auszugeben, um Einlaß zu erhalten. Als gewesenes Mitglied des Landtags war er geladen gewesen.
Warum er einmal bei einer Abstimmung nicht in der Versammlung zugegen gewesen seyn soll, wis— sen wir nicht. Er kann ja einen ganz unschuldigen Verhinderungsgrund gehabt haben und wir dürfen ihm dieß nicht zu einem Vorwurf machen. Am we⸗ nigsten hat die republikanische Parthei Ursache ihm deshalb zu grollen, denn irren wir uns nicht in ihm, so würde er, wäre er gegenwärtig gewesen, sich gegen eine Republik erklärt haben, seine Abwesenheit konnte also den Freunden der Re— publik nur von Nutzen seyn. Herr Gail hat immer als einen besonnenen und praktisch verständigen Mann sich bewiesen, und in diesem guten Rufe, den er sich in einer Zeit erworben hat, wo es noch gefährlich war, als freisinnig zu gelten, erblicken wir eine gewichtige Bürg— schaft dafür, daß er bei reifem Verstande nicht urplötzlich so leichtgläubig oder so jesuitisch geworden seyn wird, auch nur einen Augen— blick an ein Heil Deutschlands in einer Republik glauben zu können!
Wechselherrschaft Einzelner und ihres Anhangs— das sehen wir als prac— tisches Wesen der Republiken überall sich bethä— tigen, wo noch dergleichen be stehen oder ent siehen. Deutschland eine Republik! Fürwahr, das sollte eine schöne Wirthschaft, ein schönes Durcheinander geben, wo Einer den Andern von seinem Platze zu verdrängen suchte; wo Einer dem Andern um seine Wechsel herrschaft über das Volk auf Tod und Leben stritte— alles im Namen der Freiheit, eines Namens, welcher als Hohn klingen würde, in dem Ohr des Ver— ständigen, der sich nicht frei fühlen kann, wo das Recht des Stärkeren gilt, wo Lüge und Verläumdung Schutz unter dem Mantel eines modischen Volksmannes finden. Lasse man immerhin starke Geister träumen von Republiken, lasse man sie schreiben davon; lasse man sie ihr Lob besingen— dem allem höre man ohne sie zu verketzern gerne zu, wenn es zier— lich und manierlich geschieht; doch verführen lasse man den nüchternen Verstand durch dergleichen sich nicht! Freigeisterei taugt nicht für unser Staatsleben! sie hat die Welt noch niemals beglückt. Im Haus— halt, im Geschäft, im Regieren ist sie keine Bohne werth. Erhalten wir ein gute co n— stitutionelle Verfassung für ein einiges Deutsch— land und dadurch Sicherheit für die gesetz— liche Freiheit eines Jeden, dann brauchen wir keine Nation der Erde zu beneiden.
Eine Republik ist freilich ein schöner Ge⸗
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danke; aber so lange man aus den Menschen keine Engel machen kann, bleibt sie ein Ideal, das, wo es auch noch auf der Erde hat festgehalten wer—⸗ den wollen, weit unter der Erwartung von seiner segnenden Kraft geblieben ist. Für wahre und allgemeine Freiheit giebt es in ihr keine Garantie. Wer einen Tummelplatz für politische Leidenschaften sucht, wer für Ehrsüchtige, für Abentheurer und Sprudelköpfe ein gutes Schlachtfeld sucht, der lasse sich einbürgern in eine Republik; auswärts suche er in einer solchen eine Heimath für seine Träume. Lassen wir hingegen von keinem Träumer uns aufschwatzen, daß Deutschlands Glück durch eine Republik begründet werden könne! Es würde darin nur eine Quelle unsäglichen Unglücks geschaf— fen und das Unheil, welches ein einziges republi— kanisches Jahr über unser Vaterland bringen würde, könnten zehn Jahre verfassungsmäßiger Regierung nicht wieder ungeschehen ma— chen. Darum rufen wir Jedem, der Ohren hat zu hören, zu: keine Republik— nur keine Re⸗ publik in Deutschland!!
Die Reform oder die Republik.
Ein Wort an das badische Volk und zunächst an die Bewohner des Seekreises. von Friedrich Hundeshagen, N
ehemals Bürger von Amerika, nun Burger vom einigen
Deutschland.
(Fortsetzung)
Seien wir offen und gestehen wir es ein, wir sind zum Theil nicht thätig, nicht intelligent genug gewesen, wir haben uns nicht kräftig und entschie⸗ den, nicht einig genug gezeigt. Zwar trifft Baden dieser Vorwurf weniger, aber wir reden hier vom ganzen Deutschland. Unsere Entschiedenheit von heute, hätte sie nicht zu andern Zeitpunkten viel ge— rechtere Veranlassung gehabt? und doch schwieg das Volk und unterstützte kaum seine Kammern, ja ließ sich sogar verkaufte Seelen als Deputirte anpreisen und aufschwätzen, heute, heute erst erwacht das Volk, angeregt durch die Zufälligkeit der Vorgänge, in Frankreich, aus seiner Unthätigkeit und Theilnahm— losigkeit zur Einsicht, zu ernstem Willen, zur That⸗ kraft, und so Gott es will, beharrt es dabei.
Es muß aber auch bekannt werden, daß dieser Mangel an Einsicht, Kraft und Thätigkeit eine trau— rige Folge der bisherigen Sklaverei der Presse ist, welche nicht diejenige Aufklärung unter alle Stände befördern konnte, die zu einem vernünftigen und ent⸗ schiedenen Handeln allein führen kann. Die Freiheit der Presse ist das Lebenselement eines konstitutionel⸗ len Staates, ohne sie ist die Konstitution eine L üg ee;


