Ausgabe 
18.4.1848
 
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zeitgemäße Mittheilungen.

Dienstag den 18. April

1848.

Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal, Dienstags und Freitags. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Ein, rückungsgebühren per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition, Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nicht

berücksichtigt.

Das deutsche Parlament,

oder: die Gesammt-Verfassung Deutschlands. (Fortsetzung.)

Dies Alles ist nun aber bisher durch den deut⸗ schen Bundestag, der blos aus einer Versammlung der Gesandten der deutschen Fürsten bestand, welche das Volk bei nichts befragte, durchaus nicht gewährt worden. Mit Recht hat daher der Erbgroßherzog und Mitregent von Hessen bei der Uebernahme der Regierung die Wahrheit freimüthig anerkannt,daß die Bundesverfassung die gerechten Forderungen des deutschen Volkes auf nationale Geltung nicht befriedigt habe und daß eine Nationalvertretung zur Vervollständigung der Organisation und zur Er⸗ starkung Deutschlands wesentlich nothwendig sey. Die Ueberzeugung von dieser Wahrheit hat zuerst bei dem biederen Abgeordneten Bassermann aus Baden den Antrag in der badischen landständischen Kammer hervorgerufen, daß dem blos von den Für⸗ sten beschickten Bundestag ein deutsches Volks-Par⸗ lament, aus dem Volke gewählt, beigegeben werden möge, wie die deutschen Landstände dem Regenten jeden Landes beigeordnet sind oder doch seyn müßten. Dieser Antrag hat in ganz Deutschland den allge meinsten Beifall gefunden, überall hat man ein glei⸗ ches Vorkommen in Petitionen und Adressen an die Fürsten und Stände gestellt und jene haben mehr oder weniger gern ihre Zustimmung dazu gegeben. Damit ist denn vorläufig soviel übereinstimmend be⸗ schlossen, daß auch die Gesammtheit der deutschen Fürsten eine Volksrepräsentation von ganz Deutsch⸗ land als deutsches Parlament zur Seite erhalten, oder mit andern Worten, daß auch der Bundes⸗ tag Landstände bekommen soll.

Aber wie das nun geschehen und fertig werden soll, darüber sind Gelehrte und Ungelehrte noch sehr uneinig. Da giebt es eine Parthei, welche sagt: Deutschland steht mitten in einer Revolution; der Bundestag ist so gut wie todt. Die Fürsten gelten nicht viel mehr; wozu also noch einen Bundestag

und ein Parlament; man macht am Besten gleich eine provisorische Regierung über ganz Deutschland, setzt die Fürsten ab und erklärt Deutschland zu einer Republik, wie ja Frankreich auch eine ist, oder doch zu einem Republiken-Bund, wie die Schweiz, oder einer Bundes-Republik, wie Nordamerika u. s. w. Es ist nur gut, daß diese Parthei noch nicht so kann, wie sie gern will, sonst hätten wir jetzt schon die deutsche Freiheit nach ihrem Zuschnitt bekommen, d.h. ohne daß man das Volk und seine Fürsten darum gefragt hätte, ob sie eine Republik wollen oder nicht, hätte uns eine einzelne Parthei eine republikanische Verfassung nach ihrer Willkühr gemacht. Es giebt aber, Gott sey Dank, noch eine gar große Menge vernünftiger und besonnener Leute in der Welt, wel⸗ che solche gefährliche und halsbrechende Versuche den Herrn Franzosen überlassen und wohl wissen, daß zwischen Petri und Johanni 4 Monate sind, in wel⸗ chen die Natur jeden Tag nur einen kleinen Schritt aber unaufhaltsam vorwärts thut und so durch eine stets ruhig fortgehende Entwicklung herr⸗ liche Blüthen und reife Früchte hervorbringt; wie es aber nicht möglich ist, daß man heute den Acker pflü⸗ gen und morgen ernten kann, so vermögen wir auch gewiß nicht von unsern jetzigen bisher leider nur zu gedrückten Zuständen gleich mitten in eine Republik hinein zu springen, ohne dabei Hals und Beine zu risquixen.

Als darum anerkannt tüchtige deutsche Männer, meistens langjährige Deputirte deutscher Kammern von entschieden freisinnigen Grundsätzen in Frankfurt dieser Tage zusammengetreten sind, um die Frage: wie man Deutschland recht bald ein tüchtiges Parla⸗ ment geben könne? einer Vorberathung zu unterwer fen, hat die große Mehrzahl sich kräftig und entschieden gegen jene republikanischen Gelüste ausgesprochen und dafür beschlossen, daß einer großen, von ganz Deutschland zusammen zu schickenden sogenannten eon⸗ stituirenden Versammlung es überlassen blei⸗ ben soll, über die demnächstige Gesammt-Verfassung Deutschlands nach näherer Prüfung zu entscheiden. Nach ihren, den deutschen Regierungen mitgetheilten