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Wechsel auszuzahlen, nicht mehr eine größere Bestel— lung machen, der Fabrikant hat keine Abnehmer mehr, er muß seine Arbeiter entlassen, dem Mangel und Elend preisgeben und dadurch die Zahl derer mehren, die durch Arbeitslosigkeit fast gezwungen sind, Excesse zu begehen; die Privatleute halten alle Baarschaft so viel wie möglich zurück, aus Furcht vor den Dingen, die da kommen; man läßt nur das Allernöthigste arbeiten und dies wirkt denn wieder auf den Handwerkerstand, was aber das Hauptsächlichste ist, ist, daß die Meisten aus Furcht oder Trotz, oder aus wirklicher Armutb keine Steuern mehr bezahlen und es so dem Staate unmöglich gemacht ist, durch Beschäftigung solcher Ar—⸗ beitslosen dem hereinbrechenden Unglück entgegen zu arbeiten. Durch das Sinken des Papiergeldes und dessen fast gänzliche Werthlosigkeit sehen denn auch gar viele Familien mit ängstlicher Besorgniß der nächsten Zukunft entgegen und in den geringfügigsten Dingen zeigt sich schon der Mangel an baarem Gelde.
Besser nun als es der Regierung oder Privatver— einen möglich ist, können die Gemeinden diesem Man— gel an Vertrauen Grenzen setzen und an sie wendet sich daher Einsender dieses mit der Bitte, sie möchten seine Vorschläge prüfen und reiflich erwägen, und wenn sie ihre Billigung fänden, sofort darnach streben, sie in's Werk zu setzen. Schon die Hoffnung auf Besserung wird das geschwächte Vertrauen heben.
Die Vorschläge sind aber kurz gefaßt folgende:
1) Man veranlasse die Bildung von Gleichbezahlvereinen, wie sie schon an manchen Orten gegründet worden sind.
2) Man unternehme auf Gemeinde⸗ Kosten größere Arbeiten, als da sind: Bauten von Kirchen, Schulen,(vielleicht auch Sprechhallen zu Volksversammlungen), Weg— anlagen u. s. w.—
Der Vorschlag mag seltsam lauten, aber gleichwohl wieder das wirksamste Mittel seyn, um das Uebel von von Grund aus auszurotten. Denn abgesehen vom materiellen Nutzen dieser Arbeiten wird dadurch die Arbeitslosigkeit aufhören und mit ihr zum größten Theil die Excesse gegen das Eigenthum der Begüterten. Ferner aber wird das baare Geld wieder in Umlauf gesetzt und dem Vertrauen wieder die Bahn gebrochen, Handel und Wandel und die Gewerbe werden kräftig wieder erblühen, die Steuern, die seither nur sehr sparsam bezahlt wurden, werden wieder regelmäßiger eingehen und so sowohl die Gemeinden entschädigt für die Ausgaben, die sie zu obigen Zwecken gemacht ha— ben, als auch der Regierung Mittel in die Hand ge— geben, diese Bemühungen kräftig zu unterstützen.
wieder
Worte des Dr. Eisenman,
welcher bekanntlich in Folge seines Kampfes für Volksfreiheit 15 Jahre gefangen gewesen ist, in dem Berichte an seine Wähler(auf Seite /. 8. 9 und 24).
1) Constitutionelle Monarchie oder Republik?
„Ich will alle Freiheiten, welche die Republik gewähren kann, auch in der constitutionellen Monarchie gesichert wissen und ziehe eben deß— halb die constitutionelle Monarchie der Republik vor, weil sie, bei einer guten Ver— fassung nicht nur diese Freiheiten und die vollkom— menste Sicherheit der Person wirklich gewährt, sondern überdieß Bürgschaften gegen Unordnungen und Bür⸗ gerkrieg liefert.— Wenn die constitutionelle Monar— chie nicht so entschiedene Vorzüge vor der Republik hätte, so würden gewiß nicht so viele Männer, die in jüngern Jahren Republikaner waren, später zur constitutionellen Monarchie übergehen, ohne daß ir— gend ein anderes Motiv sie geleitet, als eine unbe— fangene Prüfung der Wirklichkeit, es würden nicht so viele Freiheitskämpfer, die vom Königthum schwer verfolgt worden sind, dennoch der constitutionellen Monarchie treu geblieben sen. Seht auf unsern verehrungswürdigen Jordan! Die Despotie hat sein Leben zerstört, hat sein Herz gebrochen, aber er kämpft für die constitutionelle Monarchie. Ich will Euch einen andern Freiheits-Ritter vorführen, der noch in voller Körper- und Geistes-Kraft prangt, und den die Republikaner selbst den Ritter ohne Furcht und Tadel genannt haben— Rauschenplatt kämpft für die constitutionelle Monarchie.“
„Ich sage Euch: an der Republik“(wenn man sie nämlich jetzt uns aufzwingen wollte)„hängt der Communismus, die Plünderung der besitzenden Classen, die Aufhebung des Eigenthums, das allgemeine Elend und die Barbarei.“
2) Beispiel von Despotismus einer Minorität.
„Es, ist sehr bedauerlich, bemerken zu müssen, daß in einigen Städten sich eine regsame Minorität für die Repräsentanten der ganzen Stadt ausgeben und auf die weit überwiegende Majorität einen wirk— lich unglaublichen Despotismus üben konnte. So vermochten in Bamberg*) ohngefähr 15 Männer ihre Ansicht als die der gesammten Bürgerschaft dar⸗ zustellen, und die andern ließen sich solches, wenn auch mit verbissenem Grolle gefallen. Wer ist hier zu tadeln? Das kleine Häuflein von Republikanern, das mit unendlicher Anstrengung das Feld zu be— haupten sucht, oder die große Masse von Constitutio— nellen, welche es nicht wagt, 15 entschlossenen Män⸗ nern entgegen zu treten?— Es ist hohe Zeit, sage ich, daß die Constitutionellen das Beispiel der Republi⸗ kaner nachahmen, daß sie in Vereine zusammentreten und so durch Zusammenwirken erreichen, was dem Einzelnen nie möglich ist.
1
*) Einer Stadt von beinahe 21,000 Einwohnern.
Druck und Verlag von G. D. Brühl 1.


