Ausgabe 
11.4.1848
 
Einzelbild herunterladen

Sprechhalle

für

zeitgemäße Mittheilungen.

Nr. 3.

Dienstag den 11. April

1848.

Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal, Dienstags und Freitags. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition,

rückungsgebühren per Zeile 2 kr. Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. berücksichtigt.

Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben.

Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Ein-

Anonyme Einsendungen werden nicht

Drei Worte.

Fragest du, Sterblicher! fragst Du nach besseren Tagen? Richte den Blick auf das riesige Schwungrad der Zeit! Zwig beherrscht es die bunten Geschicke der Welten, Immer im Wechsel die irdischen Dinge sich dreh'n. Hoffen und Sehnen umgaukeln dir lieblich die Seele, Endlos ach, suchst du das ferne, das goldene Ziel;

Ist noch im Leben kein freundlicher Stern dir erschienen? Träumer, erwache! denn siehe, die Freiheit ruft Dir.

Glückliches Volk, wenn die Bande der Gleichheit dich ketten! Lächelt hienieden wohl je dir ein schöneres Loos? Eit'ler! Verwegener! willst du dich stolz noch erheben? Ist dir der Bruder im Hüttchen der Armuth nicht werth? Oeres, die Himmlische! steigt sie beim Frühling nicht nieder? Haucht sie nicht Segen für Jeden in's All der Natur? Hält uns nicht Alle die ewige Liebe umschlungen? Endlicher! sind wir vor Gott nicht, dem Ewigen, gleich? Letzt, wo der Frühling der Frühlinge Deutschlands erwachet, Trittst du noch immer im Stolz den Gebeugten in Staub!

Pflanzet euch, Deutsche! ja pflanzet euch eherne Säulen,

Alle für Freiheit, für Gleichheit, für Ordnung, Gesetz.

Reicht Euch die Hände zum großen, zum einenden Bunde,

Leget den felsigen Grund zu dem staatlichen Bau.

Auf denn! ihr Männer, mit geistigen Waffen gerüstet!

Muthig zertrümmert die Schranken der feindlichen Macht,

Ewiger Bann den gestürzten Despoten-Gewalten!

Nicht mehr das Fürstenwort reg'le der Völker Geschick.

Treffliches Ringen! o strahle in stolzer Vollendung! Theodor Loos.

Das deutsehe Parlament,

oder: die Gesammt- Verfassung Deutschlands. (Fortsetzung.)

Darum hat man von jeher daran gedacht, der Staat sey am Besten so eingerichtet, daß zwar ein Regent an der Spitze stehe, daß sich aber ne ben ihm ein Rath, aus dem Volk gewählt, be finde, der darauf sehe, daß der Regent nur Freiheit und Recht schütze und schirme und nicht über deren

Grenze greife. Dabei hat man also das Gute der Monarchieen mit dem Guten der Republiken zu ver binden gesucht und wirklich haben die auf diese Weise verfaßten Staaten, die sogen. coustitutionellen Monarchieen bei allen gebildeten Völkern den Vor zug erhalten. In einer constitutionellen Monarchie regiert also der Monarch nicht allein und nach Will kühr, sondern er hat neben sich einen Rath aus dem Volke, welcher ihn in der Art beschränkt, daß er über Gesetz und Recht nicht hinaus kann. Diesen Rath nennt man denn das Parlament oder die Kammer. Ein solches Parlament kann auf ver schiedene Weise zusammengesetzt seyn; es können darin blos einzelne bevorzugte Stände, z. Buder Adel, die Geistlichkeit und die Städte vertreten seyn, dann bat der Staat eine ständische Verfassung oder die Verfassung hat eine aristokratische Grundlage, oder es können die Mitglieder des Raths aus dem ganzen Volke gewählt seyn, dann nennt man die Verfassung eine rein repräsentative(sie ruht auf demoktra tischer Grundlage); oder endlich sie kann aus beiden gemischt seyn, so daß sowohl bevorzugte Stände ihre eigne Stelle darin haben, als aus dem ganzen Volk gewählte Repräsentanten desselben; dies ist die landständiüsche Verfassung, bei der gewöhnlich die bevorzugten Stände eine besondee Kammer und die Volks-Deputirten die andre bilden.(Zwei Kammer-System.) Dieses System ist in den meisten Ländern von Europa als am Besten be funden, und sogar in Republiken, z. B. in Nord amerika eingeführt und soll selbst in der Schweiz jetzt Anwendung finden.

Was namentlich Deutschland betrifft, so hat das deutsche Volk von den ältesten Zeiten her, aus wel⸗ chen man seine Geschichte kennt, aus einzelnen Volks stämmen bestanden; es gab von jeher Schwaben, Baiern, Hessen, Friesen u. s. w. Diese Völkerschaf⸗ ten waren tapfer, bieder und liebten die Freiheit über Alles, sie hatten schon in den ältesten Zeiten zwar einen Fürsten(Vordersten) oder Anführer, machten