Ausgabe 
27.5.1848
 
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bestimmte Summe als Entschädigung. Viele Fürsten haben sich dabei sehr billig finden lassen und erhalten weit weniger baar als ihre Einkünfte werth waren. Andere sind zwar früher nicht so billig gewesen, ha ben sich aber jetzt, wo ihre übelen Rathgeber entfernt sind, eines Besseren besonnen und begnügen sich in dieser Zeit, wo Jeder Opfer bringen muß, gern mit Wenigerem. Daß künftig keine Unbilligkeiten mehr vorkommen, dafür sorgt schon das vom Volke ge wählte Parlament und die ebenso gewählten Kammern.

Aber gesetzt auch, die Fürsten hätten mehr Ein⸗ künfte als gerade nöthig wäre, ist dies Unglück so groß, daß man sogleich eine Republik einführen muß? Die Fürsten vergraben ja nicht ihre Schätze, verzeh ren sie auch nicht in Amerika, sondern in Deutsch land mitten unter dem Volke. Neun und neunzig Thaler von hundert, die sie ausgeben, fließen in den deutschen Verkehr zurück und der geringste Gewerbs mann, der Taglöhner und Handlanger, bezieht seinen Theil daran. Und denkt ihr gar nicht an die vielen Unterstützungen, welche aus den Händen der Fürsten an Wittwen, Waisen, Gebrechliche, Invaliden u. s. w. fließen? Das sind keine Kleinigkeiten, die man wie Unkraut mit der Wurzel ausreißen kann. Ein gro⸗ ßer Baum wirft freilich großen Schatten, aber er bringt auch Säcke voll Früchte, und ist er einmal umgehauen, so erlebt es Einer nicht, bis ein neuer Baum groß gezogen ist. Eine Stadt ist vielleicht übel gebaut, man möchte vieles anders haben, aber man brennt sie doch nicht von Grund aus ab, um ge radere Straßen zu bauen. Wer aber eine deutsche Republik statt der constitutionellen Monarchie einfüh⸗ ren wollte, der würde sein Unternehmen noch härter büßen müssen. Laßt es uns einmal ruhig in einem ehrlichen Exempel berechnen.

Kosten der Einführung der deutschen Republik.

Um zu einer deutschen Republik zu gelangen giebt es, soviel wir sehen, drei Wege: entweder die Fürsten danken freiwillig ab, behalten aber ihre rechtmäßigen Einkünfte; oder sie werden vertrieben und leben im Auslande; oder drittens sie vertheidigen sich, so lange sie können und unterliegen zuletzt der Ueber macht.

I. Der erste Fall ist gar nicht wohl denkbar und nur von Volksverführern vorgespiegelt worden. Wie sollen die Fürsten auf einmal Alles, was das bisherige Recht und Gesetz ihnen zusprach, wobei ihre Unterthanen keinen Anstand fanden, plötzlich auf geben? Etwa der Volksredner wegen und aus Furcht vor dem oben angeführten Rechenmeister? Und wer⸗ den ihnen die friedlichen, arbeitsamen Bürger, welche die Freiheit lieben, aber doch daneben auch das Gesetz und die Ordnung dazu rathen? Werden etwa die Leute, welche von dem Hofe gelebt haben und ohne denselben an dem Hungertuch nagen müssen, die Fürsten bitten, bloße Standesherren und Gutsbesitzer zu werden? Werden endlich selbst die besten Fürsten, welche es durchaus redlich mit ihren Unterthanen gemeint haben, nicht sobald als möglich Deutschland verlassen und mit dem Reste ihres Vermögens ein billiger gesinntes Vaterland aufsuchen? Kann das deutsche Volk bei einer solchen Auswanderung gewinnen? Nein, das Volk verliert,

nur die Unruhestifter, die Hungerleider gewinnen; die Deutschen bezahlen wie immer schon seit 300 Jahren die Zeche. f

Doch der Fall ist gar zu unwahrscheinlich, wir wollen zu dem zweiten übergehen.

II. Die Fürsten weichen ohne Wider⸗ stand der Gewalt, aber sie flüchten sich aus der Republik in das Ausland, weil ihre bisherigen Un⸗ terthanen ihnen nicht länger Sicherheit des Eigen thums und der Person gewähren. Das Beispiel haben wir vor Kurzem in Frankreich gesehen. Man wird dann die fürstlichen Güter vielleicht mit Be⸗ schlag belegen, sie für National-Eigenthum erklären ganz nach dem Muster von Paris. Der deutschen Nation aber wird so wenig davon zu Gute kommen als der französischen davon zu Gute gekommen ist. Die übermüthigen Tagediebe in Paris haben die Millionen Louis Philipps verzecht oder verschleudert. Sie fahren achtspännig in die königlichen Lustschlösser und lassen es sich wohl seyn. An solchen Gassen⸗ republikanern würde es auch in Deutschland nicht fehlen. Sie würden dem Bürger und Bauer jeden Vortheil vor dem Munde wegnehmen. Aber damit ist die Gründung einer Republik noch lange nicht be zahlt, es kommt noch weiter hinzu:

a. Die von deutschen Königen, Herzogen, Für⸗ sten und Grafen, Prinzen und Freiherren gemachten Anlehen, die 3 ½prozentigen so gut als die Aprozen⸗ tigen werden von dem Tage der Ausrufung der Republik an nicht mehr verzinst, noch viel weniger zurückbezahlt. Selbst die Staatsanlehen und die Eisenbahnaktien sinken so tief im Werthe, daß Nie mand mehr baares Geld dafür zu geben getraut. Unser Muster, die französiche Republik hat bereits auf diesem Wege 800 Millionen Thaler eingebüßt. Wieviel mehr wird also schon in den Flitterwochen der deutschen Republik ein ungeheurer Bankrott aus⸗ brechen. Daran verlieren aber nicht etwa blos die Banquiers und die vornehmen Kapitalisten ihr Ver mögen, sondern auch sämmtliche bisher Wohlhabende aus dem Mittelstande; Bürger, Bauern, Kaufleute, Beamte, alle büßen ihr Erbtheil, ihr mit sauerem Schweiße und Fleiße Erworbenes mit einem Schlage ein. Das nämliche trifft die milden Stiftungen, die Vermächtnisse unserer Vorfahren und damit auch Manchen, der von Almosen lebt. Ein Verlust für ganz Deutschland von mindestens 300 Millionen Thalern.

b. Mancher denkt: das trifft mich nicht. Aber es trifft ihn wohl. Wenn alle bisher vermögenden Leute nicht mehr bezahlen, so hängt sich daran der Bankrott von zahllosen Gewerbtreibenden, welche Forderungen an jene unglücklichen Kapitalisten hatten, oder bei ihnen Abnahme und Verdienst fanden. Da hilft kein Gericht, da hilft keine Republik, der kleine Gewerbsmann geht mit dem großen zu Grunde, auch der geringste Handwerker entgeht dem nicht. Also abermals ein Verlust an Vermögen der Nation von mindestens 100 Millionen Thaler.

c. Nach einem großen Bankrott aber schwindet natürlich alles Vertrauen, aller Kredit, Handel wie Gewerbe liegen darnieder. Alle Preise sinken, Früchte, Häuser, Güterstücke das Beste hat keinen Werth. Jeder hält sein Geld in der Kiste, Jeder kauft nur das Nothwendigste, Keiner giebt für Vergnügen Et was aus, selbst der Taglöhner findet keinen Verdienst

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