sollt Euch betheiligen nach Eurer Art, nämlich mittelst der Macht der Töne. Wohl, daß sie dahin geschwun⸗ den ist die Zeit, wo wir nicht sagen durften, was wir über deutsche Zustände gefühlt und gedacht; wir haben aber unsere Gedanken in das Gewand der Töne gekleidet, und diese Gedanken, die wir nicht aussprechen durften, aus gesungen, und zwar in einer Sprache, die verstanden wurde all⸗ überall, so weit die deutsche Zunge klingt! Wir dürfen uns daher rühmen, kräftigst vorgearbeitet zu haben zu den Errungenschaften des wiedererwachten Vaterlandes! Wir sind also längstbewährte alte Freunde der großen, freien deutschen Brudergemeinde. Laßt uns daher nochmals Hand anlegen und uns vereinigen, um wo möglich an einem bestimmten Tage als Beitrag zur Gründung einer deutschen Flotte ein allgemeines deutsches Conzert zu ver⸗ anstalten, das sämmtliche deutsche Gesangvereine in ihren resp. Heimathsorten auszuführen hätten. Gro⸗ ßes ist in gemeinsamem Bestreben durch die Sänger⸗ bunde schon beschafft worden; wir erinnern nur an das vor zehn Jahren stattgehabte große Unglück der Ueberschwemmung von Pesth, des Brandes von Ham⸗ burg, des unglücklichen Felsberg in der Schweiz ꝛc.,


