Ausgabe 
23.8.1848
 
Einzelbild herunterladen

Guter Rath in der Handelsklemme und Geldnoth.

In westphälischen Blättern finden wir einen Aufsatz von Friedrich Harkort, der sich in ebenso treffen der als gemeinfaßlicher Weise über die Geld- und Han⸗ delsklemme und deren geeignetste Abwehr ausspricht. So sagt er unter Anderem(aus Berlin):

Das Volk gleicht den schönen Frauen, es sind viele Schmeichler da, die es verderben! In Berlin fehlt es aber auch nicht an schönen Briefstellern. Der eine bittet: liebes Volk, du bist allmächtig, schaffe mir eine Ministerstelle, ich werde schön danken, der andere: liebes Volk, du bist zu ruhig, eine Hauptdemonstration könnte nicht schaden, da fischen wir im Trüben! Der dritte schildert das Land Kanaan so natürlich, daß Mancher schon Milch und Honig für gemeine Waare hält, aber ich sehe noch keinen Redner und Briefsteller, der wirklich Brod und Rahm geliefert hätte.

Unwillkührlich fallen mir dabei die alten biblischen Geschichten von den falschen Propheten ein, und ich habe Angst, daß über kurz oder lang hier noch einige derselben durch ihre betrogenen Jünger gesteinigt wer den. Da möchte ich nun um Erlaubniß bitten, einmal für Schmeichelei die Wahrheit sagen zu dürfen. Große Umstände brauche ich wohl deßhalb nicht zu machen, weil ich selbst zum Volke gehöre und seit dreißig Jahren alle Tage tüchtig mit ihm arbeite,ich weiß ziemlich genau, wo der Schuh drückt.

Fremde Länder sind haufig ein Spiegel, in dem man die eigene Thorheit schaut. Als die französische Revo lution ausbrach, war ich in Brüssel. Die Belgier haben träges Blut und dachten: man braucht's nicht gleich nachzumachen, wir wollen die Sache ein wenig ansehen; Holzäpfel blühen auch schön, warten wir auf die Frucht! Indessen der Schrecken vor Unruhen fuhr unter die Capitalisten. Der Handel und die Fabriken stockten. Der Adel flüchtete aufs Land und Bürger und Bauern vergruben ihr Geld, als stünde der 30jäh⸗ rige Krieg vor der Thür. Binnen 14 Tagen war die Noth da. Man bildete Clubs, steckte die Köpfe zusammen und auf dem großen Platze standen finstere Gestalten. Da stieg ein Volksredner auf die Rath haustreppe; er war aber nicht aus der Schule Derer, die unter den Zelten(in Berlin) Volksherrschaft pre- digen und Hunger herbeiführen: um ihn stand der ganze Haufe.

Was fehlt Euch? Antwort: Brod! Warum kauft Ihr's denn nicht? Schöne Frage, wir haben kein Geld! Und warum habt ihr kein Geld? Nun ja, weil keine Arbeit da ist. Ach, da wollen wir uns bald helfen, sagte der Redner. Schaut, das Geld ist eine Maus; wenn sie Lärm hört, verkriecht sie sich, aber verhaltet Ihr Euch still, so wird's bald wiederkommen. Adieu, macht Euch nach Hause! Und hier gingen die Leute, so Verstand im Kopfe und Liebe zur Ordnung im Herzen unter dem blauen Kit⸗ tel trugen.

Vor solchen Leuten muß man Respect haben, sagte Friedrich der Große, und so dachte man auch in Brüs sel. Die Bürger sprachen: das Volk ist brav, es muß nach Möglichkeit gesorgt werden. Die Stadt ließ öffentliche Arbeiten verdingen, jeder Hausbesitzer ließ Pflaster legen, anstreichen, repariren. Der Herzog von Aremberg und die Großen blieben nicht zurück; der König verließ Schloß Laeken und zog in die Stadt; Jedermann rief:es lebe der König! wenn er öffent

lich erschien. Die Kammern setzten allen Hader bei Seite, handelten wie ein Mann und bewilligten der Regierung eine Menge Geld für Kanäle und Straßen oder Unterstützungen an arme Gemeinden. Man be griff, daß nur Eintracht die Freiheit rettet zur Stunde der Gefahr.

