Ausgabe 
21.4.1848
 
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Sprechhalle

für

zeitgemäße Mittheilungen.

Nr. 6.

Freitag den 21. April

1848.

Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal, Dienstags und Freitags. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Ein

rückungsgebühren per Zeile 2 kr.

Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition

Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion diefes Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nicht

berücksichtigt.

Das deutsche Parlament, oder:

die Gesammt- Verfassung Deutschlands.

(Fortsetzung.)

Was liege an ein bischen Revolution und Blut⸗ vergießen; es würde dadurch doch Alles besser(d. h. nach ihrem Kopfe); wir bekämen das Glück, in einer freien Republik zu leben, in der das Volk sich selbst regieren und nicht mehr von den Fürsten, Herren und Staatsdienern, die alles Geld verschlängen, zu Sclaven gemacht würden. Wer noch von Treue zu seinem Fürsten, von Gehorsam gegen die von corrup⸗ ten Kammern gegebenen Gesetze spreche, der sey ein Geldsack, oder ein in veralteten Begriffen befangener Reactionair und der neuen Zeit nicht würdig. Wer seinen Eid, den er Fürst und Vaterland geschworen, zu halten gedenke, sey zur rechten Freiheit noch nicht fähig; denn wer sich zu dieser rechten Freiheit erhebt, der braucht auch natürlich sein Wort und seinen Eid nicht zu halten!

So singen jetzt gar viele Lockpögel und schreiben und drucken es in die Welt hinein, alles um das einzige und ewige Heil der deutschen Republik zu preisen und uns so bald wie möglich damit glücklich zu machen. f

Wir Deutsche aber sind seit zwei Jahrtausenden mmer ein treues und biederes Volk gewesen, von jeher haben wir Alles mit Kraft und Festigkeit auf rechtlichem Wege durchgesetzt und haben lieber einmal Unrecht gelitten als Unrecht gethan; wir sind noch nie wetterwendischer und leichtsinniger Natur ge⸗ wesen, wie unsere Nachbarn, die Franzosen, die am liebsten alle Vierteljahre eine andere Regierung wol⸗ len und bei denen unsere jungen Republikaner studirt haben. Wir Deutsche haben zwar schon seit Her⸗ manns Zeiten vor allen Dingen auf unsere Freiheit gehalten und haben wir uns auch gar manches Stück davon nach und nach abzwacken lassen, so haben wir

doch den Sinn dafür nicht aufgegeben, sondern le⸗

bendig in uns erhalten und jetzt bricht er wieder mächtig und kräftig hervor; aber ebenso treu haben wir auch stets an unseren Fürsten gehängt, und sie

niemals treulos verlassen; wir haben noch immer unsere Wünsche auf dem gesetzlichen Wege erreicht und auch jetzt wird es ohne Zweifel der Fall seyn. Wir werden alles, was wir zu unserem und ganz Deutschlands Glück, bedürfen erhalten durch Einigkeit

und Beharrlichkeit, ohne daß wir die Revolution und ihre Schrecken dazu herauf zu beschwören brauchen.

Wir wissen es recht gut, daß, wenn einmal die Schranken der Gesetzlichkeit eingerissen sind, wenn einmal keine Achtung vor dem guten Recht eines Je den mehr besteht, dann jeder Willkühr der Zügel ge⸗ lassen und Jeder, der etwas besitzt, seines Besitzes nicht mehr sicher ist. Mit demselben Rechte, mit dem unsere Fürsten oder die Standesherren, oder wer er

sonst sey, ihrer Rechte beliebig beraubt werden kön

nen, mit demselben Recht wird auch bald jeder an⸗ der Bürger, der etwas hat, geplündert und aus⸗ gezogen werden. Gilt sein Recht nichts gegen das Geschrei des Haufens, so gilt bald keins mehr etwas. Wir denken daher:Laß jedem das Seine, damit man Dir auch das Deine läßt! Was Du nicht willst, daß man Dir thue, das thue Du auch keinem Andern!

Man beruft sich freilich darauf, das müsse Alles zum gemeinen Besten geschehen; diesem müßten die Rechte des Einzelnen zum Opfer gebracht werden. Aber wir wollten einmal sehen, was die, welche so schreien, für Gesichter machten, wenn man von ihnen diese Opfer zum gemeinen Besten forderte; sie sollten nur einmal aufgefordert werden, das Drei⸗ fache der Steuer zum gemeinen Besten zu geben, was sollten sie dazu sagen? Wenn dem gemeinen Besten Opfer zu bringen sind, so muß ein Jeder seinen Theil daran tragen, nicht aber kann man sie von Einzelnen verlangen.

Wir Deutsche wollen daher hoffentlich dabei blei ben, daß wir nichts über den Haufen stürzen, so lange wir nicht wissen, in welcher Weise wir etwas Besseres dafür an die Stelle setzen können.

(Forts. folgt.)