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Höhe, auf welcher wir ihn von dem Blei einer meuch⸗ lerischen Tyrannei für die Freiheit seines Vaterlands sterben sahen.
Robert Blum schwebte erhaben über seiner Zeit, denn schon im Jünglingsalter ahnete er die kommen— den Decennien, schon da leuchtete ihm der Gedanke einer schönern Zukunft vor, in der die Wahrheit siegen und die Lüge vor den gewaltigen Strahlen des Gei— stes verschwimmen werde.— Das Clend, welches er in den Jahren seines aufblühenden Geistes kennen lernen, der Druck, welchen er nachmals durch die drückenden Staateneinrichtungen fühlen mußte, hielten in ihm die Gewißheit wach, daß das Volk, sobald es zu höherer Reife gelangt, das Joch, worunter der Geist und das materielle Wohl seufzten, abschütteln lasse und fest und standhaft beschloß er, mit allen Kräften zu diesem Ziele zu streben, das Volk zu bil- den und ihm das Ziel in voller Würde und Glorie 5 chauen zu lassen. Und wer konnte dem Manne, der so klar und innig, so wahr und edel die Gefühle seiner Brust aussprach, widerstehen? Selbst seine Feinde, oder vielmehr seine Neider staunten ihn an und mußten gestehen, daß sie gegen einen solchen Feind anzukämpfen, zu schwach waren, denn das ist der Segen der Wahrheit, daß sie die Brust, worin sie einzieht, wappnet und stark macht, den Geist frisch und klar erhält— jedem Feinde zu widerstehen.—
Blum, dem eisenfesten Mann konnte es durch die Gradheit und Wahrheit seines Characters gelingen, Volksmassen für eine gute Sache mit wenigen aber tiefergreifenden Worten zu entflammen, denn wer in das Antlitz dieses Mannes schaute, wenn er redete, der konnte keinen Zweifel erheben, daß die Worte tief aus der Brust dieses Mannes kamen: Sein Antlitz war der Spiegel seiner Seele. Wenn er langsam, mit erschüt⸗ ternden Worten Schmerz ausdrückte, der an dem Herzen des Volkes nagte, wer sah dann nicht in den Linien seines Gesichts, wer hörte nicht an der zitternden, tiefen Stimme, daß diese Worte aus dem Herzen kamen, und daß er fühlte mit dem Volke; denn seine Worte drangen in die Herzen der Hörer und machte sie eins mit dem seinigen. Und du Jüngling, der du ihn reden hörtest von Deutschlands Zukunft, von der Eisdecke, worunter sein Volk seufze, hast du nicht ge— fühlt, wie er so ganz im Feuer des Jünglings redete, sagten nicht die Blitze seines Auges, wie er im Her⸗ zen so ganz verwandt, ja eins mit dir war? Und
wärest du nicht, durchdrungen von seinem Geiste, ihm, deinem Leonidas freudig gefolgt, um für die Freiheit deines Volkes zu verbluten?
So war Robert Blum, begeisternd und anfeu— ernd. Wenn aber zügellose Massen des Volkes wie die losgelassene Hyäne daherstürmten mit der Fackel der wilden Leidenschaft, ohne Gesetz, ein Schrecken der Freiheit, wenn es gährte und tobte, und Rache und Blut das Loosungswort geworden, Versprechungen, Drohungen und die Worte der Religion taub verhall— ten, wem war es dann möglich, seinen Worten in dem brausenden Orkan Gehör zu verschaffen und dem Sturm zu steuern? Robert Blum, dem Manne des Volks war das möglich, möglich durch das Vertrauen und den Glauben des Volks, das ihn verehrte, da— durch, daß er mit rechten Worten die Stelle in dem Herzen des aufgeregten Volkes finden konnte, durch welche wie mit magnetischer Kraft der Frieden wiederkehrte. — Und dieser Mann ist nicht mehr; er wurde ge— mordet, weil er gezeigt, daß nicht nur durch Worte
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die Freiheit errungen werden kann, sondern durch die That, durch die Kraft des bewaffneten Armes; er wurde gemordet, weil die Feinde der Freiheit in ihm den Mann erkannten, der mit gewaltigern Waffen, denn Bajonette und Feuerschlünde in die Schranken trat; er wurde gemordet nicht, weil er Robert Blum, sondern der Mann der Wahrheit und des Volkes war. Um Rache, um gerechte Rache aber schreit sein Volk, denn sein Herz war das Herz des Volks und den Schmerz des tödtenden Bleis, den er auf der Bri⸗ gittenau empfunden, hat sein ganzes Volk gefühlt, und noch immerfort blutet die Wunde des Volks. Um Rache, um gerechte Rache schreit jeder Blutstropfen, die Kämpfer der Freiheit, welche bei der Leiche des Gemordeten erstanden, werden nicht ruhen. Und wahr- lich, die Zeit muß kommen, in der die Saat aufgeht, in der das Morgenroth sich spiegeln wird in dem sperlen— den Frühthau, das ist, in den Thränen der Völker, die es einst geweint um seine Märtyrer! F. Hüne.
Der Centralausschuß der konstitutionellen Vereine des Großherzogthums Hessen hat folgende Addresse an die preußische Nationalversammlung erlassen:
„Verehrte Männer!
Ein zu erwartendes Ereigniß ist eingetreten! Ba— jonette haben Sie aus Ihrem Sitzungs-Saale vertrie— ben. Wir wollen die Frage nicht untersuchen, ob die Krone unter den von ihr entäußerten Rechten, auch das aufgegeben habe, die Nationalversammlung zu ver— tagen? ob Sie also in ihrem guten Rechte sind oder die Regierung? Nur die Ueberzeugung hat uns leb— haft durchdrungen, daß Sie, wenn Sie glaubten in Ihrem guten Rechte zu sein, gehandelt haben, wie es deutschen Männern geziemt, daß Sie die Rechte und Freiheiten des Volkes in wahrhaft würdiger und gesetzlicher Weise gewahrt haben. Wir können nicht umhin, Ihnen unseren ganzen Beifall und unsere Theil— nahme hierdurch auszusprechen und Sie zu bitten, in allen Fällen, in welchen Sie das Recht auf Ihrer Seite zu haben überzeugt sind, mit gleicher Ruhe und Würde und in gleicher Uebereinstimmung zu handeln.
Gießen den 13. November 1848.
Unterm 16. d. M. beschloß der Centralausschuß der constitutionellen Vereine eine Addresse an den Reichs⸗ verweser, die ihn auffordert, in der preußischen Ange— legenheit mit derselben Kraft und Raschheit für das Recht einzuschreiten, wie solches in den kleinen Staa— ten geschehen sei.
Politische Umschau.
Berlin ist noch immer im Belagerungszustande.— Die Berliner verlangen: Verbannung der Prinzen, Auflösung der Garden, Entfernung der Truppen, Ver⸗ haftung der Minister, Fernhaltung des Königs von den Regierungsgeschäften.— Aus allen Theilen der Preußischen Monarchie, ja aus ganz Deutschland gehen Addressen ein, in denen die Sympathie für die Ber— liner Nationalversammlung ausgesprochen wird.
In einem Schreiben aus Süddeutschland heißt es unter Anderm:„das Vorschreiten des Hauses und Ministeriums Brandenburg gegen die Berliner Nationalversammlung erschwert nicht allein das Wir—


