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und Ziel zurüͤckfuͤhren und alles Unnöthige abschaf— fen wird.
Außerdem bemerke ich, daß wenn der Bauer seinen Knecht und der Handwerker seine Gesellen schlecht bezahlt, er keine richtige Arbeit verlangen kann, daß wenn aber der Staat seine Diener schlecht bezahlt, das Volk noch viel übler daran ist; denn der Staatsdiener wird dann durch Präsente und freiwillige Sporteln sich gegen den Ausfall zu decken suchen. Aber das ist richtig, zu viel dieser Herren haben wir bis jetzt gehabt; auch können sie nicht, wie sie wollen, denn der vorgeschriebene Geschäfts— gang ist zu langsam und schleppend. Aber daß wir sie gar alle abschaffen wollen, davor bewahre uns Gott; denn alsdann würden wir Bürger in den Städten betteln gehen müssen, und noch obendrein diese Staatsleute mit Frau und Kindern zu ernähren haben, denn verhungern läßt man ja das Vieh nicht einmal, und wir sind Menschen, fühlende Menschen, die auch Frau und Kinder ha— ben. Wie es aber die Herrn Republikaner mit diesen Männern gehalten wissen wollen, weiß wirklich nicht, ich glaube diejenigen, die ihnen recht den Kahenbuckel machen können, wollen sie be— hal ten, und die andern läßt man mit Frau und Kindern betteln. Man wird auf diese Welse Bett— ler zu Staatsdienern und Staatsdiener zu Bettlern machen, und da wäre es doch ge— scheiter, man ließe es, denn jeder würde in seiner neuen Lage sich nicht zum Besten zurecht zu finden wissen.
Es hat die Republik aber auch noch einen an— dern bedeutenden Nachtheil, der die Herren Schrei— ber freilich nicht, aber uns Geschäftsleute und die Ackerbauer um so mehr berührt. Nämlich wenn in einem Lande Handel, Gewerbe, Ackerbau recht ge— deihen sollen, so muß nicht alle Augenblicke ein neues, ein anderes Gesetz gegeben werden, sonst ist man alsdann gezwungen, sich jedesmal in seinen Ausgaben und Einnahmen, in seinen Berech— nungen und Spekulationen anders einzurichten. Wer lange mit einem auch weniger guten Acker— pfluge gepflügt hat, und vielleicht kein besonderes gutes Gespann daran hat, der pflügt doch mehr und besser, wenn er damit eingelernt ist, als wenn er alle paar Tage wollte den Pflug und das Ge— spann abschaffen und umtauschen, und weder der Pflug würde zur Hand stehen, noch das Gespann an einander gewöhnt sein.—
Ich will damit nicht gesagt haben, daß es so recht ist, wie es bisher war, ich spreche gegen den häufigen Wechsel von Regierungs- und Steuersystemen, wie er leider in den Republiken stattfindet, es kommt bald die eine, bald die andere Partei an die Regierung, die einen kehren alles links, und kaum ist ein oder zwei Jahr um, so
it es,
kommt die andere Partei an die Regierung, als— dann wird Alles wieder rechts gekehrt, die eine Partei schafft die Jesuiten ins Land, die an— dere jagt sie wieder hinaus. Da ist nie Ruhe und Friede, seondern immer Parteistreit, der oft Vater und Sohn, Bruder und Bruder veruneinigt.
Ich komme nun aber auf den letzten und auf den Hauptpunkt. Wenn es in der Welt besser werden soll, so müssen wir Menschen selbst auch besser werden in unsern Herzen, und nicht durch Heuchelei und Pfaffenthum uns in den Him— mel hineinschmuggeln wollen. Aber eben so unrecht wenn wir an Nichts glauben wollen; es ist ein Zeichen, daß wir entweder keinen gesun— den, natürlichen Verstand haben, oder nur andern Phantasten nachschwätzen, die nicht tief über die Sache nachgedacht haben. Soll es besser werden, so müssen wir selbst manche unserer Fehler und die Fehler unserer Freunde bekämpfen, wir muͤssen da— für sorgen, daß unsere Kinder besser und sittlicher, reiner erzogen werden, wie wir es wurden, daß sie dermal einst ganz andere, bessere und nützlichere Bürger werden können. Wir wollen es ihnen nicht an Schulen und Unterricht fehlen lassen, denn Kennt— nisse und Bildung sind ein besseres Kapital, was wir 2 als Erbtheil hinterlassen können, als Geld.
Wenden wir uns aber auf die Republiken, die schon lange bestanden haben, sind da die Menschen besser geworden, weil sie machen konnten, was sie wollten? Herrscht in jenen Ländern mehr Treu und Glauben und Redlichkeit, wie in unserm Vaterlande; mehr Tugend und Sittlichkeit?
Blicken wir auf die Vereinigten Staaten Ame— rika's, welche die freieste, schönste Verfassung haben, die des Menschen Geist je erfinden konnte, sind sie nicht gesunken seit der Zeit, wo die Männer Jeffenson, Washington, Franklin gelebt haben. Blicken wir auf die Schweiz, die schon so lange eine Republik ist, sind sie nicht hinter uns zurück in geistiger Befähigung? sind sie etwa einiger wie wir Deutsche? Sie haben ja noch nicht einmal einen festen Bund zusammen gebracht und sind schon mehrere Hundert Jahre beisammen.
Die Republik führt eben so gut die Jesuiten ein, wie sie dieselben einmal wieder austreibt da ist keine Garantie, keine Sicherheit, daß das, was heute gilt, in 10 Jahren noch- gilt. Die ra— dikale Regierung von Bern hat 15 Jahre für's Volk regiert, und ein Kantonalvermögen von vielen Millionen verregiert. Früher bezahlten die Zinsen dieses Staatskapitales die Staatsausgaben, jetzt muß das Volk Steuern geben, dies kommt davon daß man glaubt, das Regieren sei leichter als das Schuhe machen.—


