Ausgabe 
17.5.1848
 
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des Wortes seyn sollten und früher gewesen waren, die Vordersten im Volk.

Endlich sollte bei jeder Volksversammlung auf den Wohlanstand in den Worten gesehen werden, denn es scheint uns bei diesen Versammlungen neben dem Zweck politisch aufzuklären auch der andere, nicht minder wichtige, sittlich zu heben zu Grunde zu liegen. Darum muß es jeder Volks redner sich zur heiligen Aufgabe machen, zwar so volksthümlich als möglich zu sprechen, aber auch alle Gemeinplätze zu vermeiden. Er kann wohl dadurch den lauten Beifall der ungebildeten Masse erlangen, allein in den Augen aller Edeldenkenden, die wir nicht blos unter den s. g. Herren in Glacéhandschu hen, sondern öfters noch, wenigstens eben so oft, un ter den Bauern im groben Kittel finden, muß er tief in seinem Ansehn hierdurch sinken. Hiergegen hat Herr B. aber sehr in seiner Rede gefehlt mit dem Ausdruck, warum gerade Der, welcher von der Erb prinzessingeheckt sey, regieren solle. Nicht ein mal in der Person, gegen welche hier dieser Ausdruck gebraucht wurde, nein in dem Ausdrucke selbst, wäre er auch mit Beziehung auf eine Bettlerin gesprochen, fand Einsender und mit ihm eine große Menge der Anwesenden, etwas sehr Obscönes, in einer Volksver⸗ sammlung sorgsam zu Vermeidendes.

Im Allgemeinen hatte diese Versammlung wieder auf's Neue das Irrige der zur Zeit des alten Systems(Gott hab' es selig!) bei dem Verlangen freier Association stets vorgeschützten Ansicht, als fehle dem Volke noch die nöthige politische Reife, um auf dem Gebiete der Politik ein Wort mit zu reden, widerlegt, denn die große, aus den verschiedensten Ständen zusammengesetzte Mege benahm sich mit vielem Takte. Nur zu bedauern war es, daß man manche Redner nicht das Wort geben oder sie doch nicht wollte ausreden lassen. In Volksversammlun⸗ gen muß an dem Grundsatz der Redefreit im wei testen Umfange fest gehalten werden. Dadurch kommt allein die Wahrheit an's Licht.

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Die Arbeiter und ihre Interessen. Von einem Arbeiter.

Fortsetzung.)

Je verschiedener nun die Stellung der Arbeiter unter sich selbst ist, desto verschiedener sind auch ihre Interessen und desto schwieriger wird die Aufgabe zu lösen seyn, jedem Stande dieser Classen zu genügen. Gesteht z. B. den Gesellen ihre Forderungen zu, er höhet ihren Lohn, verkürzt ihre Arbeitszeit, so wird dieser Stand der Arbeiter vielleicht zufrieden seyn, sein Loos verbessert zu haben. Aber eine andere Frage ist dann die, ob diese Zugeständnisse auch für die Gesammtheit zufriedenstellend sind, ob sie nicht vielmehr Unzufriedenheit und wirkliche Verschlim merung anderer Classen des Arbeiterstandes hervor rufen und nothwendig hervorrufen müssen. Daß ich hier sogleich den Gesellenstand als Beispiel annehme, geschieht aus dem Grunde, daß, wenn eine Verbes serung des Arbeiterlooses in Angriff genommen wird, vielleicht der Gesellenstand derjenige sein möchte, welcher die Segnungen dieser Verbesserung am ersten

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in Anspruch nähme, denn eine Gesellschaft lediger, meistentheils junger Leute tritt ganz anders auf und braucht keine Rücksichten zu nehmen, wie es der thun muß, welcher mit seiner Familie, inmitten seiner Gön ner von deren Gunst er seine Existenz sichern muß. Er kann nicht wie jene sein Päckchen schnüren und singend zum Thore hinaus ziehen, sondern Rücksich ten, welche er seiner Familie schuldig ist, zwingen ihn oft, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wenn also dem Gesellen zugestanden wird, daß er statt 12 oder 14 Stunden nur 10 arbeite, daß sein Lohn überdies noch erhöhet wird, so ist eine Folge hier von, daß die Meister den Preis ihrer Arbeit oder Fabrikate ebenfalls erhöhen müssen. Es wäre also nothwendig, daß sie(die Meister) in einen Verein zusammen träten, um die Preise der verschiedenen Fabrikate fest zu setzen und irgend einen§. in ihre Statuten erfänden, wonach jeder Meister gebunden wäre, die gesetzten Preise inne zu halten. Erhalten die Meister dann mehr für ihre Fabrikate, dann natürlich werden sich auch die höheren Forderungen des Gesellen eingehen können.

Hierbei erwähne ich aber noch einen Umstand, welcher bei einer Arbeiterreform nothwendig zu be seitigen wäre; es ist dies das Conto. Es suchen wirklich Manche eine Ehre darin, wenn sie sagen können:Schreiben Sie's an und schicken Sie mir die Rechnung das ist es hauptsächlich mit, was den Arbeiterstand niedergehalten hat. Der Schuhmacher und Schneider und fast alle andere Gewerbtreibenden müssen nach diesem System, um sich etabliren zu kön nen, um selbstständig zu werden, Geld, oft viel Geld haben; denn wer heut' zu Tage ein Geschäft anfan⸗ gen will, und ist nicht in den Stand gesetzt zu bor gen, der lasse es lieber ganz seyn und arbeite als Gesell. Wenn ein Schuhmacher bei seinem Etabliren alle Kosten getragen hat, welche dieses mit sich führt, wenn er für viele Gulden Leder gekauft hat und ist dann noch angewiesen bis zur nächsten Messe oder noch länger oder gar in alle Ewigkeit zu warten, so frage ich, wovon soll er seine Arbeiter bezahlen, die doch wöchentlich ihren Lohn verlangen und mit Recht verlangen müssen, um sich nicht in Schulden zu stecken, wovon soll er seine Steuern bezahlen, die der Staat mit drohender Stimme von ihm fordert, und wovon soll ein solcher Meister selbst leben, wenn er % auch vielleicht gleich baar erhält,, aber im Buche stehen hat und von diesem noch um ½ betrogen wind? Ja, so ist die Existenz der Meister gesichert! und zu diesem Allem muß er noch ein unterthänigster, gehorsamster Diener seyn! Es giebt Leute, welche ihren Mammon unter Schloß und Riegel haben und ihren Bedarf stets auf Rech- nung nehmen; es giebt wieder andere, welche mit ihrem Mammon wuchern und ihren Bedarf jeglicher Art erst von den Zinsen bezahlen, während ihre Gläubiger vielleicht selbst gezwungen wurden, Geld auf Zinsen zu borgen. Es könnte also der Fall eintreten, wo der Gläubiger vielleicht durch die zweite Hand das Geld seines Schuldners leiht und dann seine Arbeit mit eigenen Zinsen, mit seinem eigenen Schweiße bezahlt sieht. Und wahrlich, bei solchen Uebelständen ist es nicht möglich, daß der Arbeiter zufrieden seyn kann.

Nachdem ich Veranlassung nahm, diesen Uebel⸗ stand inzwischen zu bemerken, komme ich wieder