Ausgabe 
11.4.1848
 
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desgleichen ist das Recht der freien ungehinderten Volksversammlung, das Recht der freien Association ebenso Grundbedingung eines Volksstaates, eines kon stitutionellen Staates. Erst von heute an, wo wir Preßfreiheit im ausgedehntesten Sinne besitzen, tritt Baden als konstitutioneller Staat an die Seite Eng⸗ lands, erst von heute an werden durch die Preßfrei heit auch die Verfassungen der übrigen konstitutionel len deutschen Länder eine Wahrheit, ein lebenskräfti ges, volksthümliches Institut, dessen Fortbildung und Entwickelung im Sinne des Volkes keine Grenzen mehr gesteckt sind.

Aber fallen jetzt Exzesse aller Art vor, versteht das Volk nun, in Unwissenheit gelassen, seine Interessen nicht, und tritt aus der Bahn eines geregelten, na turgemäßen Entwickelungsganges, und wirft sich wil lenlos einzelnen, im Strudel der Zeit auftauchenden Männern in die Arme, die wohl das Gute wollen, aber nicht die Fähigkeit besitzen, aus den Trümmern niedergerissener Verhältnisse auch etwas Neues, Ed leres, Besseres, Glücklicheres zu schaffen, und bricht alsdann eine Zeit des Unglückes, des Mangels und Elendes über unser Volk herein, so stehen hierfür vor Gott und Menschen diejenigen verantwortlich, welche uns bisher die freie Presse vorenthalten haben.

Wir wollen hoffen, daß keine solche trübe Zu kunft uns bevorsteht, wo unter den Trümmern unserer Institutionen auch manches Gute begraben werden könnte. Wir wollen aber auch nicht hoffen, daß sich die traurige Vergangenheit wiederholt, daß alle die Konzessionen, die man uns nun gemacht hat, nur leere Worte sind; das letztere liegt aber allein an uns, es liegt an uns, diese Versprechungen zu er füllen, zu bewahrheiten, zu behaupten, und wenn es gilt, mit den Waffen in der Hand für dieselben mit Leib und Leben, mit Gut und Blut einzustehen.

Preßfreiheit haben wir, allgemeine Volksbewaff nung unter eigenen Führern haben wir ebenfalls, öffentliches Gerichtsverfahren soll schleunigst einge führt werden, ja selbst der deutsche Bund hat in sei nen alten Tagen unser Zeichen, die schwarz⸗roth goldene Kokarde angenommen, das Sinnbild eines einigen, großen Deuschlands aufgesteckt; aber trauen

wir ihm nicht, er hat uns zu lange betrogen und verrathen, er hat die Nation zum Kinder⸗ gespötte gemacht, seine Zeit ist aus für immer.

Ein deutsches Parlament wird statt seiner die Interessen der einigen, großen, verbündeten deutschen Nation sicher stellen, und Ordnung und Gesetz für Hütten und Throne handhaben. Es wird dieses Parlament ein großer deutscher Landtag seyn, zu dem alle Theile Deutschlands ihre edelsten, ihre be währtesten und erprobtesten Patrioten senden- werden; nicht die Männer von heute oder gestern, nicht die im Momente der Aufregung aufgetaucht sind, sondern die Männer, die unserer Zeit schon lange als die ersten, die tüchtigsten bekannt sind; nicht die, die erst von heut auf morgen der Sache des Fortschrittes ein Auge zugewandt haben, und nun im Umsturz aller Verhältnisse das Heil sehen und predigen, aber doch nicht im Stande sind, etwas Besseres aufzu bauen, denn der gute Wille thut's nicht allein, es gehört auch Einsicht, Besonnenheit, Erfahrung dazu, Zweckmäßiges, Zeitgemäßes aufzurichten.

Das deutsche Parlament wird nicht nur die ge gebenen vier Konzessionen für die konstitutionellen Länder feststellen, sondern es wird auch diese Wohl thaten auf die bisher nicht konstitutionellen Länder unseres gemeinsamen Vaterlandes auszudehnen Ge legenheit nehmen, und mit dem Bande innigster Verbindung alle deutschen Stämme zu einem Ganzen nach Außen mit einander verknüpfen. Es wird von nun an keine Politik von Vaden, Baiern, Preu ßen geben, sondern nur eine deutsche Politik; es werden keine Gesandschaften der einzelnen deutschen Länder mehr an den verschiedenen auswärtigen Höfen stehen, sondern nur die vom deutschen Parlament ge sandten. Der deutsche Bürger wird nunmehr im Auslande auf den Schutz einer einigen, großen Na⸗ tion zu rechnen haben. Dem deutschen Bürger wird von nun an im eignen Vaterlande kein Ausweisungs gebot mehr zugestellt werden können, denn der Be griff eines deutschen Staatsbürgers muß Wahrheit werden.

(Fortsetzung folgt.)

F

Gegen die an die Redaction der Sprechhalle eingegangene anonyme Einsendungen, glaubt sich die selbe verwahren und offen und entschieden erklären zu muͤssen, daß sie ihre Spalten nicht fuͤr solche Ar tikel, die entweder Persönlichkeiten, Partheihaß, Volksaufreizung und Anarchie predigen, öffne, solche viel⸗ mehr zurückweise oder unberücksichtigt lassen werde, indem die Redaction die freie Presse als ein zu heiliges großes Gut schätze und achte, und daher dieselbe nie zu mißbrauchen gedenkt. Dagegen sind der Re daction alle Artikel, welche den Fortschritt, auf gesetzlichem Wege, und die freie Entwicklung, sowie den großen Bau des gesammten großen einigen Deutschlands, das Wohl und Beste des Volks und die theuer erkaufte Freiheit und Rechte, wie auch gemeinheitliche lokale Interessen besprechen, stets herzlich

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