Ausgabe 
19.7.1848
 
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18.

Mittwoch den 19. Juli

1848.

Der Aufruf der Freunde des Volkes der Wahrheit und des Rechts, vom Tag des Sommeranfangs 1848, unpartheiisch geprüft von einem Freunde des Volks, der Mäßigung und Ordnung. (Fortsetzung) Es heißt in dem Aufrufe: Es gibt eine Partei im Lande, die repu⸗ blikanische, welche absolut verlangt, daß Alles bei der Nationalversammlung nur nach ihrem Kopfe gehen soll und sich darum in die Beschlüsse der großen Mehrheit nicht fügen will, wenn sie ihr nicht in den Kram taugen.

Wer, frage ich, kann diese Sätze in dieser Form apodictischer(klar bewiesener) Behauptungen auf stellen? Nur einem in die etwaigen Mysterien(Ge heimlehren) der republikanischen Partei Eingeweih ten ist dies möglich. Wenn aber die Behauptungen der Verfasser nicht auf dem Grunde unmittelbarer Beobachtung und Selbstanschauung ruhen, so sind dieselben mehr oder minder aus der getrübten Quelle der Ueberlieferung geflossen. Behauptungen aber, welche aus dieser Quelle geschöpft sind, gehören ins Bereich der Hypothesen,(Vermuthungen) die die Feuerprobe der historischen Sichtung erst durchlaufen muͤssen, damit sie an dem Pruͤfstein der Wahrheit als ächt historische, von allem schlackenhaften Ansatz der Tradition geläuterte Erzeugnisse sich bewähren.

Ferner heißt es in jenem Aufruf:

diese Partei will mit aller Gewalt die sogenannte demokratische Republik einführen, d. h. sie will alle Könige, Fürsten, Regierungen, Beamten ab setzen und dafür Leute aus ihrer Mitte an die Spitze bringen, politische Flüchtlinge aus der Schweiz und aus Paris, bankerotte Kaufleute, Professoren ohne Zuhörer, minderjährige Studenten, Gesellen und Taglöhner.

Sollte man nicht denken, die Verfasser hätten einen Entwurf der Verfassung der projectirten de mokrat Republik vor sich gehabt?

Man sieht auch hier wie nicht die ruhige lei denschaftslose Betrachtung und rein objective An schauung die Verfasser bei diesem Theile ihres Auf rufs geleitet hat, sondern ihre bis zur Täuschung gesteigerte Phautasie(Einbildungskraft).

Freilich ist es schwer, in einer bewegten Zeit über das Niveau(Höhepunkt) der parteiischen Betrachtung der Dinge auf den Standpunkt einer, durch die Wirren der Parteien und das Spiel der Leidenschaften ungetruͤbten Anschauung der Welt

Wahrheit,

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und Menschen sich zu erheben. Gluͤcklich, wem durch die Gunst der geschichtlichen Muse vergönnt ist, sich auf diesen Standpunkt der Betrachtung auf zuschwingen. Er wird nicht die Nebelbilder seiner einseitigen Phantasie für Lichtgestalten der Wirklich keit halten, sondern sein fur Erforschung der Wahr heit geschärfter Blick wird in dem bunten Wechsel der Erscheinungen, in der Verwicklung der Ekeig nisse den sicher leitenden Faden des geschichtlichen Dramas nicht verlieren; er wird das Wahre vom Falschen, den Schein von der Wirklichkeit leicht unterscheiden. Diesen Standpunkt scheinen die Ver fasser des Aufrufs nicht gehabt zu haben. Geblen det von den Reizen der Phantasie und von der täuschenden Aehnlichkeit der Wahrscheinlichkeit, welche die Schwester der Wahrheit ist, verfuͤhrt, sind sie der einfach⸗schönen Braut ihres Herzens der schlich ten Wahrheit, vielleicht ohne zu wollen, untreu ge⸗ worden. Deshalb durfen sie es aber auch nicht übel nehmen, wenn die Dame ihres Herzens ihnen vor der Hand ein Körbchen gibt, mit der tröstlichen Versicherung, daß sie demjenigen aufrichtigen Freier, der von nun an sich als ihren treuen Verehrer durch die That erweise, ihre Hand zu ewigem Freundschaftsbunde reichen werde.

Nach meiner Ansicht kann Niemand, ohne vielen Republikanern Unrecht zu thun, von denselben im Allgemeinen behaupten, daß sie mit Gewalt die sogenannte demokratische Republik ein führen wollen Erklären ja doch so oft selbst Stimmführer der Republikaner, daß sie nur synde mokratische Monarchie wollen, d. h ein durch Mit wirkung und Theilnahme des Volkes an der obersten Gewalt beschränktes Fürsten hum. Was ist das aber anders als constitutionelle Monarchie? Inte ressant ist in dieser Beziehung die Aeußerung eines Biedenkopfer Republikaners, welcher gegen seinen constitutionellen Nachbar erklärte:Hann Görg, das will ich dir sahn, die Republik müße me han und Freiheit, aber wer me ebbes gege unsa Großherzog will, an den häng ich mei Lewe).

Damit wollen wir indeß nicht die Behauptung widerlegen, daß es wirklich viele Republikaner gebe, welche die Mittel der Gewalt nicht scheuen, ihre Zwecke, d. h. die demokratische Republik um jeden Preis zu erreichen; allein eben durch ihr ungestümes Auftreten, durch ihre leidenschaftliche Kundgebungen schaden sie der wahren Freiheit und fördern die

*) Unter Freiheit verstand derselbe aber, wohlgemerkt! Streulaube und Lesholz⸗Freiheit. Für diese Frei⸗ heit war er begeistert und einer der entschiedensten und lau⸗ lesten Schreier für Republik, zugleich aber ein warmer An⸗ hänger seines Fürsten.