Ausgabe 
14.4.1848
 
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Despoten, seyen sie Monarchen oder Republikaner, Aristokraten oder Demokraten, hege aber die tiefste Verehrung für alle edlen Charaktere der Menschheit; ich bin begeistert für einen Moses und Jesus, für einen Lycurgus und Solon, Anakreon, Pindar und Aeschylus, einen Sophokles, Euripides, Aristo phanes, für einen Herodot und Therydides, für die Sieger bei Leuktra, Zama und Murten, für einen Cäsar und Trajan, einen Wilhelm und Fried rich, für den Stagiriten und den Venusiner, Geister und Helden, die mein Gegner nur dem Namen nach zu kennen scheint; denn die eigentliche weltgeschicht liche Bedeutung dieser Männer ist nur denen recht verständlich, welche in den Schachten der Wissenschaft das reine lautere Gold der Wahrheit und Ueber zeugung selbst gewonnen haben; allein übertünchten lakirten Halbwissern, wie der Verfasser desEtwas ist, bleibt die Sprache jener griechischen und römi schen Geister, die sein profaner Mund entweiht, so undeutlich und unverständlich, wie die verwitterten Hieroglyphen auf den Riesendenkmälern Aegyptens dem wilden uncultivirten Sohn der lybischen Wüste. Nur wer die Sprache jener Geister versteht, darf sich erkühnen in die geweihten Hallen des classischen Alterthums einzugehen, um mit jenen Geistern gei stigen Verkehr zu pflegen und durch diesen Verkehr seinen Geist für die edleren Empfindungen einer wah ren Humanität und Liberalität empfänglich zu ma chen, während die seichten Halbwisser von der Cohorte (Schaar) unsers Verfassers und seiner Geistesver wandten höchstens dazu berufen sind, den Staub, von den Stufen der Propyläen zu kehren. Dr. H. Köhler. (Fortsetzung folgt.)

Die Ausweisung der Permissionisten

Die Frage, ob eine deutsche Stadt einem unbe scholtnen Deutschen, der nicht das Ortsbürgerrecht in ihr genießt, aber sich ehrlich ernährt, den Aufent halt in ihren Mauern oder Gräben verbieten und ihn austreiben kann? hängt von Vorfragen ab, die nicht in Gießen, auch nicht am Ministerium in Darmstadt, sondern bei einer viel höheren Behörde, bei der deutschen National- Repräsentation in der Kürze werden entschieden werden. Diese Entschei dung wird wohl jeder Besonnene erst abwarten wollen, ehe er für Maasregeln spricht, die sonst vielleicht einige Tage nach ihrer Vollziehung wieder aufgehoben werden.

Wenn man aber so lange nicht Geduld haben will, so wird man wenigstens Folgendes bedenken müssen. Es giebt ohne Zweifel zweierlei sogenannte Permissionisten, d h. Leute, welche obne hier Orts bürger zu sein, mit Erlaubniß in der Stadt woh

nen; solche, welche hier ihr Geld verzehren und solche, welche hier ihr Geld verdienen wollen. Die Leute fortzujagen, welche uns Geld bringen, wäre gewiß die größte Tollheit und müßte man dem Stadtvorstande Curatoren setzen, wenn er an so etwas denken könnte. Wollte man der höchsten Staatsbehörde etwa sagen, diese Leute vertheuerten hier die Wohnungen, weil in Gießen nicht Platz genug für seine Bevölkerung sey, so könnte dieselbe vielleicht resolviren: weil hier der Menschen zu viel seyen, wolle man dadurch Luft machen, daß man die Universität nach Darmstadt verlegen, dann gäbe es gewiß billige Logis!

Es kann sich also nur um diejenigen Permis sionisten handeln, welche hier Geld verdienen wollen. Diese sind wiederum zweierlei Art; ent weder solche, die hier nöthig sind, beziehungsweise die man wenigstens hier gut brauchen kann, weil es an Leuten von ihrem Gewerbe oder ihrer Ge schicklichkeit fehlt, oder solche, die hier ganz über flüssig sind. Die Ersteren fortzuschicken, hat man ebenfalls gewiß keine Veranlassung, weil sie ja nöthig und nützlich sind und da ein jeder brauch barer und fleißiger Arbeiter seines Lohnes werth ist, so kann man ihnen gern gönnen, was sie hier verdienen. Diese Permissionisten müssen übrigens ganz dieselben Steuern und Communalgelder geben, wie jeder Ortsbürger in denselben Verhältnissen geben muß und diese sind darum durch sie in nichts zu rückgesetzt; auch können zünftige Gewerbe durch Permissionisten nicht beschränkt werden, weil diesen nicht erlaubt ist, in Handwerke, welche zunftberech tigt sind, zu pfuschen.

Der Letzteren, nämlich solcher, welche hier über flüssig sind, können es aber unmöglich Viele seyn: denn es sollen Leute, die sich voraussichtlich hier nicht gehörig ernähren können, keine Permission erhalten und haben sie auch gewiß selten oder nicht bekommen; wenn sie aber doch dieselbe erschlichen haben, so haben sie gewiß nicht lange Gebrauch da von gemacht, weil sie Thoren wären sich lang hier aufzuhalten, wenn sie nichts verdienen können, da es auf jeden Fall hier theurer ist, als sonst wo.

Es wird sich daher bei der nun angeordneten Untersuchung gewiß herausstellen, daß solche Per missionisten, welche für die Stadt nicht nützlich und brauchbar sind, wenig oder keine hier sind, und daß daher überhaupt viel Lärmen um Nichts ge macht worden ist. Denn augenscheilich war keine genügende Veranlassung da, daruber eine Vorstellung an die höchste Staatsbehörde zu richten, oder gar darüber eine Volksversammlung zusammenzurufen. Bei ähnlichen Vorkommnissen aber sollte unser Stadtvorstand gegen Personen, welche sich schrift liche oder mündliche Drohungen mit Gewalt und