Fürsten viel glücklicher, als in einer Republik. Nord⸗ amerika hat aber von Anfang andere Verhältnisse ge⸗ habt: Die Einwohner waren aus allen Ländern zusammen gekommen, ohne einen angestammten Für⸗ sten, noch ist das Land wenig bevölkert, die Parteien bewegen sich jetzt noch gesetzlich in großem Raume neben einander, gefällt es einem nicht in einer Stadt, so zieht er in eine andere; wenn die Bevölkerung dichter wird, so werden die Parteien auf einander stoßen, Anarchie, wie immer in Republiken, ein⸗ treten, es wird vielleicht, wie einst in der römischen Republik der Cäsar( der erste Feldherr, der sich zum König machen will) fallen, aber der glück⸗ lichere Augustus(der zweite General) wird siegen, und Nordamerika dann in Monarchie übergehen. Könnt ihr das Gegentheil mit mehr Recht behaupten? Alle Gefabren des ewigen Ehrgeizes und Wühlens schneidet ein Erbfürst ab: darum ist eine constitutio nelle Monarchie besser. Den wahren Zustand einer Republik zeigt Frankreich, das Gott als Warnungs tafel uns hingestellt hat.

Man hat hier viel von den Civil listen ge⸗ sprochen, nun! die kann man ja verkleinern. Einigen Luxus muß der Fürst machen, schon zum Beispiel und zur Nachahmung für die reicheren Bürger. Der Luxus ernährt unendlich viele fleißige Hände, und bringt das Geld, das nicht zur Nothdurft des Lebens gehört, wieder in andere Hände. Es ist nur Ver⸗ blendung, daß der rechte Luxus, je nach Vermögen schädlich ist. Bei einer Republik hört aber aller Luxus auf: es ist keine Sicherheit der Regierung, das Geld geht aus dem Lande, der Credit sinkt, Handel und Gewerbe stockt, die Franzosen zahlen, seit sie Re publik haben, mehr Steuern und im Voraus.

In einer constitutionellen Monarchie ist der Erb fürst in Wahrheit nur ein erblicher Präsident: das ist aber das Bessere für Ordnung und Ruhe: das Volt regiert da eben so gut, wie in der Repu⸗ blik, nämlich durch seine Abgeordneten in den Kammern. 5

Doch ihr, die ihr nun bis fetzt Republik wollt, urtheilt vielleicht anders. Aber seyd doch auch nur wahre Republikaner, d. h. wollet doch die Freiheit für alle, also auch für uns, und nicht allein für Euch.

Könnt ihr uns denn Eure Ueberzeu⸗ gung aufzwingen? Das ist ja an sich unmög⸗ lich, denn Ueberzeugung läßt sich nicht erzwingen, es ist aber auch ganzunrepublikanisch, denn in einer wahren Republik muß jeder seine Meinung haben können, sonst ist die Knechtschaft grö ßer, als in der Monarchie.

Könnt ihr uns Eure Staatsform mit Gewalt aufdringen? Der Versuch wäre trau⸗ rig, das Gelingen ist unmöglich, die Mehrheit ist entschieden gegen Euch.

Dürft ihr uns denn übel nehmen, da ß wir für unsere Ansicht wirken, in Schrift und Wort? Das ist ja wieder ganz unrepu⸗ blikanisch, denn in einer wahren Republik muß Jeder seine Meinung frei äußern dürfen in Schrift und Wort: oder ist denn Rede- und Preßfrei heit nur für Euch?

Was pollen also die heimlichen und offenen An⸗ klagen des vaterländischen Vereins? er will ja nur Freiheit mit Gesetz, Recht für Jedermann mit Ord⸗ nung. War es recht unsere Versammlung entweder

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hindern zu wollen, unter dem Vorwande, es sey eine Volksversammlung, oder auch nur zu stören, nach einem Anschlage ohne Unterschrift? Kann nicht jeder Bube eine solchen Anschlag machen? sehr unrepublikanisch!

Andere Gegner des vaterländischen Vereins wol len ihn vielleicht nicht, weil sie Spaltung in der Bürgerschaft fürchten. Ich nehme an, daß diese Geg⸗ ner, und das ist die Mehrzahl der älteren und ruhigeren Bürger, gar nicht daran denken, eine Re publik einzuführen. Lieben Mitbürger! Bedenkt doch, die Spaltung liegt in der Gesinnung, in der ver schiedenen Ansicht, die Spaltung ist da, wir mögen nun noch besoders uns vereinigen, oder nicht. Und dann haben wir nicht dasselbe Recht nach der Ver⸗ fassung, wie die Andern? eben diese Freiheit, als Gewinn der neuesten Freiheit, uns zu vereinigen, wann und wie wir wollen? Wer kann uns aber anmuthen, in einen Verein zu treten, in welchem, wie in der freien Hessischen Zeitung mit dürren Wor⸗ ten steht, die Herren Becker und Büchner für Republik sprechen? Meint ihr, wir könnten gegen die Lobreden auf die Republik nicht antworten? Be⸗ dürfen wir aber des Unterrichts junger Theoretiker?

Freuen müßt Ihr Euch also, Ihr ruhigen, fried lichen und verständigen Bürger, daß endlich deutsche Männer den Wunsch und die Meinung Eures eignen Herzens so offen ausgesprochen haben:wir wollen unserem Fürsten treu seyn und in keinem Falle Re⸗ publik. Wir sind ja Eure Gegner gar nicht: im Gegentheile, wir wollen nur Freiheit mit Gesetz, und Recht mit Ordnung!

Alle zusammen laßt uns aber bedenken, welche Zukunft steht unserer Stadt bevor, sobald nur die geringste Gewaltthat gegen Person und Eigenthum verübt wird? Sicher wird, ja muß dann die Regierung Truppen hierher legen. Wer muß sie ernähren? Ist die Nahrungslosigkeit, die Last, der Schaden der Bürger durch die unruhige Zeit, im Handel und Wandel, noch nicht groß genug?

Ferner: Was soll und wird aus unserer Universität werden? Mit der Einführung einer Republik käme sie wahrscheinlich ganz von hier weg, schon die monarchischen Landstände des eignen Hessenlandes, wollen kaum das Nothwendige hergeben, die sparsamen Präsideuten der deutschen Republik würden wenig nach dem kleinen Lande fragen, noch weniger nach unserer kleinen Stadt, die Gelder, die jetzt für die Universität verwendet werden, würden bald für andereallgemeine Bedürfnisse nöthiger seyn, eine schöne Zukunft für die Bürger von Gießen! Aber auch ohne die gewaltsame Einführung der Repu⸗ blik werden die Folgen der Uneinigkeit schon jetzt nicht ausbleiben für unsere Universität. Werden die, welche die Unruhe machen oder veranlassen, auch den Scha⸗ den der Bürger vergüten? Die Universität war sicht⸗ bar in größerer Blüthe, als früher, und ging viel⸗ leicht noch größerer Blüthe entgegen. Unter den Gießener Buͤrgern herrschte im Ganzen Wohlstand. Wenigstens hatte jeder unserer Mitbürger, der fleißig und ordentlich war, seine gute Nahrung. Wollt ihr selbst diese Nahrungsquelle zerstören?

Gießen im Mai 1848.

Ein Mitglied des vaterländischen Vereines,

ohne Auftrag des Ausschusses oder Ver⸗

eines im Ganzen.