26
Beschlüssen, sollen je 50,000 Seelen der Bevölkerung nach näheren von den Staatsregie rungen zu treffen⸗ den Bestimmungen, einen Deputirten zu dieser Ver⸗ sammlung wählen, we sche binnen vier Wochen in Frankfurt zusammen kommen wird. Jeder großjährige Staatsbürger wird dabei mitwählen und jeder Deutsche gewählt werden können, einerlei ob arm oder reich, Jude oder Christ. Diese Versammlung wird sodann zu entscheiden haben, ob Deutschland wieder einen Kaiser erhalten, ob ein Senat der Fürsten neben einer Kammer des deutschen Volkes bestehen oder ob gar einmal die Republik probirt werden soll.
Alles kommt daher jetzt darauf an, daß diese Wahlen gut ausfallen. Männer, welche den Fort⸗ schritt zur vollständigsten Freiheit und Rechtssicherheit und möglichsten Einheit Deutschlands wollen, sind un⸗ bedingt nöthig, zugleich aber auch vernünftige, beson⸗ nene, erfahrene und zuverlässige deutsche Männer, welche sich nicht leichtsinnig zu unnatürlicher Schwin— delei hinreißen lassen, vielmehr einer so schweren und wichtigen Aufgabe, wie die Verfassung von ganz Deutschland unter den jetzigen Umständen ist, voll⸗ kommen gewachsen sind. Wenn eine Gemeinde ihren Bürgermeister und Gemeinderath, ein Bezirk seinen Landtagsdeputirten wählt, ist mit Recht Alles thätig und gespannt auf den Erfolg der Wahl und wirkt, dafür, daß ein rechtschaffener und tüchtiger Mann daraus hervorgehe. Noch vielmehr ist jetzt die all—⸗ gemeine Aufmerksamkeit diesen Wahlen zuzuwenden, welche das Wohl und Wehe des ganzen großen Deutschlands entscheiden. Geräth die Versammlung in Frankfurt wohl, so wird bald Frieden, Ordnung und Gesetzlichkeit und damit Wohlstand und Glück unter uns zurückkehren Geräth sie aber übel und weiß sie das wahre Bedürfniß Deutschlands nicht zu würdigen, so wird Unruhe, Verwirrung, Krieg und Unglück des Vaterlandes die Folge seyn.
2. Welches sollen die leitenden Grundsätze seyn.— Reform oder Revolution?—
Wenn man unserem deutschen Vaterland jetzt eine Gesammt⸗Verfassung geben will, so kommt es vor allen Dingen darauf an, von welchen Grund- sätze dabei ausgegangen werden soll? Bei einer solchen neuen Constitution denken nämlich Manche, es wäre am Besten, man risse alles Alte über den Haufen, nähme auf das bisher Bestehende gar keine Rücksicht, finge vielmehr ganz von vornen an, als käme Deutschland gewissermaßen eben erst auf die Welt. Dann könnte man gewiß Alles recht neu und gut machen. Man wäre durch keine alten Rechte und Gerechtigkeiten mehr genirt; man würde die 34 Fürsten, die in Deutschland regierten, ihre Minister, die Staatsdiener, die jetzt alle Blutsauger, Fürsten⸗ knechte und Freiheitsfeinde seyn sollen, die Standes⸗
herren und Adlichen, kurz den ganzen bisherigen alten Plunder auf einmal los und nun fing man an, eine einzige Verfassung und Regierung für ganz Deutschland, von der Schweiz und Italien an bis an die Nord- und Ostsee, zu bilden, vereinigte Alles in einen Central-Punkt und stellte nun jene feurigen, muthigen, überfreisinnigen jungen Leute, welche die Republik wollen, an die Spitze; die würden nun diese neue Welt ganz herrlich gouverniren und uns das goldne Zeitalter geschwind herbeibringen. (Forts. folgt.)
Die Reform oder die Republik. Ein Wort
an das badische Volk und zunächst an die Bewohner des Seekreises. von Friedrich Hundeshagen, ehemals Bürger von Amerika, nun Bürger vom einigen Deutschland.
(Fortsetzung.) Wissen doch die meisten gar nicht, was eigentlich mit dieser Phrase Republik gemeint sein soll, und stellen sich darunter eine Regierungsform vor, wo Niemand mehr Abgaben zu bezahlen habe, und Al— les vollauf gegeben oder genommen werden müsse und bedenken nicht, daß eine neue ungeübte Regie— rung erst Lehrgeld zahlen muß und daher mehr Geld braucht, mehr Staatsfehler macht, als ein wohlge— gliederter Staatshaushalt; denn die Staatskunst ist ein Handwerk, das gewiß eben so gelernt sein will, wie das Schuhmacherhandwerk, und eben so wenig wie die Herrn Republikaner Schuhe und Stiefel für ihr deutsches Volk machen können, wenn sie auch möchten, eben so wenig können sie ihren Landsleuten helfen, wenn sie auch wüßten, wo sie der Schuh drückt, denn das Wie zu helfen ist noch eine an⸗ dere Sache, als das blose Wissen, daß geholfen werden muß. Oder verlangen die deutschen Re— publikaner, daß sich das Volk mit dem Schuh be— gnügen soll, den sie in ihrer Unbekanntschaft mit dem Staatshandwerk dem Volk verschustert und ver— pfuscht aufschwätzen wollen.— Nein, wollen wir be— quem und sicher gehen, so muß unsere Schuhe ein Schuhmacher von Profession anfertigen und zwar ge— hörig bequem und weit, daß sie uns nicht drücken wie bisher, auch dauerhaft und billig und keine Prellerei mehr.
Gesetzt aber auch wir wüßten Alle, auch die Herren Republikaner, denn die meisten von denen wissen es selbst nicht, was mit einer Republik ge— meint sei, so muͤßten wir offen und ehrlich einge— stehen, daß wir dafuͤr nicht taugen. Denn in einer Republik werden meist alle öffentlichen Augelegen⸗


