Ausgabe 
24.5.1848
 
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Antirepublikanische Vereine.

In Nr. 10 der freien hessischen Zeitung, wird davon ausgegangen, daß zum dauerhaften Bestehen eines Vereines, Gleichheit der Grundansichten erfor derlich und daher eine Verbindung republikanisch und constitutionell gesinnter Demokraten zum Zweck des Ideen⸗Austausches und gegenseitiger Verständigung wohl denkbar sey, nicht aber ein Verein zwischen Ab solutisten, Constitutionellen und Gleichgültigen, Par teilosen(Philistern) dem Republicanismus gegenuber. Es wird also die Möglichkeit eines antirepublicanischen Vereins geläugnet, als nothwendig aus zu verschie denartigem Material zusammengesetzt um einen Halt darzubieten.

Es dürfte sich indessen vorerst nachzeigen lassen, daß Absolutisten oder unbedingte Fürstenknechte in unserer Mitte wohl kaum noch oder gar nicht mehr zu finden sind, denn, wer etwa früher von so feiler und feiger Cesinnung war, hat längst den Mantel nach dem Wind gehängt, und das andere Extrem er griffen. Laue und Gesinvungslose finden sich aber in jedem Kreise und werden uberall, entweder nach und nach erwärmt, oder als Troß mitgenommen. Daher dürfte dieser Einwurf wohl zu genereller Natur seyn, um nur bei einem nicht republikanischen Verein und nicht auch bei jedem andern Verein von allgemeiner Art zu gelten, also nicht noch viel mehr bei einem

politischen Clubb, ohne irgend bestimmte Farbe Anwen dung zu finden. Ein antirepublikanischer oder anti revolutionärer Verein hat einen solchen Vorwurf wenigstens gewiß nicht so leicht zu fürchten, wie ein Verein, welcher alle und jede Richtung zuläßt. Allein es wird hier gerne nachge zeben, daß in jedem Ver- eine dieser Art sich eine bestimmte Farbe geltend machen muß und da kann es sich nur fragen, welche Richtung übrig bleibt, wenn die republikanische aus geschlossen ist? Da wir von der despotischen oder absolut monarchischen Staatsform schon seit Decen nien in Gießen nichts mehr wissen wollen, so bleibt nach Ausschluß der republikanischen, doch nur die con stitutionell- monarchische übrig, so daß, wer in den Ruf: Keine Republik! einstimmt, nach den gegen⸗ wärtigen Umftänden offenbar dadurch von selbst zur Fahne der constitutionellen Monarchie schwört. Nun läßt sich allerdings nicht verkennen, daß auch die constitutionell-monarchische Form noch ein weiter Sack ist, in welchen viele abweichende Meinungen hinein gehen; aber es bleibt dieser Seite doch immer noch immerhin so viel und noch viel mehr Gemeinsames, als der, blos als demokratischen bezeichneten, unter welcher Firma sich bekanntlich oft die grassesten Aus- wüchse und Entartungen des menschlichen Geschlechts gebildet haben.

(Forts. folgt.)

Intelligenz

(Schluß.)

Einen Mann, der seine ganze Kraft, seine Zeit, und so manche schöne Stunde, die er dem Ver gnügen entzog, für Nutzen und Wohlfahrt Anderer mit dem redlichsten Eifer hinopferte, der von der frühesten Morgenstunde oft bis zur Mitternachtsstunde sich den Berufsgeschäften mit Ausdauer und Beharr⸗ lichkeit unterzog, und in den Jahren 1843 und 1847 sich der Bedrängten und Armen so rastlos annahm und möglichste Vorkehrungen zur Linderung der Noth derselben treffen lies, gegenfalls sich Mancher der Hungersnoth und dem tiefsten Elende preis gegeben gesehen hätte; der überall mehr that, als die gewöhn⸗ liche Pflicht und Schuldigkeit von ihm forderte, will man mitunter so ohne Weiteres verurtheilen?

Doch es ist jedes Drangsal, das ein solcher Mann der guten Sache willen leiden muß, die er ergriffen hat, für solchen Mann erst der wahre Sporn, immer thätiger, muthiger und fester zu werden. Hat er doch ein gutes Zeugniß in sich und vor Gott, was bedarf er des Zeugnisses von Menschen, die von ihren Leidenschaften hin und her getrieben, heute etwa dasKreuzige, Kreuzige! schrieen, wie sie gesternHosianna riefen?

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen ver folgt werden und leiden müssen. Wohl ist es schmerzlich, wenn ein Mann, mitunter selbst von Denen, welchen er am liebevollsten half, mit Lieb losigkeit und Unerkenntlichkeit behandelt wird; doch

die Stimme seines Innern wird sprechen: Ich will standhaft beharren bis an's Ende, und verkennt mich auch so Mancher, du o Gott, o Herzenskun diger, kennst mich; du bist der Vertraute meiner Empfindungen, meiner redlichsten Absichten, und wie ich ohne nach eignen Vortheilen zu jagen, hauptsäch lich nur das Beste meiner Mitmenschen bewirken möchte.

Und, wo ist der Mensch, der Alles und es einem Jeden recht machen kann? Jeder fehlt; kein Mensch ohne Fehler.

Freund Dein Urtheil soll selbst billig Gegen Deine Feinde seyn,

Ueberall zum Lobe willig Und vom Gernetadeln rein.

Hast genug an Dir zu thun Freund, laß fremde Fehler ruh'n.

Wir lasen gestern an mehreren Ecken unserer Stadt, die Anzeige einer Volksversammlung, im Busch'schen Garten. Als wir indeß dieser Versamm⸗ lung beiwohnen wollten, fanden wir uns bewogen, das Local zu verlassen, weil eigentlich nichts vorlag, warum diese Volksversammlung ausgeschrieben wurde. Wir müssen, so unangenehm es uns auch ist, glau⸗ ben, daß dieser Versammlung nicht der Zweck, das allgemeine Wohl zu fördern, sondern vielleicht gar eine sträfliche Absicht zu Grunde gelegen hat. Man sollte doch das Versammlungsrecht nicht so miß⸗ brauchen!

Druck und Verlag von G. D. Brühl J.