Ausgabe 
24.5.1848
 
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mit Sporn an den Füßen, aubere aber als Lastthiere mit Sätteln auf dem Rücken zur Welt gekommen sind;

2) daß jeder Staat und jede Regentengewalt, um rechtmäßig zu seyn, auf Vertrag, ausdrücklichen oder stillschweigendem, beruhen müsse;

3) daß der Staat, gleich der Kirche und jeder anderen Gesellschaft, ursprünglich einen rechts⸗ gleichen Verein bildet, bis die Gesellschaft die Regentengewalt entweder einem Einzelnen(Mo⸗ narchen) oder einer Mehrheit, einem aristo kratischen oder demokratischen Volksausschusse, wie in Republiken gewöhnlich, ganz oder theil weise, zur Ausübung überträgt;

4) daß der Fürst um des Volkes willen, nicht aber das Volk um des Fürsten willen da ist;

5) daß der Staatsvertrag vom Fürsten wie vom Volke gleichmäßig heilig gehalten werden muß, und

6) daß es eine absolut beste Staatsform darum in der Idee nicht geben kann, weil in der Re publik sowenig, als in der Monarchie an sich ein Hinderniß zur vollen und gleichen Er reichung der Staatszwecke enthalten ist und eben daher der Vorzug der einen oder anderen Staatsform, stets nur nach den besonderen Verhältnissen jedes Volkes bestimmt werden kann.

Die Gründe, welche ihm, ohne Vorurtheile gegen eine Republik, sowohl im Allgemeinen(bei dem Mangel der erforderlichen republikanischen Tugenden) als auch in besonderer Anwendung auf Deutsch land überhaupt und Hessen insbesondere zu sprechen scheinen, hat er offen ausgesprochen und mit derselben Offenheit, mit welcher er noch keine Zeile ohne seine Namensunterschrift veröffentlicht hat, weil er das geschriebene oder gedruckte Wort nur als den Repräsentanten der mündlichen Rede betrachtet, unterzeichnet er sich auch hier.

Dr. C. E. Weiß.

Worte des Friedens an die streitenden Parteien. Lieben Mitbürger!

Seit nun fast 6 Wochen ist unsere Stadt in großer Aufregung, und weshalb? Sie nimmt regen Antheil an den großen Ereignissen und Fragen des Tages. Das ist nun nicht zu tadeln. Der denkende Mensch darf und soll das, ja er muß es, damit jedes Bedürfniß, was doch jeder zunächst selbst am besten fühlt, sich ausspreche und, so viel möglich, Abhülfe erlange.

Fortschritt, Besserung wollen wir alle, im Gan zen, wie für den Einzelnen: wer nicht selbstsüchtig, also moralisch schlecht ist, muß jedem Mitbürger Frei heit und Verbesserung seiner Lage wünschen.

Wir streiten nur über den Weg dazu, zunächst über die Staatsverfassung: wir theilen uns in s. g. Republikaner und in constitutionell Gesinnte, die eine freie constitutionelle Monarchie auf demokra tischer Grundlage wollen. Das will der vater ländische Verein!

Darum noch einmal: Freiheit wollen wir alle, für das Ganze, wie für den Einzelnen, und ebenso Fortschritt und Verbesserung im Ganzen, wie im Einzelnen.

Aber merket wohl: Freiheit und Verbesserung für Alle, nicht für Einzelne, also auch Freiheit für die Mitglieder des vaterländischen Vereines.

Die Gegner des vaterländischen Vereines sind nun nothwendig theils solche, die ihn scheel ansehen, weil er keine Republik will, theils solche, die nur fürchten, er bringe Spaltung und. Uneinigkeit in die Bürgerschaft.

Darum hört mein Friedenswort zuerst, ihr, die ihr mehr oder weniger offen Republik wollt. Lasset uns doch in ruhiger gesetzlicher Weise für unsere An sicht wirken, und unsere Ansicht eben so frei und offen aussprechen, wie ihr das für euch fordert. Ist die Freiheit nur für Euch? Sollen wir denn mit Gewalt nur in Eure Versammlungen gehen? nur Eure Reden hören? oder wenn man erlaubt, auch gegen Republik zu sprechen!! gerade nur in den von Euch berufenen, oder in Euerem Sinne gehalte nen Versammlungen reden dürfen? Denkt doch nur an die Samstagsversammlung am 1. April? War das Freiheit für Alle? Wie? hat mann denn den ächten Freund des Volkes, den Prof. Credner, der wie Dr. Baur ganz treffend sagte, lange vorher liberal gewesen ist, ehe der Liberalismus so wohl feil war, als jetzt, nur reden lassen? Ihr müßt selbst sagen: wie die ganze Versammlung eine dunkle war, aus Mangel an Licht, so bleibt das ein dunk ler Fleck in der Geschichte des Gießener Libera⸗ lismus.

Weiter: Ihr bekennt Euch wohl meistens zu dem Grundsatze; der Wille der Mehrheit soll entscheiden. Schon darnach müsset ihr ja jetzt entweder ganz Euer Streben aufgeben, oder uns doch auch unsere volle Freiheit der Versammlung, Vereinigung und unseres Wirkens lassen, und wenn ihr ächte Re⸗ publikaner seyd, ohne allen Haß! Die große Mehrheit von Deutschland ist gegen Republik: die dazu aufregen, stürzen andere in's Unglück und suchen sich dann selbst zu retten, wie Hecker, Struve und Herwegh. Alles das hat die Erfahrung bewiesen und wird es noch mehr beweisen.

Nun hört auch unsere Gründe gegen Republik. Es giebt keinen einzigen Vortheil der Re publik, den eine freie constitutionelle Monarchie nicht auch hat, wenigstens ha ben kann; die Republik hat aber viele und große Gefahren, für das Wohl des Gan zen, wie des Einzelnen, namentlich für die wahre Freiheit selbst, welche die constitutionelle Mo narchie nicht hat.

Die Republik bleibt ein ewiger Tummelplatz für den Ehrgeiz und die Selbstsucht: und welcher Mensch ist davon ganz frei? Je fähiger und begab ter Jemand ist, desto mehr strebt er nach der höchsten Stelle, um etwa Präsident zu werden. Daher hört dort das Wählen und Wühlen, Partei und Zwietracht und Haß nicht auf Die Duodezrepubliken in der Schweiz und auch Nordamerika beweisen nichts da gegen. Die Berge machen jedes Thal zu einem be sonderer Volke, die Verhältnisse sind klein, und der Vater des Prof. Vogt soll selbst einmal hier her geschrieben haben: man lebe hier unter einem