Ausgabe 
13.9.1848
 
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(Beiblatt.)

Mittwoch den 13. September

1848.

Der Arbeiter, was er war, ist und seyn will. Beschäftigt die Männer der Politik jetzt die schles wig⸗ holsteinsche Frage, der Waffenstillstand mit Dänemark,

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der geistige Kampf der Linken und Rechten in der

Paulskirche zu Frankfurt a. M., suchen sie die Schmach von der deutschen Nation abzuwälzen und die Ehre und Männlichkeit unserer Urväter wieder heraufzube schwören, so beschäftigt uns, denen nicht eine tiefere Einsicht in die Politik der Staaten gestattet ist, neben dieser noch eine andere Frage, ob seyn oder nicht seyn! Die Frage der Existenz, der Arbeit, ob wir fernerhin seufzen sollen unter den Lasten, welche uns die herge⸗ brachten socialen Verhältnisse aufbürden, ob wir als Arbeiter noch länger auf der niedern Stufe der Ge sellschaft und als geringgeschätzte Classe dastehen sol⸗ len. Ich habe nicht nöthig, die Behauptung hier geltend zu machen, daß der Arbeiterstand der wichtigste und ehrenwertheste im staatlichen Leben ist, denn wer hätte dem widersprochen? Wer weiß nicht, daß die Säulen des Staates da ihr sicherstes Fundament haben, wo sie von Männern der Arbeit gestützt und gepflegt werden? Jeder weiß es und die Männer der Po⸗ litik haben es zuerst gewußt, denn sie kannten ihren Voden und entdeckten leicht die frischen Quellen, aus denen sie schöpfen konnten; je reiner und sicherer diese Quellen waren, desto mehr wurden sie ausgebeutet. Der Arbeiter ließ sich's gefallen, denn er kannte kein anders Loos, als zu arbeiten um leben zu können, zu arbeiten von früh bis spät und von dem täglich Erworbenen zu geben was des Kaisers und was Gottes ist, d. h., vom schwer erworbenen Taglohn dem Kai⸗ ser und von gutem Gewissen ein Gebet dem Herrn! Wie schön das ist, und wie glücklich solcher Arbeiter! Aber ist das blos die Bestimmung des Menschen, ar beiten um essen, essen um arbeiten, beten um schlafen zu können? Nein, es ruht noch ein anders Gesetz in der Brust des Menschen, es ist das Gesetz der Ver klärung unsers Geistes und dies ewige Gesetz ist Millio⸗ nen unserer Brüder vorenthalten und der Arbeiter in Schranken zurückgewiesen, welche er nur mit der Ge⸗ fährdung seiner Existenz überschreiten konnte! Aber wohl lag es in der Eigenthümlichkeit der politischen Systeme, daß es so seyn mußte, denn wenn der Geist der Arbeiter seine Schranken übersprungen, so wäre er rastlos umhergestreift auf den verschiedenen Gebieten des Wissens, auch den Boden des Rechts hätte er bebaut und auf diesem fußend, seine Rechte als Mensch, als Glied einer großen Familie, als Jedem ebenbürtig, geltend gemacht! Darum ließ man die Arbeiter in ihren drückenden Zuständen, daß sie genugsam zu schaffen, zu trachten und zu denken hat⸗ ten, die Lasten des Staates und den Kummer des Herzens zu tragen. Glaubt ihr nicht, daß dem wirk⸗

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lich so ist? glaubt ihr, daß ich hier, um Interesse zu erregen, den Standpunkt der Wahrheit verlasse oder übertreibe? Dann will ich euch hinführen in die Werk stätten und Werkstuben, wo der Arbeiter keinen an⸗ dern Gedanken haben kann, als den, seine Existenz durchzuschleppen, wo der Vater rastlos von früh bis spät im Kreise seiner Familie arbeitet, um für den folgenden Tag Brod für sich und die Seinigen zu er schwingen, und der dennoch mit der Hoffnung arbei⸗ tet, das wieder zu verdienen, was der Staat ihm ge⸗ nommen, denn er ward ausgepfändet, weil der Hunger seiner Familie des Kaisers Schoß verzehrt! Ich will euch hinführen auf die Landstraßen, wo Hand- werker wie zerlumpte Bettler einhergehen; sie sollen erzählen, wie sie unter den Polizeisystemen gedrückt und geplagt sind, weil sie weit in der Ferne ihre Heimath haben und als Fremde betrachtet und doch nicht minder Menschen sind; weil sie zerlumpt aus⸗ sehen und doch nicht minder ehrenhaft seyn können als andere auch; fragt sie um das Zittern, mit dem sie auf die Büreaus gehen, um ihre Route zu nehmen, um die brutale Behandlung, welche sie von den Her⸗ ren dieser Büreaus zu erleiden haben. Das sind die Arbeiter, die Stützen des Staates, die sichern und reinen Quellen, woraus genommen wird Leben um Leben; dies sind dieselben Arbeiter, die ihr, als sie hungrig waren und euch um Almosen angesprochen, nicht für die erkennen wolltet, die nachmals das Mark und den Kern des Staates bilden! F. Hüne. (Fortsetzung solgt.)

Entgegnung.

In Nr. 20 und 21 der wilden Rosen, eines bel⸗ letristischen Beiblattes zum jüngsten Tage, findet sich ein Aufsatz:Eine Rarität überschrieben. Der Herr Verfasser desselben schwingt die Geißel des Spottes über den geistlichen Stand im Allgemeinen und be⸗ sonders über ein Glied desselben den Pfarrer a zu H... welcher seinen Schullehrer, der zugleich eirchendiener ist, durch eine Instruction, in groß Folio abgefaßt, geknechtet habe und knechte. Man ist bei seinen Schilderungen allerdings versucht zu glauben, die grasseste Hierarchie eines Gregor VII. werde durch den Pf. K. repräsentirt und der Lehrer H... sey von dem Märtyrerthume nicht mehr ferne; betrachtet man aber den Thatbestand, so sieht man alsbald, es ist dem Hrn. Autor der Rarität entweder auf ein paar Hände voll Unrichtigkeiten und Verdrehungen nicht angekommen, oder er bedurfte hin und wieder einiger würzender Zuthaten, oder er ist, was ich am Liebsten glauben will, auf eine arge Art mystificirt worden. Da er nun als Mann von Ehre einen Ehrenmann, und das ist Pf. K., gewiß nicht hat kränken und beschimpfen wollen, so wird es ihm selbst