Ausgabe 
14.4.1848
 
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eingreifen, um unserm lieben Herr Gott nachzuhel fen, und in den schleppenden Schneckengang seines weltgeschichtlichen Wagens etwas Eisenbahngeist zu

bringen. Ich bin zu bescheiden, um meinen schwa chen Kräften soviel zuzutrauen und ziehe mich daher in bescheidener Demuth hinter die Schaar meiner Collegen Philister zurück, wie der hochfahrende poli tische Reformator die Bürger zu nennen beliebt, um unsre Schicksale aus der Hand dieses himmelstürmen den, weltordnenden Politikers zu empfangen. Wie aber auch mein und unser Aller Schicksal ausfallen mag, so kann ich nicht umhin, in meiner politischen Demuth und Mäßigung mir die freimüthige Aeuße rung zu erlauben, daß ich von einem politischen Re formator, der sich in unserm politen und humanen Jahrhundert den herabsetzenden AusdruckPhilister gegen Mitbürger erlaubt, keine besonders gnädige Regierung erwarte, um so weniger, da er die Gräuel thaten eines Robespierre, Marat, Danton entschul digt und mit überchristlicher Schonung in seinen Schutz nimmt, indem er durch ein sophistisches Ma neuvre erklärt: diese großen Namen der Revolution seyen ja nur unschuldige Werkzeuge gewesen; das durch sie vergossene Blut klebe nicht an den Händen dieser republikanischen Teufel, sondern an den Hän den Louis 14. und seiner Vorgänger und Nachfolger, die das Volk geknechtet hätten. Eine schöne Moral, eine schöne Politik, gefährlicher und furchtbarer als die Despotie aller asiatischen und europäischen Despoten und Monarchen. Denn welche furchtbare Folgerung läßt eine solche Rechtfertigung der französischen republi kanischen Würgengel zu? Wenn also in unserm Deutschland jetzt eine Jakobinerherrschaft, wie bei der ersten französischen Revolution in Frankreich, sich an die Spitze der Geschäfte stellte und nach dem Bei spiele der französischen Würger sich im Blute ihrer deutschen Brüder badete, dann würden, nach der Moral meines lichtscheuen Gegners solche republika nischen Würger engelrein dastehen; denn das Blut, das sie vergießen, würde ja nicht an ihren Händen kleben, sondern an den Händen der Monarchie und des Adels.

Warum hat aber mein lichtscheuer anonymer Geg ner nicht zur Rechtfertigung seines republikanischen Schützlings Robespierre angeführt, was diesen und andere Würgengel in den Augen der Nachwelt am meisten rechtfertigen könnte? Ich will meinem Geg ner mit meiner eingeochsten Geschichte etwas auf die Beine helfen und ihm zu der Vertheidigung seines engelreinen Robespierre und seiner Republikaner, welche die Geschichte mit dem Ehrennamen Terroristen d. h. Schreckensm änner bezeichnet hat, noch Stoff lie fern. Warum führen Sie nicht an, mein Herr, daß Robespierre das Verdienst sich erworben hat, unsern Herr Gott, diesen Monarchen des Himmels, den die

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Regierung der französischen Republik durch ein förm⸗ liches Dekret abgesetzt hatte, wieder einzusetzen, indem Robespierre dieses Absetzungsdekret des Convents auf hob. Warum aber setzten diese Republikaner unsern Herr Gott ab? Vielleicht giebt uns mein gelehrter Geg ner darüber Aufschluß? Ich muß gestehen, daß mir diese Frage immer ein geschichtliches Problem geblie ben ist, dessen Lösung jetzt durch unsern Gegner er folgen wird. Mir hat es immer Unvernunft geschienen, daß der Convent der ersten französischen Republik unsern lieben Herr Gott, der doch gewiß der beste Monarch von der Welt ist, absetzte, während derselbe Convent doch gleich an seine Stelle wieder eine Mo narchin einsetzte, nämlich die Göttin Vernunft. Trau⸗ ten jene Republikaner etwa diesem weiblichen Monar chen größere Staatsweisheit zu, als unserm lieben Herr Gott, der schon so lange Zeit das Ruder der Regierung mit geschickter Hand geführt hatte und zwar ohne Parlament und ohne eine constitutionelle Verfassung. Doch über alles dies wird uns ja der Autor des Etwas genügenden Aufschluß geben.

Jetzt will ich nur noch einmal auf die Logik des selben zurückkommen.

Während er sich mit überchristlicher Liberalität zum Patron der republikanischen Würgengel, eines Danton, Robespierre, Marat u. Anderer aufwirft, indem er, was sie gesündigt, der Monarchie in Rechnung bringt; bezeichnet ermich und meine Mitbürger, weil wir keine Lust haben, in's Rad der Ge schichte einzugreifen, und kein Geschick und Talent besitzen wie er, unserm Herr Gott den Wagen der Weltregierung aus dem Dreck zu schieben, mit dem verächtlichen Ausdruck Philister). Ich meine doch, wenn er mit seiner republikanischen Liberalität und Humanität Herrn Robespierre in Schutz nimmt, so könnte er aus dem Füllhorn seiner Liberalität auch uns armen Philistern einige Tröpflein Huma nität zufließen lassen. Oder fließt sein Gefühl blos von Zärtlichkeit für die großen Namen der republi kanischen Schreckensperiode über? oder hat er etwa diesen großen Reichthum seiner Liberalität nöthig, um diese seine Schooßkinder, Robespierre, Marat, Dan ton zu segnen und zu beglücken? Auch ich hege eine tiefe Sympathie für alle große Namen der Vor zeit wie der Gegenwart, allein ich kann es nimmer über mein Gefühl gewinnen, diejenigen Männer der Vorzeit in Schutz zu nehmen, deren Namen mit großen blutigen Zügen in's Buch der Geschichte ein getragen sind, weil sie als freche Räuber an den heiligsten Rechten der Menschheit gefrevelt haben. Ich gestehe es offen und frei: Ich verabscheue alle

*) Schämt sich der liberale Republikaner nicht, einen Aus

druck gegen seine Mitbürger zu gebrauchen, der läͤngst von jedem wahrhaft Liberalen außer Cours gesetzt ist?