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Duldung gegen anders Glaubende zum Gesetz macht, gilt eben so wahr in Bezug auf die Religion, wie auf die Politik.
Ich wiederhole es daher: ich achte und ehre jeden Republikaner, der es aufrichtig und ehrlich mit der Freiheit, mit dem Wohle seiner Mitbürger und Brüder meint, allein wohl⸗ gemerkt! auch die Rechte und den politischen Glauben Anderer achtet und ehrt. Leider aber verfallen die Republikaner oft in die größte Unduldsamkeit(Intoleranz) und lassen dann auf die gehässigste Weise ihren Groll und ihre feind⸗ seligen Gesinnungen gegen ihre anders denkende Mitbürger und Brüder ausbrechen, theils in bittern Ausdrücken frivoler(nichtswürdiger) Schmähungen, theils in noch verabscheuungswürdigeren Ausbrüchen roher Gewalt, daher muß Vorsicht und Mäßigung bei der Aufklärung des Volks das erste Gesetz je⸗ des wahrhaften Patrioten seyn, weil gar leicht die Freiheit mißverstanden und mißbraucht wird. Es ist leicht den Feuerbrand in die leicht entzündbaren Massen einer wohlgefüllten Scheune zu werfen, so daß in einem Augenblick zerstört wird, was der fleißige Landmann unter Schweiß und Mühe ge⸗ wonnen und sorgsam gesammelt hat; allein schwer ist es, die verzehrende Flamme zu hemmen und zu bekämpfen. Schiller sagt:
„Wehe wenn sie(die Flamme) losgelassen, Wachsend ohne Widerstand,
Durch die volksbelebten Gassen
Wälzt den ungeheuren Brand.“
Und wie wahr ist, was Schiller sagt; denn der Brand zerstört und vernichtet oft im Mo⸗ ment eines Augenblicks den Segen und das Glück vieler Hunderte und Tausende von Menschen. Noch gefährlicher, noch weit furchtbarer als die Gewalt der Flammen ist aber die Macht entfesselter Leiden— schaften, wenn diese durch mißverstandene und übel gedeutete politische Freiheit einmal ausgebrochen sind. Nicht allein Häuser und Habe, nicht allein Geld und Gut wird da zerstört, wo in unseliger Ver⸗ blendung die politischen Parteien in furchtbaren Kämpfen sich begegnen; nein, auch die höchsten Guter, Freiheit und Leben sind dann bedroht. Und so sagt unser gefeierter Schiller in seiner Glocke, die Wuth wilder Bestien mit der entfesselten Gewalt menschlicher Leidenschaft und menschlichen Wahnes vergleichend:
„Gefährlich ist's den Leu zu wecken, Verderblich ist des Tigers Zahn;
Doch ach! der schrecklichste der Schrecken, Das ist der Mensch in seinem Wahn.“
Große Geister sympathisiren und begegnen sich. Auch Johann von Müller, der große Forscher im
Gebiete der Geschichte, warnt in ähnlicher Weise, wie der sanfte Genius unsres Schillers vor Wahn und Verblendung, und mahnet mit ernsten Worten zur Mäßigung und Ordnung! Mit seinen Worten rufe ich daher Allen zu: Mäßigung und Ord— nung! Wer es überhört, der ist gerichtet. Menschen von Erde und Staub, Fürsten von Erde und Staub, wie schrecklich dieß geschehe), das zeigt die Geschichte. Dr. H. Köhler.
(Forts. folgt.)
Anm. Der Unterzeichnete erklärt hier ein- für allemal, daß er in Zukunft nur mit solchen Gegnern, die, wie es dem freien Deutschen ziemt, mit offenem Visir in die Schranken treten, eine ehrliche Lanze brechen wird, daß er aber Her⸗ ausforderungen und Angriffe aller derjenigen, die wie licht⸗ scheue Uhus ihr widerliches„Schuhu,“ oder wie nachtliebende Käuzchen ihr unheimliches Kiwi schreien, unberücksichtigt lassen werde. Denn dergleichen Kämpen, die hinter den Coulissen der Anonymität versteckt, ihre Geschosse werfen, sind gleich dem hinterlistigen Troglodyten(Höhlenbewohner) der aus dem dunkeln Versteck seiner Höhle seine giftigen Pfeile sendet.— Der Obige,
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Grünberg den 20. April 1848. Am heutigen Tage hat die Parthei St..., welche in Grünberg das republikanische Princip unter einer gewissen, jetzt ziemlich allgemeinen, Maske ver⸗ tritt, d. h. von dem Partheiführer durch bekannte Mittel an seinen Triumphwagen gefesselt wird, eine kleine Volksversammlung gehalten. Ob der Führer dabei endlich mit seiner wahren Farbe aus dem Ne⸗ bel getreten, ist uns nicht bekannt geworden. Außer⸗ dem hofft man aber, daß es mit dem, Seitens dieser Parthei bisher gegen Personen und Ansichten ande⸗ rer Farbe geübten, Terrorismus ein Ende nehmen möchte. Wenigstens sind die Bekenner anderer Mei— nungen, die Freunde der bestehenden konstitu— tionellen Monarchie und ihrer gesetzlichen Ausbildung entschlossen, solchem Terrorismus männliche Offenheit entgegen zu setzen und hoffen darauf, im gesunden Sinn vieler wahren Patrioten Anklang zu finden. i Ein Bewohner Grünbergs.
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Die in Wieseck stattfindende und bereits auf Mittwoch den 3. Mai angekündigte Lehrerver⸗ sammlung kann erst Samstag den 6. Mai abgehalten werden.
*) d. h. wie schrecklich gerichtet wird, wer das Gebot Gottes zur Mäßigung und Ordnung überhört.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J.


