die auch dem Fursten geduyrr, ja leten
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für
zeitgemäße Mittheilungen.
Nr. 11.
Samstag den 13. Mai
1848.
Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Einrückungsgebühren per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition“ Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt.
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Die Arbeiter und ihre Interessen. Von einem Arbeiter.
Wenn ich hier versuche, eine Frage zu behandeln, welche in unserer Zeit zu den wichtigsten gehören möchte, so ist es keineswegs der Gedanke, daß ich mich stark genug fühle, diese Frage genügend zu lö— sen; es liegt vielmehr in diesem Gedanken, zugleich die Aufforderung, daß sich Arbeiter selbst über diesen, nicht allein für sie, sondern für die Allge— meinheit wichtigen Gegenstand aussprechen möchten. Sehr Viele, denen das Wohl Deutschlands höchste Aufgabe ist, behandeln diesen Punkt und mit wahrem Patriotismus suchen sie das Interesse des Arbeiter— standes zu erforschen; aber häufig behandeln diese Männer die erwähnte Frage mehr aus dem Gesichts— punkte der Theorie, als der Praxis. Wer aus Vergnügen, aus Langeweile, oder aus irgend sonst einem Grunde den Platz eines Arbeiters einnahm, wen nicht. Noth oder Hunger zwang zu arbeiten, der kennt die Arbeit nicht, und weiß das Loos des Arbeiters nicht zu würdigen; wer nie die Entbehrun— gen einer, vielleicht Z monatlichen Wanderung, einer Wanderung, deren Zweck war, Arbeit zu suchen, ge— fühlt hat, der kennt nicht die Gefühle und die Lage der Arbeiter. Selbst den nenne ich noch nicht ver— traut, mit dieser wichtigen Frage, der stets vollauf Arbeit hatte. Aber das sind die Arbeiter, um die es sich bei dieser Frage vorzüglich handelt, die Ar— beit suchen, um essen, um leben zu können!— Und das sind die Männer, auf die noch vor wenigen Monden oft mit Hochmuth herabgesehen wurde; das sind aber auch die Männer, auf welche die Ca— pitalisten jetzt mit Besorgniß sehen. Jetzt soll ihnen geholfen werden, und zwar schleunigst; nicht aber etwa aus Mitleiden, aus Mitgefühl; denn hat viel— leicht die neueste Zeit erst das Mitleiden und das Mitgefühl geboren? nein, das Mitgefühl ist es nicht, was aller Augen und Herzen jetzt zu den Arbeitern wendet, sondern die Furcht vor der losgelassenen Hyäne, die Furcht vor dem Rufe: es lebe der Com— munismus! die Furcht den angehäuften Mammon
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und die Glückseligkeit des unbefümmerten Lebens zu verlieren! Gerade jetzt sollen die Uebelstände geprüft und getilgt werden. Wie uninteressant das Studium dieser Frage war, sieht man vorzüglich daran, mit wie wenig Geschick dieser Knoten zu lösen, an Orten begonnen ist. Ja wahrlich, es ist ein Gordischer Knoten; aber wer ließ ihn so verschlingen? sollten nicht die, denen es vorbehalten war, über die In— teressen des Volks zu wachen, statt sich in diploma— tischen Fragen mit dem Auslande zu verwicklen, viel— mehr sich erst dem Innern zugewendet baben?— doch warum sollen wir uns noch ereifern, bei den Intriguen der Vergangenheit, verfluchten Andenkens! Aber das ist hier an seinem Ort, daß, wir den Theo— retikern zu rufen:„der Knoten läßt sich nicht zer— hauen!
Jetzt zu den Arbeitern selbst.
Ich höre oft sagen, und namentlich solche, die nicht genau mit der arbeitenden Klasse vertraut sind, „dem Arbeiter muß geholfen werden!“ aber sie vergessen dabei ganz, oder scheinen nicht zu berück— sichtigen, daß die Arbeiter selbst wieder aus mehreren Slassen bestehen, die unter sich selbst bei einem oder dem anderen Beschlusse uneinig werden würden.
Diese Classen theile ich in folgende:
1) Unabhängige Arbeiter, d. h. solche, welche
ein eigenes Geschäft haben, 2) Abhängige Arbeiter, welche von den Erstge— nannten(Brodherren) abhängen, 5 3) Arbeiter unter Beaufsichtigug von Staats— dienern.
Diese Klassen aber theile ich wieder, jede in be— sondere ein: die erste Klasse zerfällt wieder in solche, welche ihr reichliches Auskommen haben; ja, noch Schätze anhäufen können, sie sind die Matadore, und diese Abtheilung will ich hier mit dem Ausdruck Brodherren bezeichnen; zu der zweite Abtheilung gehören die, welche zwar ein eigenes Geschäst betrei— ben, also unabhängig von Brodherren sind, aber eben nur so viel verdienen, als sie gebrauchen; diese nenne ich kleine Meister.