So wuchs das Vertrauen. Reiche Franzosen und Engländer zogen in Masse nach Brüssel. Einer schrieb es dem Andern: hier ist es sicher! Das Militär brachte auch viel Geld, man vertrug sich meisterhaft mit einander; ich habe nicht eine einzige Unordnung gesehen. Maueranschläge gab es, allein es waren Auf forderungen zur Wohlthätigkeit und zu gemeinnützigen Zwecken, nichts von Politik, nur die Wählerlisten hin gen aus, denn der Belgier vertraut seinen Kammern. Kein Franzose oder Pole durfte in den Kaffeehäusern schelten; das Gefühl für Ehre und Selbstständigkeit entwickelte sich in der Nation zur schönsten Blüthe.

So kam, trotz der schlechten Zeit, die Geldmaus wieder aus dem Loche. An Sonn- und Festtagen sitzen die Leute mit ihren Frauen wohlgekleidet auf Stühlen vor den Thüren, eine blanke Kanne Bier auf dem Tische; wer daran zweifelt, schaue zu in der Vorstadt nach Namur.

Oft fragte man mich: Wie sieht es in Deutschland aus? Ich zuckte die Achseln. Ach Herr, hieß es, Ihre Landsleute wissen noch nicht, was eine Revolution kostet! Erfahrung machte uns klug; man kann Ge setz, Ordnung und Freiheit billiger haben! Wir reden 5 Sprachen, bestehen aus früher sich fremden Landes- theilen, und dennoch wurden wir eine geachtete Nation durch die Majestät des Gesetzes und eine freie Consti tution. Die Leute haben Recht, denn als ich abreiste, stand eine wackere Arme von 80000 Mann wohlver sehen und gerüstet da und die Franzosen zogen den Hut ab vor dem kleinen Volke von fünf Millionen Menschen.

Herzlich freute ich mich, nach dem schönen lustigen Berlin zu kommen, denn ich war in 2 Jahren nicht da gewesen, und dachte die reiche Bescheerung unter dem Christbaume der neuen Freiheit zu finden. Unter den Linden spazierten junge Herren mit rothen Hahnen federn auf den Hüten und Hirschfänger an der Seite, wie ich sie in Faust und dem Freischützen gesehen, man sagte mir, das seyen lateinische Schüler, welche Politik studirten und die Finanzen ihrer Eltern in Ordnung brächten; ob ich meine Jungen auch herschicke? Wenn nur die Examina abgeschafft wären!

Alle Bäume bis an die Zweige mit Recepten be klebt, um den Segen der freien Presse zu preisen und Sitte und Anstand zu empfehlen; ich träumte mich auf den Boulevards von Paris.

Junge Buchhändler, ohne Schuhe und Patent, zeig⸗ ten deutlich, daß Berlin der Sitz der Bildung sey. Da ich von Brüssel über Antwerpen kam, so forschte ich vergleichend nach dem Berliner Handel und Wan del.; aber in den Läden fand ich trübe Gesichter, über all Wohnungen zu vermiethen, keine Gütermassen in Bewegung und ich dachte, das geht zwar schlecht, allein sie verhalten sich still und ruhig und warten auf die Geldmaus.

So legte ich mich denn zu Bett und bat Gott, daß er alle die Kummertragenden trösten wolle. Nachts fahre ich auf, ich denke es brennt und die Russen stehen vor den Thoren. Ein Tumult, als ob 50 Nacht- wächter bließen, Generalmarsch, Bürger stürzen mit Gewehren hervor und in der Ferne ein verworrenes

Lärn Da Vate halte mel, Haul

9 der schon

1 gar 8 N sch zu le

1 ergal versal Gesa⸗ selben

Jaht gekau Zahli

Bezal

noch

mit

fol ö in hi, Jahrg

Ct

16

soll

für

den,

wird. Oh