Ausgabe 
19.7.1848
 
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Absichten der Anhänger des alten Systems, welche durch die Künste der Diplomatie die politische Mu mie Metternichs wieder beleben möchten.

Die wahre politische Freiheit steht auf der

Basis der Vernunft und der historischen Erfahrung, also über jedem leidenschaftlichen, von augenblicklicher politischer Aufwallung getragenen Parteigeiste; sie steht über dem Einfluß eigennütziger Selbstsucht, die sich mit Streulaub und Lesholz, oder mit der Ge nugthuung eines ähnlichen äußeren Vortheils be gnügt. Unverrückt das Ziel, einer zeitgemäßen po litischen Entwicklung festhaltend, fuͤrchtet sie die feinen Künste diplomatisch gewandter Anhänger der Reaction eben so sehr, wie sie das bewußtlose Brül len und Toben mancher freiheitstrunkenen Republi kaner verabscheut. Deshalb sind wir entschiedene Gegner sowohl der Reaction, wie des Ultralibera lismus, welcher von Anarchie unzertrennlich ist. Und somit können wir nicht einstimmen in die stür mischen Bravo's der enthusiastischen Verehrer Heckers; wir verabscheuen ihre politischen Orgien und miß billigen die Vergötterung ihres politischen Heros (Helden); denn wer wie Hecker die Fackel des Bür gerkriegs entzuͤndet und verrätherische unheilvolle Waffen des Aufruhrs gegen das Vaterland geführt hat, zu einer Zeit, wo das deutsche Volk in der Reichsversammlung ein gesetzliches Organ(Werk zeug) zur Verbesserung seiner politischen und socialen Verhältnisse geschaffen hatte: der hat die Majestät der Reichsversammlung nicht anerkannt, und damit die Souveränetät( Oberherrlichkeit) des Volks in seinen Vertretern verletzt. i

Ja, jedes bewaffnete Auftreten gegen die Reichs versammlung, jede Einwirkung physischer Macht auf den geistigen Kampf ihrer Verhandlungen ist ein Schritt zur Anarchie und würde uns auf den vul kanischen Boden einer neuen wilden Revolution und Anarchie versetzen, durch welche wir genöthigt ren, um den blutigen Tribut vieler tausend Men schenleben von Neuem den Zustand einer gesetzlichen Freiheit und Ordnung zu erkaufen, wie unsere Nach- barn in Frankreich. Nein, nur mit der Macht der freien Rede und Schrift sollen die Kämpfe für Deutschlands Wohl und Freiheit geführt werden. Zu solchem Kampfe erhebet euch, alle ihr Schildträger der Freiheit, alle ihr begeisterten Kämpfer für Licht, Recht und Wahrheit, besonders aber ihr, Vertreter des deutschen Volks, die ihr von demselben zur Er kämpfung und Behauptung seiner Rechte und Frei⸗ heiten als Vorkämpfer berufen worden seyd! Schleu dert die Gedankenblitze eures Geistes gegen die Kal ten und Finstern, damit ihre Herzen von den Strahlen der Freiheit und Wahrheit entzündet wer den und erschüttert durch den Donner eurer Worte die Anhänger des alten Systems! Allein vergessen dürfen weder sie, noch wir Alle nicht, daß um die Freiheit, das Glück und Wohl Deutschlands nur mit den Waffen des Geistes und der überzeugenden Wahrheit, nicht mit blutigem Stahl und Eisen, noch mit den Künsten teuflischer Lüge und Intrigue gekämpft werden darf. Und sollte denn deutscher Besonnenheit, deutschem Muthe und deutscher Gei steskraft nicht möglich seyn, was römischer Klugheit, römischer Kraft und Mäßigung vor 2000 Jahren gelang? Sollen wir uns von den Römern beschä

men lassen, welche den Kampf um die politische Reform über 300 Jahre hindurch mit den Waffen

des Geistes, kämpften? Und waren dies nicht die schönsten Zei- ten römischer Größe, Freiheit und Tugend, als in diesen innern Kämpfen Bürger gegen Bürger nie das Gefühl der Mäßigung, nie die Liebe zu Ge setz, Ordnung und Sitte verloren? Als aber die Macht der Leidenschaften den Kampf der Parteien zu einem rasenden Brande angefacht hatte; als das lebendige Gefuͤhl gesetzlicher Freiheit im Parteigeist und verderblicher Zügellosigkeit allmählig erstarb und der hohe edle Sinn für das Gemeinwohl, dem ein Brutus die eignen Söhne, die Decier sich selbst geopfert hatten, niederer Selbstsucht wich; da ging endlich unter den Trümmern verheerender blutiger Bürgerkriege das herrliche Gut der Freiheit gänzlich verloren; die furchtbaren Machtsprüche der Diktatur und das allvermögende Gesetz beleidigter Majestät traten an die Stelle der Gesetze der Vernunft, und das römische Volk, nachdem es kaum 400 Jahre die hoͤchste politische Freiheit und Gleichheit in der demokra tischen Republik errungen, gehorchte den Winken blut gieriger habsüchtiger Tyrannen. Und diese rasche Um kehr der höchsten Freiheit in die tiefste Schmach der Erniedrigung menschlicher Würde unter den römischen Kaisern nahmen die römischen Verhältnisse, weil die späteren entarteten Römer die Tugenden ihrer Väter, Mäßigung, Gefühl für Recht, Gesetz und Ordnung, und mit demselben das wahre Gefühl der Frei heit sowie die Grundlagen ihrer Größe und ihres Glückes verloren. Darum überhöret nicht Mit bürger! den Ruf des Weltgeistes, dessen höhere Leitung sichtbar aus den größten Revolutionen hervorleuchtet, und von welchem, wenn er den Wagen der Welt⸗ regierung über den Ocean der Zeiten hinleitet, das Gebot der Weisheit schallt: Mäßigung und Ordnung! Wer dies Ge bot überhört, der ist gerichtet! Menschen von Erde und Staub, Fürsten von Erde und Staub, wie schrecklich das geschehe, das zeigt die Geschichte. Dr. H. Köhler.

(Forts. folgt.)

Bericht der oberhessischen Naturforschergesellschaft.

Gießen, 16. Juli. Die gestrige General- Versammlung der oberhessischen Naturforscher und Aerzte gewährte mannigfaches Interesse, namentlich dadurch, daß mancherlei seltnere Gegenstände von örtlichem Interesse vorgezeigt und theilweise der Sammlung des Vereins überlassen wurden. In der That wird auch auf diesem Wege weit mehr, als durch noch so vortreffliche Vorträge über ferner liegende Gegenstände der Zweck eines solchen Local vereins erreicht, nämlich Anregung zu immer sorg fältigerer Erforschung der nalurhistorischen Merk würdigkeiten einer Gegend zu geben.

Herr von Wetzlar zeigte eine Reihe seltner Fossilien aus dem Wetzlarer Kreise, wobei auf meh rere neue und ganz nahe Fundorte sehr seltner Mi neralien aufmerksam gemacht wurde. Unter Anderm zog eine Grasähre(von Tritieum repens.) aus der Braunkohle des Westerwaldes, selbst in Braun kohle verwandelt, die Aufmerksamkeit auf sich. Hoffmann zeigte unter dem Mikroskope die Saft

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