Ausgabe 
12.7.1848
 
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der Andern leben wollen, nein, sie maßen sich noch gar an, die Andern in ihrer Arbeit zu beeinträch tigen, zu stören und einen Einfluß im Staate zu äußern. Verzeihen können wir ihnen als Christen, dulden können wir sie als Menschen, aber ihnen Geltung und Einfluß üben lassen, das können und dürfen wir nie, wenn nicht die schönste, die einzig dauerhafte Grundfeste der Gesellschaft erschüttert werden soll. Die Arbeit ist heilig!

Und laßt Euch nicht irre machen durch die Re den Unvernünftiger, als könnte es je gelingen, den Unterschied zwischen Arm und Reich auszugleichen, als könnte je eine Zeit kommen, welche einem Jeden gleiches Lebensglück gewährte. Armuth ist ein un⸗ vermeidliches Uebel, unvermeidlich wie Krankheit, wie Alter, wie Laster und Elend; sie beruht auf ewigem, unabänderlichem Naturgesetze; der Einzelne kann sie vielleicht vermeiden, die Gesammtheit nie. Ein verhältnißmäßiger Unterschied der Men schen wird ewig bleiben. Wenn der Kaufmann vor Zeiten für sein Leben zitterte, wenn er mit Waaren zur Messe reis'te, so glaubte er, Alles sey erreicht, wenn die Straßen sicher seyn würden. Sie sind sicher. Niemand ist in Gefahr, auf der Straße todtgeschlagen zu werden. Und was nun? Der Landmann glaubte das Ende der trüben Tage sey gekommen, da die Frohnen und Leibdienste abge- schafft wurden. Und was nun? der Taglöhner, der Besitzlose glaubte das goldne Zeitalter erscheine, wenn er vor dem Hungertode gesichert wurde. Sparkassen sind errichtet, Hospitäler, Dienstboten vereine, Arbeitsnachweisungsbüreaus, Almosenkasten, Wittwenkassen, Waisenhäuser; und immer seltener hört man von Hungersnoth, die sonst so häufig die Menschen geißelte; und was nun? der un⸗ zufriedene Mensch ist niemals glücklich, der Niedere sieht dann immer mit Neid auf den heren und Jeder sieht doch noch Höhere, Mächtigere über sich das Wahre der Noth bleibt, nur der Gegenstand ändert sich. Und wenn es gelungen seyn wird, den Hungernden zu sättigen, glaubt ihr dann am Ziele zu seyn? Nein, spricht der Unglück liche, zufrieden sind nur die Thoren; Er wird den Glücklicheren beneiden um seine Kleider, um seine Wohnung, um seine Bildung, um seine Gesundheit, um sein Talent, um seine Tugend, um Alles, was er nicht selbst hat.

Hütet Euch, ihr Männer des Volkes, solche Hoffnungen zu erwecken, die dem ewigen Naturge setze nach nie erfüllt werden sollen. Denn schlimm ist es, zu leiden, aber das Schlimmste ist, wenn die Hoffnung der Erlösung angefacht und, zu Schanden wird. Zufriedenheit, Genügsamkeit und freiwilliges Sichunterwerfen unter die ewige Naturgesetze, das sey das Ziel der wahren Aufklärung und Bildung, frei aus Ueberzeugung das Gute, das Zweckmäßige thun, aus freiem Entschluß sich dem Gange der Vorsehung unterwerfen, ist eines denkenden Menschen würdig. Nicht die Art, nicht die Größe des Genusses ist ein Maßstab des Glückes; sondern die Empfänglichleit des Ge müthes, die Fähigkeit, selbst in dem scheinbar Ge ringfügigen die Quelle der Freude zu finden.

Nur zu gerne klagt der seinen Schöpfer an, der mit dem Keim einer erblichen, unheilbaren Krank heit geboren wurde; warum mußte ihm dies wi

derfahren? Innig bedauern wir den Unglücklichen der wahnsinnig geboren wurde; aber können wir es ändern? Gewiß nicht. Wir bedauern den Es kimo in seinem ewigen Schnee, in seiner langen Nacht, wir beneiden den Bewohner der gluͤckseligen Inseln der Südsee. Aber steht es in unserer Macht eine andere Erde zu schaffen.

Mag auch der Grund, warum die Welt die Einrichtung hat, welche wir nun sehen, gar Vielen unklar bleiben; soviel sieht Jeder ein, daß es am klügsten ist, dem wirklich Unabänderlichen sich ohne Murren zu unterwerfen.

Der Aufruf der Freunde des Volkes der Wahrheit und des Rechts, vom Tag des Sommeranfangs 1848, unpartheiisch geprüft von einem Freunde des Volks, der Mäßigung und Ordnung.

(Fortsetzung)

Die Verfasser des AufrufsLiebe Landsleute nennen sich zweitens Freunde der Wahrheit. Wir wundern uns nun billig, daß sie als solche nicht an's Licht getreten sind, und hinter dem Schleier der Anonymität ihre Persönlichkeit verbergen. Wa rum aber mißgönnen sie uns den Genuß der An schauung der schönen Formen, worin sich die Wahr- heit verkoͤrpert hat? Sind sie nicht gleich den schö nen Frauen und Mädchen, welche die lieblichen Formen der Schönheit hinter neidische Schleier schalk haft verstecken? Da Licht und Wahrheit im Gebiete der Wissenschaf tidentisch(gleichbedeutende) Dinge sind, so erwarten wir wohl mit Recht, daß die Verfasser als ächte Wahrheitsfreunde aus dem Dämmerschein der Anonymität, in welchem man nur ihre schwa chen Umrisse erkennt, hervortreten in ihr eigenes Element, d. i. in den Lichtkreis der vollen Oeffentlichkeit. Wird nicht sonst das mißtrauische Publikum ver muthen, die Herren Verfasser seien nicht Freunde des Lichts und der Wahrheit, sondern Freunde der Nacht, Finsterlinge, die mit Mephistopheles im Faust denken:

Am Tag erkennen, das sind Possen;

Im Finstern sind Mysterien zu Haus. Nein, Freunde der Wahrheit können nur folgende Worte Göthes zu ihrem Wahlspruch nehmen:

Die Mysterien laß ich dir; was will das

duͤstre Frommen?

Hat etwas Werth, es muß zu Tage kommen. Diese Worte, meine Herrn, sind, wohlgemerkt! Worte Göthes, dessen dichterische Schöpfungen eben darum auf classische Vollendung so gerechten Anspruch ha ben, daß ihnen der Stempel der Wahrheit und der Natur aufgedrückt ist. Und da nun das Urtheil dieses Dichters als eines bewährten Freundes der Wahrheit bei den Verfassern, sowie bei allen Freun den der Wahrheit sicherlich einigen Einfluß hat, so glauben wir, daß sie nunmehr hervortreten wer den, besonders wenn wir sie in ihrem eignen Inte⸗ resse bitten, die Huldigungen sympathisirender Gei⸗ stesverwandten entgegenzunehmen und den Tribut Goll) des Dankes selbst zu empfangen, den man fuͤr ihre Schrifistellerschaft mitunter an Andere ab

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