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zu der Preiserhöhung, welche die Meister nothwendig machen müssen, zurück. Sie müssen zu diesem Zweck wie ich schon oben bemerkte, Vereine bilden. Ich glaube aber, daß selbst der Zusammentritt in solche Vereine seine Schwierigkeiten haben würde, denn ich habe Gelegenheit gehabt, solche Fälle zu beobachten. Es ist hierzu die sittliche Bildung und die Moralität erforderlich, für welche die schwärmen, die das einige Deutschland in Liedern besingen; der Nahrungsneid, persönlicher Haß, Gewinnsucht, Geiz und wie die sauberen Tugenden noch alle heißen mögen, die man vorzüglich unter Leuten eines Geschäfts bemerkt, schleichen sich in diese Vereine ein, und wenn diese Laster nicht gleich von vorne herein Zwiespalt her— vorrufen, so wird dem Verein nachher um so mehr und gewisser durch Intriguen aller Art geschadet werden; aber nicht allein diese Laster bestimmen viele, von den Satzungen der Vereine abzugehen, sondern die Noth; und die wird, wenn sie auch im Allge— meinen etwas gelindert würde, doch in manchen Kreisen ihr Feld behaupten. Wenn ein Verein von Schuhmachern festsetzte 1 Paar Stiefel kostet 6 fl. 30 kr., so behaupte ich, daß man dennoch 1 Paar für 5 fl. 30 kr. bekommt, denn Einer bricht diesen Satz aus Noth und der Andere aus Nahrungsneid aus Mißtrauen, daß es ein Anderer doch billiger machen würde u. s. w.
(Fortsetzung folgt.)
Der berühmte Geschichtsforscher Niclas Vogt, ehemals Professor an der Mainzer Universttät, hatte einmal seine geschichtlichen Vorlesungen mit folgenden Worten begonnen:„M. H., ich sollte mit den Tra⸗ ditionen über das Paradies und den Schilderungen
von dessen Schönheit, worin sich die Einbildungskraft der Dichter aller Nationen zu überbieten gesucht hat, beginnen; aber gehen Sie nur auf die Rheinbrücke und sehen Sie das herrliche Land, das den Strom
auf- und abwärts, sich Ihren Blicken zeigt— bei Gott, das Paradies kann kaum schöner gewesen seyn!“
Wie genau Napoleon seine Menschen kannte, und wie geschickt er sie zu behandeln wußte, davon giebt folgender Zug einen Beleg. Kurz vor dem Feldzug des Jahres 1806 waren auf dem Schloß— platze zu Mainz 10— 1200 Mann zur Muste⸗ rung aufgestellt. Aufmerksam durchging der Kaiser alle Reihen, und Freundlichkeit und furchtbarer Ernst, wechselten in seinen Gesichtszügen, wie Ebbe und Fluth. Vorzüglich schien ein Musterungs-In⸗ Inspector sein Mißfallen in hohem Grade erregt zu haben. Er ließ ihn hart an und kehrte ihm endlich den Rücken. Da fiel sein Blick auf einen Grenadier, dessen Gesicht mit Narben ehrenvoller Wunden bedeckt war. Er betrachtete ihn mit Wohl— gefallen, unterhielt sich mit ihm, erkundigte sich nach seinen Dienstjahren und fragte endlich: wo er die gewaltigen Hiebe über das Gesicht erhalten habe. Sire, versetzte dieser, die trug ich in den Schlachttagen an der Trebig davon. Das waren heiße Tage, bemerkte der Kaiser. Ja wohl Sire, erwiederte der Grenadier. Nun, wir werden zu— sammen noch heißeren Tagen entgegen gehen, sagte Napoleon mit einem Ausdruck hinreißender Freundlichkeit. Das war ein ächtes Soldaten— Compliment, welches seine Wirkung nicht verfehlte; den auf einmal erscholl durch das ganze Regiment der Jubelruf: Vive I'Empeéreur!
Intelligenzblatt.
Vom Hüttenberg im Mai.
Um zur Menschenkenntniß, welche durch unsere Zeit so sehr bereichert wird, auch einen kleinen Bei— trag zu liefern, übergebe ich folgende Zeilen der Veröffentlichung.
„In der Gemeinde Leihgestern, welche schon ge— genwärtig 185 Schulkinder zählt, soll demnächst eine zweite Lehrerstelle errichtet werden; denn die Schul— behörde sieht wohl ein, daß auch der trefflichste Leh— rer bei einer so enormen Schülermasse nicht viel zu leisten vermöge.
Die in ihren Folgen für die Gemeinde Leihgestern so segensreiche Ausführung dieses Projekts, mit wel— chem nicht nur die höchste Staatsbehörde, sondern auch die Gemeinde ganz einverstanden ist, wird nun leider dadurch bedroht, daß der mit seiner Gemeinde zerfallene Lehrer Prätorius in Steinbach, bei Lich, in letzterer Zeit öfters nach Leihgestern kommt, und sich den dasigen Bauern als Mann empfiehlt, der noch lange allein das Regiment über ihre Schuljugend zu führen gedenke, daselbst wahrhaft um die dasige Stelle
jüdelt und nebenbei bemerkt, den jetzigen Lehrer nicht ungeschoren lassen soll.
Wie wir nun hören, hat auch bereits die Ge— meinde Leihgestern Schritte gethan um den Stein— bacher Herrn als Lehrer zu bekommen, weil ihr derselbe klar vordemonstrirte, daß sie durch diese Aequisition allein der Gefahr entgehe, einen zweiten Lehrer anzustellen, und also jährlich ein hübsches Sümmchen(eirca 80 fl.) von beiden jetzt schon regulirten Stellen sparen könne.— Er bot sogar der Gemeinde jährlich 80 fl. von der Schulbesoldung abzugeben.—
Indem wir nun die Mittel und Wege, welche der Steinbacher Bewerber zur Veränderung seiner Station versucht, dem Publikum zur unparteiischen Beurtheilung überlassen, und des Glaubens leben, daß nicht nur die Gießener Bezirksschulcommission, sondern auch die höchste Staatsbehörde ein solches Treiben nach Gebühr zu würdigen wissen werde, rufen wir wohlwollend und freundlich den Einwoh— nern von Leihgestern zu:„Prüfet Alles und das Beste behaltet! Ein Hüttenberger.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J.


