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in den nordamerikanischen Freistaaten, dem Senate, gegenüber der Nationalversammlung, zugestanden worden ist. Berücksichtigen wir aber, daß der deut— schen Nation durch das deutsche Parlament und durch die Durchführung der wahren constitutionellen Mo⸗ narchie, sowie durch die bereits zugestandenen Volks⸗ rechte alle republikanischen Freiheiten wirklich gesichert sind, und daß alle Reactionen, wo⸗ mit man, durch Verdächtigen selbst den liberalsten
Regenten und Minister und durch Untergrabung aller bürgerlichen Ordnung und alles Vertrauens, stets zu schrecken sucht, ganz unmöglich sind, so ist gar nicht abzusehen, aus welchem haltbaren Grunde, wir mit Umsturz aller bestehenden Verbältnisse, welche das Unglück von Millionen Menschen zur unmittel⸗ baren oder mittelbaren Folge haben würden, eine Republik erstreben sollten? (Fortsetzung folgt.)
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Es ist ein großer Verlust für das Publikum und ein noch größerer für mich, daß sich der Verfasser des gegen mich in Nr. 44 d. j. T. erschienenen Ar⸗ tikels bei seiner großen Unverschämtheit in einer bescheidenen Verborgenheit hält. Man ist zwar leicht darüber im Reinen, warum er dieses thut; denn er gleicht ganz der Eule, die ihren Raub im Finstern sucht, wie es in dem kleinen Gedichtchen heißt:
„Die Eule scheut das Sonnenlicht, Und wohnt in finstern Höhlen. Warum?— Weil ihre Werke nicht Den Menschen sie empfehlen.“
Wahrlich guter Freund! Ihr Werk kann Sie nur sehr wenig empfehlen. Während Sie auf der einen Seite so wenig Talent entfalten und sich nicht ent— blöden, mit Retourehaisen zu fahren,— vermisse ich auf der andern Seite die Wahrheit in Bekannt⸗ schaft mit meiner dermaligen Stellung, die Ihnen doch zu einer Beurtheilung über mich unumgänglich nöthig ist. Ihre Consequenzen, die mich als einen „Schultyrann“ und„Prügelmeister“ erscheinen lassen, fallen von selbst weg, wenn ich hiermit erkläre, daß ich mich durch dieselben nicht im Geringsten angegrif⸗ fen finde. Das Bewußtseyn trägt den Mann. Freilich kann ich mir nicht einfallen lassen, vor einem Tugendmenschen, wie Sie, der, sollte man meinen die personificirte Bergpredigt selber ist, mit meiner unchristlichen Schale bestehen zu wollen; aber ich erlaube mir Ihnen zu bemerken, daß die Mißgunst und der Neid es sind, welche unser Jahrhundert schänden, und diese, wissen Sie, thun nicht was vor Gott recht ist. Hätten Sie gewußt, mein lieber Mann, daß ich bereits seit sechs Jahren in Oberhes— sen eingebürgert bin, und mich noch nie um eine oberhessische Schulstelle beworben habe, wahrlich Sie hätten mir nicht vorgeworfen, ich suche mir einen rothen Rock bei dem Herrn Kreisrath Prinz zu ver— dienen; noch weniger aber konnten Sie mir dann vorwerfen, ich kenne die Prüfungsmethode des von mir vertheidigten Mannes nicht. Ich kann nur be⸗ klagen, daß sie so wenig Glauben an die Menscheit haben und meinen, es müsse ein Jeder über einen Mann herfallen, dessen Wirksamkeit in einiger Hin— sicht durch die jüngsten Zeitereignisse gelähmt wurde. Man kann Ihnen auch dies nicht übel nehmen, weil Sie in Ihrem Dünkel sich berechtigt halten zu
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glauben, alle Menschen dächten wie Sie. Einst aber wird man Sie vor Gericht fordern, Rechenschaft zu geben von einem jeden unnützen Wort, das Sie ge— redet haben, und deren haben Sie gar Viele ver— loren!
Haben Sie, allweiser Rathsherr, vielleicht die Werbung für Polizeibüttel übernommen, oder ist Ihnen die Oberaufsicht des Gene darmeriemarkts übertragen, da Sie mit den Vacanzen dieser Stellen so genau bekannt sind? Nun, dann suchen Sie un⸗ ter Leuten Ihres Schlags sich die hierzu tauglichen Subjekte; bei diesen ist Ihr löschpapiernes Rüdenge— bell am besten angebracht.
Götz.
In Nr. 44 des j. T. hat ein unverschämter Maulheld versucht den Schulvikar Götz in Oppenrod zu schmähen, weil derselbe in Nr. 2 der Sprechhalle einen Artikel aus Nr. 24 des j. T. vor das Forum der Wahrheit zog und die darin enthaltenen Ver— läumdungen und Beschuldigungen gegen Kreisrath Prinz in das rechte Licht stellte. Wahrscheinlich ist der Verfasser jener beiden anonymen Schmähschriften einer von den Menschen, die eine Satisfaction darin suchen, aus ihrem schmutzigen Verstecke Ehrenmänner zu begeifern, weil sie es nicht wagen dürfen, auf—⸗ richtig und ohne Scheu hervorzutreten. Aber gerade dadurch, daß sie den Schleier der Verborgenheit über sich werfen, geben sie sich das vollständigste testi- monium paubertatis ihrer Ehre und Wahrheits⸗ liebe. Warum erscheinen Sie, Herr Verfasser, nicht ebenfalls mit offenem Visire, wie Götz? Haben Sie so wenig Character, oder schämen Sie sich selbst Ihres abgeschmackten Machwerks? Sollten Sie üb— rigens so viel Einsicht nicht besitzen, um einsehen zu können, daß Sie nicht im Stande sind, die Ehre eines Mannes, wie Götz, zu verunglimpfen, so mögen Sie sich einstweilen gratuliren, daß Ihnen nicht jetzt schon Andere das Visir von Ihrem Schelmenge— sicht reißen, wobei es sich zeigen wird, ob Sie als „Musje Grau in die Kategorie der Esel, oder als Braun in die der Bären gehören.
Großenbuseck den 30. April 1848.
Mahr.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J.
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N. DO. S. ucc.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J.


