April, da man— durch eine Zeitungsnachricht irre geleitet— geglaubt hatte, die Kreise Grünberg und Hungen bildeten für sich allein den achten Wahlbe— zirk, und weil deßhalb keine Veranlassung vorlag, auch die anderen größeren Städte dieses Bezirks Cu welchem nun auch die Städte Butzbach, Fried- berg und andere Orte, gehören) zu dieser Vorbespre⸗ chung einzuladen.
Die Versammlung auf dem Hessenbrücken-Ham⸗ mer war aber so zahlreich— gewiß von einigen Tausenden— besucht worden, daß es sich nicht mehr um eine Besprechung im engeren Kreise, son— dern um eine Berathung in einer großen Volks— versammlung handelte, und so wurde denn, so schnell es gehen konnte, mit Ruͤcksicht auf die geänderte Sachlage, zumal auch mit Ruͤcksicht auf die mitt— lerweile bekannt gewordene größere Ausdehnung des Wahlbezirks und auf die in Friedberg bereits auf den 19. d. M. anberaumte Volksversammlung, die Tagesordnung den Umständen angepaßt und von der Einberufung einer weiteren Volksversammlung alsbald abgestanden. Dagegen wurde die Wahl eines Ausschusses vorgeschlagen, welcher über die zur Wahl vorzuschlagenden Männer sich besprechen und mit den Wahlmännern in Berathung treten könne, natürlich ohne deren Wahlfreiheit zu be— schränken, und welcher auch die Kreise Grunberg und Hungen bei der Wetterauer Volksversamm— lung zu Friedberg vertreten könne. Nach einigen Vorverhandlungen, bei welchen sich namentlich ein— müthig und entschieden für eine constitutionelle Mo— narchie auf breiter volksthümlicher Grundlage und gegen eine deutsche Republik ausgesprochen wurde, entschied sich die Versammlung, in Berücksichtigung, daß nicht alle Gemeinden vertreten seyen, dahin, daß von der Wahl eines besonderen Wahlausschus— ses abzustehen und den Wahlmännern ganz selbst— ständig die Wahl zu überlassen sey. Damit indes— sen bei der Abgeordneten-Wahl keine nachtheilige Zersplitterung der Stimmen stattfinde, sollten— so beschloß man ferner— die sämmtlichen Wahlmänner des achten Wahlbezirks(nördlicher Theil des Kreises Friedberg, Kreis Hungen, Landgerichtsbezirk Grün— berg) eingeladen werden, sich den Tag vor der eigentlichen Wahl an dem von dem Wahlcommissär bestimmt werdenden Wahlorte einzufinden, um sich über die vorzunehmende Wahl in öffentlicher Be— sprechung möglichst zu verständigen. Jeder der An— wesenden übernahm zugleich, dieses in seinem Wohn— orte bekannt werden zu lassen, und der Unterzeich— nete, welchen die Versammlung mit der Leitung der Berathung betraut hatte, übernahm den Auf— trag, die Abwesenden, namentlich auch die Wahl— männer des Kreises Friedberg, soweit dieser Kreis zum achten Wah gehört
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Imdem ich mich dieser Verpflichtung hiermit un⸗ terziehe, glaubte ich zur Vermeidung von Mißver⸗ ständnissen die nähere Veranlassung vorher ausein— andersetzen zu müssen.— Es wird durch diese Vor⸗ versammlung der Wahlmänner auch denjenigen Bur— gern, welche wünschen, zum Abgeordneten des ach— ten Wahlbezirks gewählt zu werden, um unsere Sache bei der deutschen Reichsversammlung zu ver— treten, eine Gelegenheit geboten, sich öffentlich vor— zustellen und frei und offen ihr politisches Glau⸗ bensbekenntniß abzulegen, da die bei dem Hessen— brücken⸗Hammer Versammelten Alle der Ansicht wa⸗ ren, man müsse wissen, welche Grundsätze die Schritte unseres Abgeordneten leiten Zugleich glaube ich aber auch den Wunsch aussprechen zu durfen, es möchte dieser Einladung von recht vielen, ja von allen Wahlmännern entsprochen werden; denn es handelt sich ja um eine große, um eine deutsche, um eine heilige Volkssache.
Deutschen Brudergruß!
Hungen den 17. April 1848.
Karl Ludwig Hunsinger.
Vorschläge an die Gemeinden und ihre Vorsteher.
D Schon jetzt wird es drückend empfunden, daß die Begebenheiten, die uns in politischer Beziehung so herrliche Früchte getragen haben und noch herrlichere hoffen lassen, auf die Finanzangelegenheiten nicht so erfreulichen Einfluß gehabt haben, ja daß, wenn je eine Reaction würde stattfinden können, dies der Bo⸗ den ist, worauf ihre Pläne sich gründen würden.— Handel und Wandel stockt, es werden die Fabriken geschlossen, wenigstens ihre Arbeiterzahl bedeutend ver— ringert, die Staatsbauten hören auf, denn auch hierzu fehlt das Geld— überall ist eben die arbeitende Klasse ohne Beschäftigung, und Noth und Mangel werden, wenn auch im Augenblike noch nicht so all⸗ gemein, sehr rasch eintreten, sobald nicht energische Maßregeln dagegen ergriffen werden. Davon zeugen die bedauerlichen Excesse gegen das Eigenthum, die jetzt allerwärts auftauchen, daher kommt die Klaftlosigkeit der Gesetze, die der Staat nicht hindern kann, da Furcht vor physischer Gewalt die Beamten von deren Aus— übung zurückhält. Denn das Militär wird gegen den Unfug der arbeitslosen Menge Nichts mit Erfolg aus⸗ richten können, da er wie eine gefährliche Seuche im⸗ mer mehr um sich greift, sondern nur durch sein Einschreiten Erbitterung hervor rufen, die die Sache verschlimmert. Hier gilt es eine gründliche Abhülfe zu finden und das Uebel mit der Wurzel auszurotten. Die Wurzel aber ist: Der Mangel an Ver⸗
Auen Der aufmann wagt es nicht mehr einen


