folgt zu sehen, gesetzt also, daß es geschähe, daß die Meister in diesem Verein ausmachten, daß Niemand, auch unter keinen Verhältnissen für einen niedrigeren als für den von ihnen festgesetzten Preis arbeite, so hat der Verein sich durch diesen Ausspruch schon den Todesstoß gegeben: denn erstlich würden die Consu⸗ menten sparsamer werden und nicht so viel gebrauchen oder ein Ersatzmittel zu finden suchen; die Waare der Meister würde durch die Steigerung des Preises weniger gesucht, und bald würden Mitglieder die— ses Vereins zu erklären genöthigt seyn, nicht mehr Mitglieder des Vereins bleiben zu können, zweitens aber würden sie die Arbeiter, welche in anderen Zwei⸗ gen arbeiten, ebenfalls mit dieser Preiserhöhung drücken. Wenn alle Gewerbtreibenden höheren Lohn ver— langen, so werden auch natürlich die Kaufleute ihre Waaren aufschlagen und wird also Alles in dem Maße theurer werden, als der Lohn des Arbeiters erhöhet ward. Das einzige, was nun der Arbeiter profitirt hätte, wäre demnach, daß er mehr Geld bekäme, weil er mehr ausgeben muß, welches gleich kommt dem Satze: Wer Wenig hat und Wenig braucht, ist eben so reich als der, der Viel hat und Viel braucht.
Soll also eine Reform in Angriff genommen werden, so darf sie nicht in einzelnen, sondern in allen Gewerben zugleich und überall in Angriff genommen werden.
Vor einigen Tagen wurde in der Frankf. Didas⸗ kalia, den deutschen Arbeitern der Vorschlag gemacht, nach Amerika auszuwandern, wenn dort eine große deutsche Colonie gegründet werde, oder vielmehr, sie sollten dort selbst eine solche Colonie gründen. Der Verfasser des Aufsatzes weist zugleich auf die früheren Völkerwanderungen hin. Dieser Vorschlag hat aller— dings etwas für sich, vorzüglich wenn Schiffe dafür an— geschafft würden, diese Arbeiter unentgeldlich zu ihrem Bestimmungsorte zu befördern. Doch wäre dieses viel— leicht, eine nur momentane Verbesserung. Die hier Zu— rückbleibenden würden am Ende kaum merken, daß sie Concurrenten verloren hätten; und sollten sich über— haupt wohl eine viel größere Anzahl zur Auswan⸗ derung finden, als in den Freiheitskriegen der Deut— schen und schon früher, wo doch Tausende von deutschen
67
Arbeitern auf den Schlachtfeldern blieben? Hiernach glaube ich, daß wir schon in einigen Jahren wieder auf demselben kritischen Punkte stehen würden, auf dem wir jetzt stehen.—
Bei einer Reform aber wäre noch zu berücksich— tigen, und fast glaube ich, daß eben dieses Punktes halber de ganze Reform nothwendig ist. Dieser Punkt aber ist das Maschinenwesen. Wir wollen nicht die Maschinen zertrümmern und es ist uns fast unlieb, daß wir ihre Leistungen beschränken müssen, denn wir achten ihre Erfinder, wir wissen die Aus⸗ dauer zu würdigen, welche mit den meisten Erfin⸗ dungen verbunden war und darum wollen wir sie auch nicht verbannen. Wenn wir eine Petition oder eine Klage bei einer höchsten Behörde, bei einem Ar— beiter- oder sonstigen Ministerium einreichten, wir würden darauf dringen, daß die Maschinen n ich t in Stillstand versetzt, sondern mit zu unserem(der Ar⸗ beiter) Vortheil im Gange erhalten würden. Wir würden den Vorschlag machen, daß jeder Ge⸗ werbtreibende in den Dienst des Staates mit festem Gehalt zu stellen sey, daß er aus der Staats⸗ kasse besoldet werde und unter Leitung einer vom Staate anzustellenden Commission arbeite; dann könnten die Maschinen dem Arbeiter nur nützlich seyn, weil sie dann ihn bei seinen Arbeiten unterstütz⸗ ten und er desio weniger zu arbeiten brauchte.
Ich dürfte mir vielleicht schmeicheln, dem Wohle des Ganzen in Etwas genützt zu haben, wenn sich durch vorstehende Abhandlung manche Arbeiter auf— gefordert fühlten, auch ihre Ansichten über die Uebel—⸗ stände im Arbeiterstande und dessen Verbesserung dem größeren Publikum mitzutheilen, denn die Arbeiter⸗ frage ist noch zu wenig durch praktische Männer ausgesprochen worden, warum es vorzüglich in ge— genwärtiger Zeit eine heilige Pflicht des Arbeiters ist, sich gleich einem Kranken au, zusprechen, wo es ihm weh thut, und dann denen vertraut, welche berufen sind die Wunden unseres Vaterlands zu heilen, ihnen zu überlassen, eine wirksame Medizin, welche in einer weisen Gesetzgebung bestehen würde, zu unserm Auf⸗ kommen zu verschreiben.
F. Hüne.
ali g
In verschiedenen Nummern des„jüngst. Tags“ ist der Gr. Kreisr. Prinz als allgemein mißliebig intolerant und inhuman dargestellt, was von vielen Seiten her sehr mißbillig wahrgerommen worden ist, auch zeugen frühere und spätere öffentliche Blätter für das Gegentheil; er wird doch immerhin, zwar für einen strengen, aber doch für einen solchen Be— amten anerkannt, der unparteüsch jedem Recht und und Gerechtigkeit widerfahren läßt. Wohl mag Herr Kreisrath Prinz gegen manche der ihm Unter⸗ gebenen ꝛc., bezüglich ihrer Handlungsweise, energisch und streng verfahren, sich im höchsten Grade miß— billig über das Benehmen des Einen oder des An— dern ausgesprochen, Dieses und Jenes getadelt und sie auf die bestehenden Gesetze, welche zu achten, zu handhaben und zu befolgen ihm die Pflichten seines Berufes auferlegt, verwiesen und solche ihnen einge— schärft haben; doch dieses kann ihn nur ehren, und
enz blatt.
daß er die Gesetze achtete, darnach handelte und ge— handelt haben wollte, das giebt ihm nur einen höheren Werth. Herr Kreisr. Prinz mag manchmal durch seine Verfügungen und Beschlüsse gegen den Willen und die Absichten der Ortevorstände und Privaten gehandelt, er mag Anordnungen und Vorkehrungen getroffen und Unternehmungen veranlaßt haben, die zum Nachtheil der Betheiligten gereichten, was wohl selten der Fall gewesen seyn dürfte, so kann dies immer noch keinen Grund abgeben, ihm bittere Vor⸗ würfe zu machen und die Schuld allein seiner Hand— lungsweise beimessen zu wollen; denn es kann Je⸗ mand bei seinen Unternehmungen die beste Absicht haben, solche aber fehl schlagen, und kein Mensch, der den Ausgang einer begonnenen Sache so sicher voraussehen kann.
Und sollte Herr Kreisr, Prinz wirklich manchmal gegen Diesen oder Jenen etwas grell und entrüstet


