Ausgabe 
18.4.1848
 
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Wer steht uns dafür, daß unsere neuen Herren Republikaner das Staatsruder besser zu führen wissen, wer steht uns dafür, daß sie auch bessere Seckelmeister sind, als jene Herren Radikalen. Wer sein eigenes Geschäft nicht gut führen, sein Hauswesen nicht gut verwalten kann, der mische sich nicht in den Staatshaushalt.

Freunde, Mitbürger, Deutsche, ich bin zum Schluß gekommen. Als erfahrener, gereifter, im Leben gestählter Mann rufe ich Euch zu: keine Illusionen, keine Täuschungen, keine Re⸗ volution, keine Republik, sondern Reform, durchgreifende Reform, ein einiges Deutschland, ein nationales deutsches Parlament, kein Amerika, keine Schweiz, nein ein Deutschland wollen wir errichten, daß die Welt in Achtung sich vor ihm beugen soll. Darum die guten Bürger vorangestellt, und nicht die Schreier. Aber auch die Waffen bereit, denn wo keine Macht ist, da ist auch kein Besitz.

Constanz den 15. März 1848.

Friedrich Hundeshagen, ehem. Bürger v. Amerika, nun Bürger v einigen Deutschland

Die Parlamentswahl.

Wen sollen wir zur deutschen constituirenden National-⸗Versammlung wählen? Nur einen Mann von erprobter Gesinnunsgtüchtigkeit! Wer die Republik will, wähle einen Mann, der sich zu einer Zeit offen für die republikanische Verfassung als die für Deutschland beste Regierungsform, ausgesprochen hat, zu welcher man an die neue französische Repu⸗ blik noch ncht dachte. Wer die constitutionelle Mo narchie mit ausgedehnter demokratischer Grundlage will, stimme für einen Mann, der sich stets und zu andern Zeiten für die freisinnigsten Institutionen im constitutionellen Staate erklärt hat. Nur wähle Niemand eine Person, welche jemals ihre Farbe gewechselt hat. Nur wer unter allen Umständen und Verhältnissen seine Gesinnung offen bekannt und treu bewährt hat, ist fähig und würdig, Deutschland in seiner wichtigsten Angelegenheit zu vertreten.

Wir haben jetzt viele, viele Republikaner und Liberale, die vor dem 6. März l. J. keinen Laut von sich gaben, keine Idee von dieser Richtung gezeigt, oder gar vor dem früheren Ministerium gekrochen haben; seit aber der Wind von Westen kommt, die ausge lassensten Radicale sind; die sonst keinen Bürger über die Achsel ansahen, jetzt aber sich in allen Wirths häusern an sie herbeidrücken. Wir haben Leute, welche sich noch in der Entwicklungs-Epoche dieser Zeit, als die ergebensten Anhänger des Fürstenhauses darstellten, sich für die constitutionelle Monarchie als einzige und beste Staatsform aussprachen, einige

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Tage hernach wie die Ereignisse in Wien und Ber⸗ lin erschienen, die Volkssouveränetät ausriefen, endlich geradezu die Republik bekannten und zuletzt auf der äußersten Linke erschienen; weil aber die provisorische Regierung der Republik nicht sofort gerathen ist, machten solche Leute wieder links um und gingen dieselben Stufen wieder herab, um sich fetzt wieder als gute constitutionelle Monarchisten hinzustellen. Wer mag solchen Achselträgern und Windfahnen Vertrauen schenken? Wollt ihr Chamälconen nach Frankfurt schicken, die alle Farben von sich geben, je nachdem das Wetter ist? Es gibt auch Manche, welche von ihren guten Gesinnungen viele Worte machen, aber sie nicht vollständig und zuverlässig aus sprechen, sondern sich immer eine Hinterthüre offen lassen; damit sie je nach den Umständen diese oder jene Richtung einschlagen können, ohne sich geradezu zu compromittiren. Solche gäben gute Diplomaten und eigneten sich zu Bundestags-Gesandten, aber nicht zu Mitgliedern des deutschen Parlaments, von denen wir erwarten, daß sie offen, wahr und treu, wie es sich dem Deutschen ziemt, seyn werden.

Wir haben aber auch Männer, welche schon vor zehn, zwanzig Jahren ihre freisinnigen Grundsätze ausgesprochen und ste unter allen auf sie losge⸗ brochenen Stürmen nicht verlassen haben; die zurück⸗ gesetzt, verfolgt und bedrückt wurden unter dem Met⸗ ternich'schen System, aber sich nicht beugen ließen, die stets für den Fortschritt und die Freiheit gekämpft haben, aber jetzt ruhig und gemäßigt geblieben sind und nicht dem tollen großen Haufen nachjagen. Män⸗ ner, die über ihre Gesinnung gelitten, sogar Jahre lang in Gefängnissen geschmachtet haben und doch bei der constitutionellen Monarchie halten. Vor sol chen bewährten Männern habt Achtung, zu ihnen hegt Vertrauen! Sie werden dem Vaterland mit Festigkeit, mit Mäßigung und Weisheit eine neue Verfassung geben, die, auf Vernunft und Erfahrung gebaut, sein wahres Glück begründet; sie werden sich nicht auf halsbrechende Experimente einlassen, wie sie das geniale junge Deutschland mit der größten Ge⸗ fahr für Millionen, ja für die Freiheit und Existenz des ganzen Vaterlandes selbst probiren möchte. Da⸗ rum nochmals, wenn ihr recht wählen wollt, wählt Männer von erprobter Gesinnungstüch tigkeit!

Gewährt eine constitutionell-monarchische Ver fassung mit freisinniger Grundlage alle Vor⸗ theile der republikanischen?

Man preist seit einiger Zeit die republikanische Staatsform, weil sie dem Volke Vortheile darbiete, welche in der constitutionellen Monarchie in keiner Weise zu erlangen seyen und behauptet darum, daß um die Deutschen glücklich zu machen, Deutschlands