Ausgabe 
20.5.1848
 
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sich ausgesprochen, wohl auch Manchen mit irgend einem Gesuche kurzer Hand von sich abgewiesen ha ben, so lag dies auch wohl nur in der Art un Weise, wie der Petent sein Verlangen stellte, wie er es vorbrachte, worauf er es gründete und zu rechtfer tigen wußte, vielleicht auch in den vorangegangenen Verhandlungen, wie dies die Acten erweisen werden, wohl auch manchmal in seinem Enthusiasmus für das Wahre, das Rechte und Gute, was er für's Allgemeine zu bezwecken suchte, und deßhalb wohl manchmal in seinem Diensteifer weiter ging, als er bei ruhigem Gemüthe gegangen seyn würde.

Daß er über den Ziegeldächern die Menschen, die darunter wohnen nicht vergessen hat, obgleich er für die Ausführung des desfallsigen Gesetzes sehr be geistert war, geht daraus hervor, daß er selbst bei Gr. Ministerium auf Aenderung(Milderung) des Gesetzes antrug und bei jedem Gesuch wegen Dach bedeckung den betr. Ortsvorstand auf pflichtmäßige Angabe des Vermögens und der Angabe des Nach suchenden aufforderte, um darnach seine Verfügungen möglichst nachsichtig geben zu können. Wurden ihm hierbei unrichtige Angaben der Vermögensverhältnisse gemacht, dann natürlich kann manchem Mann zu viel aufgebürdet worden seyn. Wer aber trug jetzt die Schuld?

War es ein Uebermaß, daß Herr Kreisr. Prinz die Obstbaumzucht so zu heben und zu vervollkomm nen suchte, indem er den Ortsvorständen bei jedes maliger Aufstellung der Gemeindebudgets und bei den Rundreisen aufgab, jedes Jahr eine gewisse Summe zur Anschaffung von Obstbäumchen vorzu sehen und die Pflanzungen fortwährend zu vervoll ständigen, wodurch jeder Private noch angeregt wurde, den so sehr im Hintergrund stehenden, zur Landwirth⸗ schaft gehörigen Zweig zu befördern, so daß von diesen jedes geeignete Plätzchen aufgesucht und mit einem Obstbäumchen bepflanzt würde.

Welche Wohlthat!

Der Wegbau wurde allerdings zu rasch in An griff genommen, und sind dadurch Schulden entstan den, wozu sich aber einzelne Gemeinden ganz frei willig verstanden; in anderen Kreisen, wie namentlich im Kreise Grünberg und Biedenkopf haben sogar die Gemeinden Kapitalien aufgenommen und ihre Wege in einem Jahr hergestellt, um gleich im ersten Jahre gute Wege zu haben und tragen, statt jährlich eine Summe für Wegbau vorzusehen, nun jährlich ein Kapital damit ab.

Wohl sind also durch den Wegbau bei den Ge meinden Schulden entstanden, was jetzt bedauert, mitunter auch getadelt wird, aber wie lautete es früher über die schlechten fast unfahrbaren Wege? Einsender dieses hat es aus dem Munde des Kreisraths Prinz, daß er mehrmalen sagte: die und die Gemeinde hat ihren Hauptweg oder den noth wendigsten Weg soweit hergestellt und nun will ich es ihr ganz überlassen, was sie an den übrigen Wegen fortan thun will, damit wollte er doch gewiß sagen, man dürfe die Kräfte der Gemeinden nicht zu sehr in Anspruch nehmen.

Wo die Gemeinde-Vorstände ihn von der Unmög lichkeit irgend eines Vorhabens überzeugten, gab er

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auch nach und ließ denselben freien Willen, bei manchen Gegenständen aber hing es von der Forst und Baubehörde ab, wodurch er in Folge höchster Entschließung gegen den Willen der Gemeinden ver fügen mußte. Warum also diese solche Umstände nicht berücksichtigend, gleich in Allem, was Andere thun, Fehler finden, während sie sebst bei ihren Un ternehmungen eine gute Absicht haben können.

Wie empfindlich daher der Schmerz ist, von an deren verkannt zu werden und sich bei den besten Absichten hämisch beurtheilt zu sehen, wird Jeder selbst schon die Erfahrung gemacht haben Es gehört wenig dazu, von den Leuten unedler Absichten ꝛc. beschuldigt zu werden, und doch giebt es Menschen, welche vielleicht selbst das Loos hatten, verkannt zu werden, die keinen Anstand nehmen, auch andere Personen dreist zu beurtheilen und zu verdammen,

Was nützlich zur Besserung ist, da es Noth thut, daß es holdselig sey zu hören das rede.(Ephs. 4, 29.)

(Forts. folgt.)

Miscellen. Die Injurienklage.

Vor einem edlen Magistrat

Erschien Herr Matz, ein neugebackner Rath,

Und sprach:Hochweise Herrn! ein frevler Zei tungsschreiber

Beschimpfet mich: da lesen Sie sein Blatt

Und rächen mich an diesem Ehrenräuber;

Er sagt: Ein deutscher Titus hat

Jüngst einen Schöps zu seinem Rath erhoben.

Herr sprach der Präsident,wir haben keine

Proben;

Sie sind ja nicht genannt.

Ei! Sie befremden mich,

Rief Matz,wer kannn der Schöps wohl anders seyn als ich?

Im Badischen wurden wegen der Hunde allerlei Berichte eingezogen. Ein Ortsvorsteher unterschrieb den seinigen:

Unterthänigster Hundsbericht. Der Pfarrer. ein Hund. Deß Doerr ei Sund Der Schulmeister ein Hund.

Zusammen drei Hunde.

Johann Sobiesky ließ einst einen Theil seines schlechtbekleideten Fußvolks bei hellem Mittag über die Donaubrücke bei Wien gehen, und nicht wäh rend der Nacht, wie ihm seine Generäle vorgeschla gen hatten. Spöttische Bemerkungen waren auf den Gesichtern der zahlreichen Zuschauer zu lesen. Der König sah es und sagte mit lauter Stimme, allen hörbar:Bei diesen braven Soldaten ist es einge führt, daß sie sich nur auf Kosten des Feindes klei den; sie haben aber bis jetzt noch nicht das Glück gehabt, auf denselben zu treffen. Kleider verschaffte dieser Lobspruch zwar nicht, aber er panzerte.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J.

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