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(Beiblatt.)
36.
Freiheit!
Der Freiheit Ruf erschallt vieltausendstimmig,
In alle Lande dringt ihr Losungswort!
O hört's, ihr Fürsten, hört's auf Eurem Throne; Laßt fahren alte, morsche Herrschgedanken,
Und reicht die Hand dem Volk zum ew'gen Bunde! Jetzt ist es Zeit! Eh' sich die Fesseln lösen, Die hundertfach um's Menschenherz gelegt;
Eh' sie hervorbricht alle Saat des Bösen,
Und„Wahnsinn“ Jeder auf der Stirne trägt! Noch seid Ihr Fürsten vieler guter Menschen, Noch glüht für Treue hoch des Jünglings Brust; Noch lauscht der Dichter gern den stolzen Tönen, Wenn Euren Einzug schmetternde Fanfaren
Und Eure reiche Fürstenpracht begrüßen.
Noch kennt der Bürger seine Bürgertreue,
Noch ist man deutsch am alten, deutschen Heerd. Doch wenn die still genährten Feuerfunken
Sich plötzlich dehnen— eine Feuersbrunst,
Wenn man vergißt das ernste Wort„Gehorsam“ Und sich herausreißt aus dem schönen Wahn
Der Fürstentreu', und Die, auf die man traute Erst trotzen und dann feige beben fieht.
Wenn durch die Straßen heult des Aufruhrs Stürmen, Auf Barrikaden blut'ge Fahnen wehn,
Und durch die Gassen die gehöhnte Freiheit,
Wie Furien mit den Rachefackeln raset.
Wenn Gräuel dann geschehn durch Volkeswüthen, Das in dem Blute gräßlich sich berauscht;
Vor denen still der Mensch sein Aug' veehüllt; Zum Spotte werden Volk- und Fürstentreue,
Der Jüngling schwört für's ew'ge Volkesrecht, Und stumm der Dichter nach dem Schwerte greifend, Die sanfte Leyer an dem Stein zerschellet,
Und will das Recht sich von den ew'gen Sternen Herunterholen, wenn er's hier nicht findet;
Wenn seine Sense schwinget jeder Knecht,
Im Zorne für ein unverstanden Recht,
Ja, wenn erst schweigt das ewige Gesetz,
Das in der Menschenbrust geschrieben steht,
Und die Natur auf blühn'der Städte Trümmern, Zum Tod verwundet, sterbend, man noch schmäht; Der Deutsche selbst, verläugnend sein Gemüth, Zum blutbegierigen Barbaren wird,
Und gräßlich spotlet, wenn die Flamme sprüht, Und prasselnd um die Flürstenschlösser lodert, Wenn sie entfesselt um die Krone lecket,
Und auf dem Haupt die goldne Krone glüht: Dann ist es nicht mehr Zeit! Im Flammenmeere, Da bricht zusammen Eure alte Macht,
Warum verschmähtet Ihr der Wahrheit Lehre! Ihr selber habt die Flamme angefacht!
O steigt herab von Eurem Herrscherthrone,
Mittwoch den 22. November
1848.
Und seid der erste Bürger Eures Volks,
Reicht Eure Hand dem Volk, dem lange treuen, ö
Der Fürst, der Gutes will, den Volkswohl freuet, Der darf die That, die schwerste selbst nicht scheuen. Seid Fürsten in dem schönsten Sinn des Worts Und trotzet nicht auf Bajonettenheere; Schließt einen Wall um Euch von Bürgertreue, Sie schwinget froh für Euch ein heilig Schwert. Der Jüngling kämpft für Fürst und Vaterland, Der Dichter singet seine lust'gen Weisen, Und deutsch ist man am alten, deutschen Heerd. O schaut um Euch! Die schrecklichste Verwirrung: Man schreit um Freiheit und man schreit nach Blut! Und wenn Ihr Blitze selbst zu schleudern hättet, Und Donnerkeile in das wilde Chaos, Hier hilft es nicht! Sprecht zu dem Volk: se i frei! und tragt ihm vor das goldne Freiheitsbanner! Dann gehn nicht auf die blutgetränkten Saaten, Gescheitert sind die unheilvollen Plane; Es schweigt die Wuth gestürzter Barrikaden, Und auf den Trümmern weht die weiße Fahne.
G. St.
N. N Rö ber i Bu m.
Das Kleine muß dem Großen ewig dienen, Auf Leichenhügeln will der Lorbeer grünen.
Wo wir in der Weltgeschichte auf hervorragende Zeiten stoßen, da treten, gleich Riesengestalten, Männer hervor, die entweder vom Strudel der Zeit auf die schwindelnde Höhe getrieben, oder durch eigene Kraft, durch Geistesüberlegenheit sich emporgerungen haben. In der Zeit der Willkür, der Aufgeregtheit schwin⸗ deln Gestalten zum Höhepunkt des Ruhms und sinken, wie sie stiegen, wieder herab und es bleibt nichts, als der Name, welcher im Buch der Geschichte den Völ⸗— kern aufbewahrt wird; der Held, welchen Glück auf die Bahn des Ruhmes getrieben, stolz einherschreitet mit dem Lorbeerkranze, sinkt, sobald sich der Himmel seiner Siege verdüstert.— Wer aber nicht vom Glück, nicht durch die Gunst Anderer, nicht durch außerordentliche Zeiten, sondern Kraft seines Geistes, sich von der untersten Stufe der Gesellschaft empor⸗ gerungen, rein und frei dasteht, ein leuchtender Stern seiner Zeit, wer dann auch zugleich in der Zeit der Aufgeregtheit seinen Ruhm zu bewahren vermag, der muß eine Stütze im Volk und das Volk eine Stütze an ihm sein und ist würdig, geehrt zu werden.
Einen solchen Mann, hat das deutsche Volk in Robert Blum kennen gelernt. Von den un⸗
tersten Stufen der Gesellschaft hat er sich emporgear⸗ beitet, durch Gradheit seines Charakters, bis zu der
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D. A.


