Ausgabe 
24.5.1848
 
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Syrechhalle

für

Nr. 11.

Mittwoch

zeitgemäße Mittheilungen.

den 21. Mai 18418.

Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal. per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. berücksichtigt.

Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. zunächst Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion, dieses Blattes abgeben. Anonyme Enmsendungen werden nicht

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Einrückungsgebühren

gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition,

Republik oder constitutionelle Monarchie? (Schluß.)

Würde dieses aber unsere Ehre, unser Gewissen, unser Rechtlichkeitsgefühl zulassen? Könnten wir, ohne uns selbst zu schaden, dieses nur zu geben? Das Recht ist für alle dasselbe, also wenn man mit Recht dem Fuürsten sein Privateigenthum rauben kann, so kann man auch jeden vermögenden Büger mit gleichem Recht um das Seine bringen. Das aber wäre Gewalt und nicht Recht. Wir wollen Niemanden berauben, aber auch von Nieman den beraubt seyn, und der Kern der deutschen Nation ist viel zu gebildet und zu hochherzig, und viel zu christlich gesinnt, als daß er sich mit fremdem Gut bereichern oder gar Raubmord üben wollte! Wenn wir aber dieses nicht wollen, so müßten wir Hessen, in dem Augenblicke, wo die Republik bei uns proclamirt würde, unserem Großherzog sein Privat⸗ eigenthum vollstaͤndig herausgeben. Dann sparen wir allerdings alljährlich eine Civillisten von 5 600,000 fl. und einige Apanagen, wir verlieren aber zugleich auch eine jährliche Einnahme von 1,500,000 fl.! Ist diejes nicht deutlich und ehrlich gerechnet? Aber noch mehr, glaubt Ihr denn, daß die 5 600,000 fl., welche jetzt die Civilliste kostet, wirklich so ganz erspart wür den, glaubt Ihr, die ganze Versammlung von Republikanern, welche dann statt des ein zigen Großherzogs zur Regierung käme, würde die⸗ VVVTVV

Was aber eben vom Privatvermögen unseres hessischen Fürstenhauses gesagt worden ist, ließe sich in ähnlicher Weise auch in Rücksicht vieler der übri gen in Deutschland regierenden 32 Fürstenhäuser nachweisen! Darum laßt Euch nicht täuschen, und wenn es wahr ist, daß einzelne Hofhaltungen zuviel kosten, so weißt es nach und laßt durch Eure frei gewählten Landstände nicht mehr bewilligen, als noth wendig ist.

Aber auch einmal angenommen, die deutschen Regentenhäuser verzehrten wirklich alljährlich viele Millionen, zahlt denn darum das deutsche Volk allein diese Millionen, oder fließt nicht vielmehr ein sehr großer Theil aus deren Privateigenthum? Wer aber wird einen Millionär, er sey regierender Fürst oder Privatmann, rechtlich hindern können, mit seinem Vermögen, nach seinem Belieben, zu schalten?

Der regierende Fürst Liechtenstein, Einer der 33 deut⸗ schen Regenten, erhält aus seinem Bundesstaate (Vaduz) keinen Kreuzer Civilliste, bezieht aber aus seinen österreichischen Privatbesitzungen jährlich weit über eine Million. Spart nun aber das Volk einen Kreuzer dabei, wenn der Fürst diese Million nicht ausgiebt? Gewinnt nicht vielmehr der Bürger da⸗ bei, daß er sein Vermögen nützt und wieder unter die Leute bringt? Wer's nicht glaubt, der gehe nach Wien und frage nach, ob es den Wienern nicht sehr lieb ist, wenn ein Liechtenstein und andere Fürsten, Grafen und Herren alljährlich recht viel dort sitzen lassen. Gerade im Gegentheil würde der Bürger sehr darüber klagen, wenn er solche Kunden verlöre. Wie Viele leben davon! Macht man aber den Für⸗ sten und Reichen arm, so werden es mit ihm Tau⸗ sende und Tausende. Ist das Nichts? Verdient das Wohl von Tausenden keine Beachtung?!

Und wir sollten gar unsere Hände mit Blut be flecken, unsern ehrlichen Namen durch Raub entweihen, die deutsche Treue mit Füßen treten, uns ein schmach⸗ volles Denkmal in der Weltgeschichte setzen, und, um 33 Regenten und 33 Familien zu beseitigen und einige Millionen zu ersparen, oder vielmehr, um sie den Fürsten, für welche der Besitz- und Rechts stand und eine Reihe historischer Erinnerungen spricht, entreißen und ueuen republikanischen Körperschaften von vielleicht 333 Machthabern, an welchen auch wieder 333 Familien hängen, zuzuwenden, die ganze deutsche Nation der Gefahr eines Bürgerkriegs und der Anarchie auszusetzen?! Wir sollten unser Leben, unsere Ehre und unser Vermögen, das Wohl unserer Familien und Enkel dem Spiele des Zu⸗ falls leichtsinnig preisgeben, um mit dem NamenRe publik eine Freiheit zu erlangen, die wir unter dem Banner derconstitutionellen Monarchie in gleichem, und dabei noch gesicherterem Maße, auf ganz friedlichem Wege durch das deutsche Parlament in kürzester Zeit mit Sicherheit erlangen wer⸗ den 711!-

Indem der Unterzeichnete hiermit seine drei Ar tikel über die Republik und constitutionelle Monarchie, welche die Nummern 8, 10, 11, 12, 13 u. 14 d. Bltts. enthalten schließt, giebt er übrigens vollkommen zu, was er seit mehr als zwanzig Jahren als ewige naturrechtliche Wahrheit an hiesiger Universität ge⸗ lehrt hat,

1) daß nämlich alle Menschen, als solche, gleich und frei sind, indem alle gleiche Persönlichkeit vor Gott besitzen und nicht einige Privilegirte