Ausgabe 
18.4.1848
 
Einzelbild herunterladen

e

heiten auch öffentlich in Volksversammlungen abge handelt, und wer nun da seine Meinung nicht so vor allen Menschen laut und klar und in schönen Worten auseinander setzen kann, der kommt in Nachtheil und die Meisten unter uns, ja fast Alle, können dies nicht. Wer da die meiste Frechheit und Unverschämtheit hat, steht oben an, und wenn es zur Abstimmung kommt, so wird nicht das be schlossen, was Recht ist und was Alle wollen, son dern was die paar Sprecher wollen und ihre Ka meradschaft, die da Hurrah schreit und Vivat hoch, während gar mancher Ehrenmann die Sache an⸗ ders haben mochte, weil er im Voraus weiß, es geht so nicht, aber schweigen muß, weil er nicht vor allen Leuten reden kann, oder sich fürchtet, daß man ihm über's Maul fährt. Was wird die Folge sein? daß die gute Bürgermeinung unterdrückt wird und einzelne Schreier regieren, daß wir alsdann, statt 30 Fürsten u. s. w., 30,000 Advokaten, Dok⸗ tors und Zeitungsschreiber als Fürsten haben wer den. So lange also nicht jeder wie ein Advokat oder Zeitungsschreiber sprechen kann, ist's auch mit der Republik nichts; das öffentliche Sprechen lernt man nicht von heute auf morgen. Wer steht uns dafür, daß die Republik nicht von vielen gepredigt wird, die bei dem drunter und drüber Etwas für sich zu erhalten gedenken, zumal da nicht alle Re⸗ publikaner reiche Leute sind, die Reichen aber auch oft noch mehr haben möchten, oder sich nur als Republikaner ausgeben, weil sie glauben, man müßte jetzt recht radikal sein, sonst könne man ihnen nahe treten. 5

Wenn aber auch Alles das nicht wäre, wenn wir nämlich, erstens Alles wüßten, was Republik wäre und zweitens, Alle reden könnten, wie Zei tungsschreiber, so wäre doch noch eine dritte Frage, ob auch unsere neue republikanische Regierungsform eine wohlfeile für uns wäre. Wenn wir nun be denken, daß durch das öffentliche und mündliche Gerichtsverfahren es schon oft an die Bürger und Landleute kommt, daß sie zu Gerichte sitzen muͤssen, so wird es noch beschwerlicher sein, alle paar Tage oder Wochen nebst der Gemeindeversammlung, der Volksbewaffnung und Ererzieren auch noch Volks oder Bezirksversammlung zu halten, um alle Augen blicke etwas Neues zu verfügen oder zu bestätigen, oder ein neues Regierungsmitglied zu wählen, oder gar selbst gewählt zu werden, und umsonst oder mit schlechter Vergütung ein Deputirter oder ein Abgesandter zu sein. Nehmen wir all den Zeit verlust der Einzelnen und die Zehrungskosten bei auswärtigen Versammlungen, wo man immer mehr trinkt, als der Frau recht ist und der Kasse gut thut, so wäre das Ende vom Lied, daß unsere neue republikanische Verfassung gewiß den Einzel

27

nen viel theuerer käme, als alle die Millionen, die wir heute noch immer steuern muͤssen, und daß doch so keine Ordnung, so keine Einheit und Ruhe in dem Staatshaushalt wäre. Bedenken wir aber, daß wenn dies der Fall, daß nämlich diese republi⸗ kauische Regierung noch mehr Zeit und Geld kosten sollte, wie die jetzige, und doch nicht besser und sicherer wäre, so wäre es vollends Unsinn, die Republik zu wünschen, um so mehr, da, wenn jetzt unsere Landstände sich versammeln, sie den Herrn Fürsten sagen werden: Soldaten sind wir alle selbst, also dafür wird nichts mehr verwilligt, Di⸗ plomaten brauchen wir auch keine mehr, die stellt das Parlament an, dazu zahlen wir eine Kleinig⸗ keit und das viele Schreiber-, Advokaten- und Ge⸗ richtspersonal ist auch nicht mehr nöthig, weil wir öffentliches Gericht haben und unser Recht selbst lesen, lernen und ausfechten können. Ferner wird man den Herrn Fürsten wohl bedeuten, daß die Zeiten jetzt schlecht sind und sie sich jetzt mit einem gute Theile weniger Besoldung behelfen müssen; denn sie brauchen jetzt keinen Staat und Lurus mehr zu machen und die diplomatischen Essen und dergl. fallen ja ohnedies weg.

Aber wir wollen den Fürsten nicht etwa Alles nehmen lassen, oder sie ganz schlecht gestellt sehen, sie sollen vielmehr als Großalmoseniere des Volkes dastehen, die Almosen geben und eine gute Kasse haben, daß wenn eine Stadt, ein Dorf abbrennt oder Wassernoth, Hungersnoth eingetreten ist, dieselben die ersten sein, die augenblickliche Hülfe und Unterstützung leisten können; denn sollte jedes⸗ mal erst gewartet werden, bis man im ganzen Lande Beiträge gesammelt, da könnte manche arme Familie gestorben sein, ehe Hülfe käme. So wenig wie das Volk aus Engeln oder Herrgöttern besteht, eben so wenig sind aber auch die Fürsten alle leib⸗ haftige Teufel, wie man sie darzustellen sucht; denn hörten ihre Unterstützungen auf, so wäre manche arme Wittwe und Waise der Noth preisgegeben und gar manches Tausend Gulden wandert im Stillen als milde Gabe in die Hände des Volkes, was kein Mensch ahnet, und da helfen, wo die Gesetze des Staates zu helfen nicht ausreichen. Es giebt aber auch Fursten, denen es besser wäre, sie wären nie geboren; die kein menschliches Herz im Leibe haben, und sich selbst und Andern ein Greuel sind. Diese sind aber gezeichnet vor dem Volke wie die räudigen Schafe, man kennt sie, man klagt sie an, man richtet sie.

Nehmen wir dies Alles zusammen so ist das Ende der Berechnung, daß uns die republika⸗ nische Regierung zweimal theurer kommen wird, als die Regierung unter der vorgeschlagenen Reform, wo man Alles auf das richtige Maaß