Ausgabe 
20.5.1848
 
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Land schier so arg, als der alte Polizeistaat, denn sie ruiniren den Erwerb und lassen den Arbeiter seines Fleißes nicht mehr froh werden. Der fieberhaft be⸗ wegte Zustand muß endlich aufhören, damit Handel und Gewerbe wieder zu Kraft und Gedeihen kommen. 5) Wir wollen uns der Armen annehmen. Den Arbeitslosen soll zur Arbeit verholfen werden. Weil sie jetzt in der Monarchie bungern müssen, darum glauben Viele, daß es in der Republik besser sey: aber der Hunger wird auch in der Republik bleiben. Wir wollen Alle zusammentreten, daß schon augen⸗ blicklich nach unsern Kräften für die Abhülfe der nächsten Noth gesorgt wird; wir wollen Opfer brin⸗ gen, wir wollen zeigen, daß kein Republikaner ein größeres Herz für Noth und Elend haben kann, als wir. 6) Freiheit für Alle, also auch Ehre jeder redlichen Ueberzeugung, jeglichem Parteibekenntniß. Kampf nur mit geistigen Waffen!

Gegenüber einer solchen ehrenhaften treuen Ge sinnung, sucht dagegen eine Partei, recht planmäßig den Communismus, den Raub und selbst den Für⸗ stenmord zu predigen.Ein deutsches Rechen Exempel, welches mir vorliegt und in weiten Kreisen Verbreitung erhalten haben soll, will sogar alles Unglück Deutschlands aus der Existenz 33 deut⸗ scher Regentenfamilien und den deutschen standesherr⸗ lichen Häusern ableiten und darthun, daß diese, nebst ihren Ministern und Diplomaten ꝛc. jährlich eine Summe von mindestens 57 Millionen das deutsche Volk kosteten, eine Summe von welcher sehr süg lich 285,475 Familien leben könnten, wennn jede Familie jährlich 200 Thaler erhielte ꝛc. ꝛc. Das einzige Heilmittel solcher Uebelstände sey von Eise nd

Verdient auch das empfohlene mörderische Heil⸗ mittel der Beachtung keines Ehrenmannes, er sey ein Constitutioneller oder Republikaner, und kann es auch bei beiden nur die tiefste Trauer über eine solche Entartung des menschlichen Herzens erwecken, so sind doch die übrigen Phrasen ganz geeignet, den großen Haufen zu blenden, der weder die Richtigkeit der Rechnung, noch auch prüft, ob wohl diejenigen welche ihm diese lockende Aussicht eröffnen, auch dazu beitragen würden 285,475 Familien mit je 200 Thalern jährlich auszustatten, wenn erst die Fürsten beseitigt wären. Daher hier Einiges zur Berich⸗ tigung.

Vor allem meine geliebten Mitbürger seyd über⸗ zeugt, daß wenn auch zur Zeit des deutschen Reichs die Zersplitterung Deutschlands größere und kleinere Staaten, Deutschlands politische Einheit schwächte und zuletzt 1806 ganz vernichtete, doch jene frühere Vielherrschaft den Keim zur Ver⸗ allgemeinerung nationaler Bildung und zum Wohl stand vieler Familien gelegt hat.

Hiernächst haltet Euch überzeugt, daß in der Re⸗ publik wie Monarchie, die Staatsminister, Diploma⸗ ten ꝛc. ꝛc. nicht von Wasser und Luft leben, gleich den Fischen, und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie keine Fische, sondern Menschen sind.

Diese Kosten werden sich sonach auch in der Re publik nicht ersparen, wenn auch in ihr, wie in der Monarchie, vermindern lassen. Den Gesammtbetrag

in mehrere hundert

dieser Kosten müßt ihr folglich von den angeblichen 57 Millionen in Abzug bringen.

Allerdings hatten die Standesherren bisher Vor⸗ rechte, welche die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, störten und daher aufhören müssen und zum Theil, schon aufgehört haben. Daraus folgt aber nicht, daß die deutschen Standesherren vom deutschen Volke lebten, denn nicht aus Steuern beziehen sie ihren Unterhalt, sondern jetzt nur aus ihrem Privat vermögen; dieses aber wird ihnen so lange bleiben, als es überhaupt noch ein Recht und eine bürgerliche Obrigkeit, in der Monarchie oder der Republik, giebt und der deutschen Nation kann es nur erwünscht seyn, wenn die Standesherren ihre Einkünfte in Deutschland, und nicht im Auslande verzehren.

Was endlich aber unsere 33 regierenden Fürsten Deutschlands betrifft, so bitte ich nicht unbeachtet las⸗ sen zu wollen, daß diese auch ein Privatei⸗ genthum besitzen und mitunter ganz allein davon leben!

Ich will Euch, meine deutschen Brüder, in dieser Beziehung ein anderesRechen-Exempel geben, welches wahr ist, und zwar zunächst Euch meine hessischen Mitbürger!

Man sagt Euch, unser Großherzog erhalte eine Civilliste von 5 600,000 fl. Das ist wahr! Man sagt Euch aber nicht, daß das gr Haus ein Familien⸗Eigenthum besitzt, welches jährlich ohn⸗ gefähr anderthalb Millionen Gulden einträgt S 1,500,000 fl; man sagt Euch nicht, daß das gr. Haus, so lange es über Hessen regiert all⸗ jährlich diese anderthalb Millionen an die Staatskasse abgiebt und sich davon nur ohngefähr ein Drittheil als Civilliste vorbehalten hat; man sagt Euch nicht, daß wenn das gr. Haus die Regierung verliert oder, was dasselbe ist, man sagt Euch nicht, daß wenn wir eine Republik bekämen, die gr. Familie so gut, wie es 1806, bezüglich der Standesherren, der Fall gewesen, ist ihr wohlerworbenes Privateigen⸗ thum vom Staate mit Recht herausfordern kann; man sagt Euch nicht, daß die ½ jener Einkünfte, die jetzt aus dem Ertrag jenes gr. Fami⸗ lieneigenthums alljährlich in die Staatskasse fließen und zu Staatsbedürfnissen verwendet werden, und welche alljährlich e ine Million Gulden betragen, alsdann durch Steuern aufgebracht werden müs⸗ sen, die Ihr, die alle Besitzenden bezahlen müssenz man sagt Euch nicht, daß das hessische Für⸗ stenhaus schon reich begütert war, ehe und bevor es in Hessen zur Regierung gelangt ist, und daß man das Eigenthum der Fürsten so gut achten muß, als das Eigenthum jedes Bürgers. Nein, statt dessen wird wohl gar auszu sprechen gewagt, wenn die Fürsten entfernt wären, würde man ihnen auch ihr Vermögen nicht lassen.

Fortsetzung folgt.)

Die Arbeiter und ihre Interessen. Fortsetzung u. Schluß.)

Gesetzt aber auch, daß alle So. eines solchen Vereines gehalten würden, was ich indeß nicht allein bezweifle, sondern versichere, daß es nie gelingen wird, die§§. eines solchen Vereines so genau be